
Das Berner Komitee gegen die Ernährungsinitiative (v.l.n.r.): Ständerat Werner Salzmann, Jürg Iseli, Präsident Berner Bauernverband; Nationalrätin Nadja Umbricht-Pieren, Tobias Burkhalter, Präsident Gastro Bern; Markus Bigler, CEO Fleischwaren Bigler AG und Nationalrat Ernst Wandfluh.
BEBV
Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Politik, Gewerbe, Berggebieten und Gastronomie warnten am Mittwoch in der Stadt Bern vor den Folgen für die einheimische Produktion, die Wahlfreiheit und die Versorgungssicherheit, sollte die Ernährungsinitiative angenommen werden.
«Minderheit will Mehrheit Essen vorschreiben»
Nationalrätin Nadja Umbricht Pieren (SVP), die den Fleischfachverband des Kantons Bern präsidiert, warnte vor einem Ja zur Initiative. Dies hätte massive Auswirkungen auf das Privatleben. Die Initiative fordere, dass mehr pflanzliche Lebensmittel auf Kosten von tierischen Lebensmitteln produziert würden. «Es würde also nicht reichen, wenn wir unseren Menuplan auf eine vegetarische Ernährung umstellen. Nein, tierische Lebensmittel allgemein, also auch Käse, Milch, Joghurt und Eier, sollen massiv weniger produziert werden», führte sie aus.
Eine Minderheit von 0,7 % Veganern und 5,3 % Vegetariern wolle der grossen Mehrheit vorschreiben, was auf die Teller kommen soll. «Mündige Leute können selbst entscheiden, was eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist. Und dazu gehören auch tierische Produkte wie Fleisch, Eier und Milchprodukte», hielt sie fest.
Ackerbau in steilen Flächen kaum möglich
Ständerat Werner Salzmann (SVP) sieht bei einer Annahme der Initiative die Ernährungssicherheit in Gefahr. «Die vergangenen Jahre haben uns gezeigt, wie schnell internationale Lieferketten unter Druck geraten können», sagte er. Die Schweiz brauche aus diesem Grund eine leistungsfähige und vielfältige Landwirtschaft. «Dazu gehört in einem Land mit einer Topografie wie in der Schweiz ausdrücklich auch die tierische Produktion», so Salzmann.
Der im Berner Mittelland wohnhafte Salzmann wies darauf hin, dass es nicht nur im Hügel- und Berggebiet steil ist. «An zahlreichen Orten des Mittellandes sind viele Flächen so steil, dass kaum Ackerbau möglich ist. Dort ist Grünlandnutzung die natürliche und sinnvolle Form der Landwirtschaft», sagte der Agronom. Dank Nutztieren könnten dort Milch und Fleisch produziert werden. «So können Flächen, die sich nicht für den Ackerbau eignen, trotzdem für unsere Lebensmittelversorgung sinnvoll genutzt werden», führte er aus.
Salzmann wies darauf hin, dass die Tiere auch Hofdünger produzieren. «Dieser liefert wichtige Nährstoffe für fruchtbare Böden und für unsere pflanzlichen Kulturen. Tierhaltung und Pflanzenbau gehen also Hand in Hand und bilden einen landwirtschaftlichen Kreislauf», fuhr er fort.
Ohne Nutztiere weniger Biodiversität
Nationalrat und Bergbauer Ernst Wandfluh sagte, dass fruchtbare Böden und Biodiversität auch für die Bäuerinnen und Bauern ein zentrales Anliegen seien. Im Berg- und Alpgebiet seien Nutztiere aber nicht nur ein Produktionszweig, sondern Voraussetzung dafür, dass diese Flächen bewirtschaftet werden könnten.
Kühe, Schafe und Ziegen würden die Alpen, Weiden und Hänge offen halten und verhindern, dass wertvolle Lebensräume verbuschten. Von einer vielfältigen Landschaft würde die gesamte Bevölkerung profitieren. Wandfluh kam auch auf die Biodiversität zu sprechen. Viele wertvolle Landschaften seien nur dank der angepassten Bewirtschaftung entstanden. Falle diese weg, drohe eine Verwaldung und damit der Verlust an Biodiversität.
Die Ernährungsinitiative sei widersprüchlich. «Sie will Nachhaltigkeit und Biodiversität fördern, verlangt gleichzeitig aber eine starke Verschiebung von tierischen zu pflanzlichen Lebensmitteln», so Wandfluh weiter.