600 ehemalige Verding- und Heimkinder vernetzen sich

sda |

Über 600 ehemalige Verdingkinder und andere Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen haben sich am Samstagmorgen in Langenthal BE getroffen. Ihr Ziel sei die Vernetzung über alle Sprachgrenzen hinweg, teilte die Guido Fluri Stiftung mit.

Sie seien die letzten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, welche das dunkle Kapitel Schweizer Sozialgeschichte erlebt hätten. Sie hätten auf Höfen schuften sowie Misshandlungen und sexuellen Missbrauch erleben müssen.

Angereist seien sie aus der ganzen Schweiz. Die älteste Person auf der Gästeliste sei 95 Jahre alt gewesen. Die meisten Überlebenden seien heute zwischen 70 und 90 Jahre alt.

Lange Zeit sei das Leid der Schweizer Missbrauchsopfer verschwiegen worden. Letztendlich hätten die Wiedergutmachungsinitiative und die anschliessende Aufarbeitung zu einem kollektiven Umdenken geführt. Heute sei das Unrecht offiziell anerkannt, 12›000 Betroffene hätten noch zu Lebzeiten einen Solidaritätsbeitrag erhalten.

Wie der Urheber der Wiedergutmachungsinitiative, Guido Fluri, gemäss der Mitteilung sagte, hat die Schweizer Guido-Fluri-Stiftung nicht nur in der Schweiz eine Bewegung ausgelöst: «Der Mut der Verdingkinder und anderer Missbrauchsopfer, die für ihre Rechte gekämpft haben, hat dazu geführt, dass wir heute ein Gesetz haben, das in ganz Europa Vorbildcharakter hat.» Das Interesse von Opfergruppen aus anderen Ländern an der Schweizer Erfahrung sei gross.

Vor diesem Hintergrund habe der Schweizer Nationalrat Pierre-Alain Fridez (SP), Mitglied der Schweizer Parlamentarierdelegation, beim Europarat eine Motion eingereicht, die im Kern die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in den europäischen Ländern nach Schweizer Vorbild fordert. Dabei gehe es ebenfalls um Formen der Wiedergutmachung, welche die Überlebenden erhalten sollen. Im Herbst soll dazu ein umfassender Bericht der zuständigen Kommission im Europarat verfasst werden.

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