Milchverband droht Bauern mit Anwalt

Der Thurgauer Milchverband droht seine Mitglieder zu betreiben, wenn sie die Beiträge an die Lactofama nicht bezahlen.

jgr/ral |

Der Thurgauer Milchverband droht seine Mitglieder zu betreiben, wenn sie die Beiträge an die Lactofama nicht bezahlen.

140 Bauernfamilien flatterte dieser Tage eine Betreibungsandrohung ins Haus. Absender ist der Verband Thurgauer Milchproduzenten. Er mahnte Mitglieder, die den Beitragszahlungen an die Exportfirma Lactofama nicht nachgingen.

Mit der Betreibungsandrohung nehme ein Knatsch zwischen dem Verband und über zehn Prozent seiner Mitglieder eine überraschende Wende, schreibt das «Thurgauer Tagblatt». Zwar habe Verbandspräsident Ruedi Schnyder, Bauern mit dem Rauswurf aus dem Verband gedroht, jedoch habe er den juristischen Weg ausgeschlossen. Anders der Vorstand: Dieser schlägt nun den Rechtsweg ein. Eine Massnahme, die schweizweit wegweisend sein könnte.

Angst einjagen

Durch die Betreibungsandrohungen würde der Vorstand den säumigen Zahlern Angst einflössen, sagt Biobauer Godi Siegfried aus Sitzberg. Einige würden wohl nun klein beigeben und zahlen. Das Vorgehen des Verbandes stehe aber rechtlich auf wackligen Beinen, findet Siegfried. Er werde sich einen Anwalt nehmen statt zu zahlen.

Anders sieht es Jürg Fatzer, Geschäftsführer des Thurgauer Milchverbandes. «Wir haben dieses Vorgehen durch ein juristisches Gutachten zusammen mit dem Schweizer Milchproduzentenverband abklären lassen.» Wer die Beiträge nicht zahle, verstosse gegen die Statuten der Genossenschaft und könne somit betrieben werden. Fatzer sieht die Vorgehensweise auch als Solidarität gegenüber den 850 Mitgliedern, die ihre Beiträge bezahlen.

Versicherung für andere

Siegfried sieht sich als marktorientierten Bauern. Er habe mit einem Verarbeitungsbetrieb Jahresmengen vertraglich abgemacht, welche dieser abnehme. Der Milchpreis sei dadurch leicht tiefer angesiedelt, darin seien die saisonalen Schwankungen berücksichtigt. Die Beiträge an die Lactofama seien eine Versicherung für andere. Er selber profitiere nicht davon. Deshalb sieht er sich auch nicht verpflichtet, dafür zu zahlen. Die Verbandsmitglieder hätten zudem der Lactofama nie zugestimmt, sagt er. Das machten die Delegierten an der Versammlung des Schweizer Milchproduzentenverbands.

Die Genossenschaft Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost, zu der 5500 Milchbauern verschiedener Kantone gehören, schaut genau auf die Entwicklung im Thurgauer Milchstreit. «700 bis 800 unserer Mitglieder haben die Beiträge bisher nicht bezahlt», sagt Andreas Ritter, Geschäftsführer der Genossenschaft mit Sitz in Gossau. «Wir werden erst im kommenden Jahr entscheiden, wie wir damit umgehen.»

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