Das European Milk Board (EMB) kritisiert die Haltung des EU-Ministerrats in Sachen Milchmarktreform. Die Erzeugerorganisation sieht Forderungen wie die Einrichtung einer EU-Monitoringstelle und EU-weit verpflichtende Verträge für Molkereien vom Rat links liegengelassen.
Diese Punkte sind bislang hingegen im Europaparlament im Gespräch, wo der Bericht des Briten James Nicholson voraussichtlich im November in Erster Lesung vom Plenum angenommen wird. EMB-Präsident Romuald Schaber erwartet von diesen Maßnahmen „einige kleine Fortschritte zur Krisenüberwindung“.
Durch verpflichtende Verträge, die sich an den Produktionskosten orientierten und molkereiübergreifend von Erzeugerorganisationen ausgehandelt würden, bestehe für Landwirte die Chance auf einen fairen Preis für ihre Milch. Das werde hingegen nicht erreicht, wenn jedes einzelne Land entscheide, ob es Verträge verpflichtend einführe oder nicht. Ferner betonte Schaber, nur über eine Monitoringstelle könne nach Auslaufen der staatlichen Quotenregelung die Produktion schädlicher Übermengen verhindert werden.
Die vom Rat vorgesehene Beschränkung der Erzeugerorganisationen auf einen Anteil von 33 % am nationalen Milchmarkt und 3,5 % der EU-Produktion hält das EMB für zu gering. Molkereien erreichten einen Anteil von bis zu 95 % des nationalen Marktes. Damit könnten sie einer Erzeugerorganisation, die diese Zahlen nie erreichen dürfe, die Vertragsbedingungen diktieren und damit unangemessen niedrige Preise. Schaber warnte vor „Schweizer Verhältnissen“. Dort befänden sich die Erzeugerpreise seit Abschaffung der Milchquoten in einer Abwärtsspirale.