An der neuseeländischen Handelsplattform GlobalDairyTrade konnten beim jüngsten Event die Notierungen für wasserfreies Milchfett, Butter und Cheddar-Käse zulegen, gleichzeitig gaben die Preise für Milchpulver deutlich nach.
In der Folge sank der GDT-Gesamtindex, in dem eine Bandbreite von verschiedenen Milchprodukten und Kontrakt-Zeiträumen zusammengefasst ist, um 3,9%. Die Analysten hatten angesichts der Coronakrise einen stärkeren Rückgang erwartet. Der GDT-Index gilt als wichtiger Indikator für die Entwicklung am internationalen Milchmarkt.
Leitprodukt gibt deutlich nach
Die Notierungen tendierten sehr unterschiedlich: Der Index für wasserfreies Milchfett (Butteröl) konnte um 1% auf 4'331 USD/t (4'200 Fr.) zulegen. Bei Butter kam es zu einem weiteren Anstieg um 0,3% auf 4'144 USD/t (4'020 Fr.). Auch Cheddar-Käse wurde höher bewertet, die mittlere Notierung stieg hier um 2,6% auf 4'398 USD/t (4'266 Fr.). Positiv entwickelten sich auch die Preise für Laktose mit 914 USD/t (887 Fr.) (+4,9%) sowie für Kasein mit 9'987 USD/t (+1%) (9'687 Fr.).
Im Gegensatz dazu sank der Index für Magermilchpulver deutlich, und zwar um 8,1% auf 2'527 USD/t (2'451 Fr.). Bei diesem Produkt hatte die GDT-Notierung im Dezember 2019 mit 3'068 USD/t (2'976 Fr.) ein Fünfjahres-Hoch erreicht, seit Februar 2020 sind die Preise deutlich rückläufig. Die mittlere Notierung für Vollmilchpulver - das Leitprodukt dieser Auktion - verringerte sich gestern um 4,2% auf 2.797 USD/t (2'713 Fr.). Die Kurse für Vollmilchpulver hatten in der zweiten Jahreshälfte 2019 spürbar zugelegt und im Dezember mit 3'331 USD/t (3'231 Fr.) den Höchstwert der vergangenen zwölf Monate erreicht. Seit Anfang Februar sind sie wieder rückläufig.
In Summe wurden beim jüngsten GDT-Event Molkereiprodukte im Umfang von 24'209 t verkauft, damit fiel die Menge gegenüber der vorhergehenden Auktion geringer aus (25'576 t). Gleichzeitig sank die Zahl der teilnehmenden Bieter von 184 auf 165.
Einfluss der Coronakrise leicht spürbar
Der erneute Rückgang des GDT-Index wird von den Analysten in erster Linie auf die globale Ausbreitung des Coronavirus zurückgeführt. Allerdings hatten die Marktbeobachter mit einem grösseren Minus gerechnet. Westpac-Analyst Imre Speizer betont, die Index-Verringerung um 3,9% sei nicht stärker ausgeprägt als die Rückgänge in den vergangenen Wochen und Monaten. Ausserdem sei bei anderen Rohstoffen der Kursverfall viel stärker ausgeprägt. Rabobank-Experte Michael Harvey ergänzt, die Corona-Problematik sei bei Standard-Milchprodukten bereits global "eingepreist" worden.
Der Agrarexperte der neuseeländischen ASB-Bank, Nathan Penny, erwartet, dass der weltweite Handel mit Nahrungsmitteln trotz der Coronakrise weiterhin auf einem entsprechenden Niveau bleiben werde, "weil die Menschen auch in dieser Situation die Lebensmittelversorgung als prioritär ansehen". China habe beispielsweise am Höhepunkt der Virusausbreitung immer noch Importe forciert, allerdings sei man dabei zum Teil an logistische Grenzen (zu wenig Container) gestossen. Die Nachfrage nach Milchprodukten sollte daher (ausgenommen im Premiumbereich) nicht besonders stark einbrechen.
Produktion an Bedarf anpassen
Allerdings, so die Analysten, sollte die globale Milchproduktion in den kommenden Monaten auf den geringeren Bedarf abgestimmt werden. In den vergangenen Monaten hätten grosse Produzenten wie Neuseeland und Australien witterungsbedingt eine geringere Erzeugung gemeldet. Derzeit tendiere aber die Anlieferung der sieben wichtigsten Exporteure (EU, USA, Neuseeland, Australien, Brasilien, Argentinien und Uruguay) in Summe wieder nach oben.