Bei der Generalversammlung der Dachorganisation waren die Bestimmungen zur Revision des Raumplanungsgesetzes ein wichtiges Thema.
Am Dienstag, 2. April hielt die Dachorganisation ihre 9. Generalversammlung im Institut agricole de l'Etat de Fribourg in Grangeneuve ab. Auf den statutarischen Teil unter dem Vorsitz von Roland Lymann folgte ein Besuch bei "Ferme pour tous" in Tinterin bei Freiburg. Abgerundet wurde die Generalversammlung durch einen Besuch des Ausbildungsbetriebs Grangeneuve. Im anschliessenden Gespräch mit der Agence d'information agricole romande (AGIR), nahm Andreas Allenspach, Geschäftsführer von Agrotourismus Schweiz, Stellung zu wichtigen Themen und Schwerpunkten des Dachverbandes.
Herr Allenspach, welche Ereignisse standen im Mittelpunkt des Geschäftsjahrs 2018?
Ein wichtiger Anlass war zweifellos das 3. Schweizer Agrotourismus Forum im vergangenen Dezember. Rund fünfzig Teilnehmer, Mitglieder des Vereins, Tourismusfachleute und Vertreter aus der Landwirtschaft haben an Vorträgen zum Thema Netzwerk teilgenommen und die Gelegenheit zum Austausch wahrgenommen. Besondere Beachtung fand dabei ein innovatives Geschäftsmodell, das Landwirtschaft und Agrotourismus auf effiziente Weise vereint.
Gab es noch weitere Ereignisse?
Darüber hinaus hat sich eine Arbeitsgruppe mit den gesetzlichen Bestimmungen zur Revision des Raumordnungsgesetzes (ROG) auseinandergesetzt. Ihr Ziel ist es, die Rechtsgrundlagen für Agrotourismusanbieter zu harmonisieren und zu vereinfachen. Nach einer Umfrage unter den Anbietern, konnten wir die Bedürfnisse gezielt festlegen. Für die Arbeitsgruppe ging es dabei speziell um die Kernpunkte im Bereich des Agrotourismus, d.h. Räumlichkeiten und Flächenanforderungen, Aussenbereiche, mobile Unterkünfte, Qualitätskriterien und Schulungen.
Und welche Neuerungen wurden lanciert?
Im vergangenen Jahr hat Agrotourismus Schweiz die Agence AGIR mit der Produktion von 4 Videoporträts beauftragt, welche unser umfangreiches Angebot in der Westschweiz aufzeigen: Weintourismus auf der "Colline de Daval" in Siders (VS), Reitferien auf der Scheidegger Ranch in Tramelan (BE), Gastronomieangebote der "Ferme Aux Cretegny" in Bussy-Chardonney (VD) und Ferien auf dem Bauernhof bei der "Ferme du Bonheur" in Pruntrut (JU). Der grosse Erfolg dieser kurzen Videoporträts (Dauer jeweils 2 Min.) auf Facebook zeigt, wie hier die Landwirtschaft und der Agrotourismus ihr gewünschtes Zielpublikum erreichen können. Vom 7. bis 10. November 2018 war Agrotourismus Schweiz am ersten Internationalen Agrotourismus-Kongress in Bozen, Südtirol (I) vertreten.
Welche Themen stehen 2019 im Vordergrund?
Das Raumordnungsgesetz (ROG) bleibt weiterhin ein wichtiges Thema. Wir müssen hier unseren Anbietern zu einem Rechtsrahmen verhelfen, der dem Aufgabenbereich und dem Potential auf ihren Höfen in jeder Hinsicht gerecht wird. Im Juni werden wir eine Broschüre (D/F) herausgeben, die sich mit dem Thema Agrotourismus in der Schweiz und unserer Rolle als Dachverband befassen wird. Und wie jedes Jahr gibt der reich bebilderte Katalog "Bauernhofferien in der Schweiz" (D/F/I) einen Einblick in das breitgefächerte Spektrum an Aktivitäten: Agrotourismus, Ferienwohnungen und Gästezimmer, Gastrobetriebe, Schlafen im Stroh, Sporturlaub, Weintourismus, Kinderferien... Alle Angebote befinden sich ebenfalls auf www.myfarm.ch. Natürlich werden wir auch die Zusammenarbeit mit unseren Anbietern und Partnern fortsetzen und alles daran setzen, unser Angebotsnetz weiter auszubauen.
Was sind die wichtigsten Forderungen bzw. Anliegen der Anbieter?
Hier geht es erneut um das Raumordnungsgesetz (ROG). Es ist zu streng und mitunter zu kompliziert und hält viele davon ab, langfristig in den Agrotourismus zu investieren. Der Bund, die Kantone oder die Gemeinden interpretieren die Regeln auf ihre eigene Weise, was unweigerlich dazu führt, dass man als Anbieter die Übersicht und die Motivation verliert. Manche Kantone erheben zusätzlich Steuern, insbesondere im Bereich der Gastronomie oder bei der Ausbildung, was wiederum den Ausbau der Angebote hemmt.
Wie lautet die Botschaft von Agrotourismus Schweiz für das Jahr 2019?
Der Agrotourismus erfreut sich wachsender Beliebtheit und dies seit Jahren. Wir werden uns auch in Zukunft dafür einsetzen, dass unsere Bauernhofferien auf die Ansprüche der Urlauber zugeschnitten sind. Dazu müssen wir den Anbietern effiziente Werkzeuge zur Bewerbung ihres Angebotes zur Verfügung stellen. In diesem Zusammenhang stehen wir in regelmässiger und konstruktiver Zusammenarbeit mit den Tourismusverbänden und fördern somit die Vermarktung und das Erscheinungsbild des Agrotourismus schweizweit.
Andreas Allenspach im Gespräch mit AGIR, April 2019.
Agrotourismus Schweiz
Die Dachorganisation und Vermarktungsplattform Agrotourismus Schweiz vereint mehr als 230 Bauernhöfe in der Schweiz. Zu ihrem Aufgabenbereich zählen Vermarktung und Angebotsbündelung der agrotouristischen Angebote in den Bereichen Übernachtung, Direktverkauf, Gastronomie und Veranstaltungen auf dem Bauernhof, aber auch Qualitätssicherung und nationale Interessensvertretung zur Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen im Agrotourismus.
229'185 Übernachtungen im Jahr 2018. (180'772 im Jahr 2017). Die Anbieter von Agrotourismus Schweiz konnten im Jahr 2018 einen Umsatz von 7 Mio. Franken verbuchen (5,3 Mio. im Vorjahr).
An der Generalversammlung vom 2. April sind Omar Pedrini und Peter Zulauf aus gesundheitlichen Gründen und wegen eines überlasteten Zeitplans aus dem Vorstand ausgeschieden. Neu in den Vorstand gewählt wurde Tanja Bisacca, Vertreterin von Agrotourismus Schweiz im Tessin, Präsidentin des Tessiner Bäuerinnenverbandes und Mitglied von Swiss Tavolata. Ein Sitz bleibt vakant.