«Durch einen gezielten Cyberangriff wurde die elektronische Steuerung unserer Kühl- und Tiefkühlanlagen manipuliert», schrieb die Metzgerei «Lüthi’s Fleischwaren» am Donnerstag auf ihrer Webseite. Zuerst berichtete SRF online darüber.
70 Grad im Tiefkühler
Einem Korrespondenten von SRF sagte der Inhaber, die Temperatur im Tiefkühler habe 50 bis 70 Grad betragen. Das Fleisch sei wie gekocht gewesen, die Preisschilder geschmolzen. Man habe den Raum nur mit Mundschutz betreten können.
Um mögliche Risiken für die Lebensmittelsicherheit auszuschliessen, trennten die Ladeninhaber die Kühlanlagen vom Netz und schlossen das Geschäft vorübergehend. Nun würden sämtliche Prozesse und Anlagen geprüft, hiess es auf der Webseite. Am 20. November soll die Metzgerei wieder öffnen. Voraussetzung sei, dass die Anlagen dann wieder zuverlässig kühlten.
Berner Polizei ermittelt
Die Kantonspolizei Bern sei am Montag «kurz über den Sachverhalt informiert worden», sagte ein Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. «Bislang ist aber noch keine Anzeige eingegangen.» Die Polizei habe die Ermittlungen aufgenommen und werde nun die betroffene Firma kontaktieren.
Der Angriff auf die Metzgerei ist der erste öffentlich gewordene Cyberangriff dieser Art in der Schweiz. Jüngst griffen Cyberkriminelle Kühlanlagen in europäischen Supermärkten an. Betroffen waren unter anderem Läden in Belgien, Schweden, Irland, Estland und den Niederlanden.
Krisentreffen in der EU
Die EU-Kommission berief inzwischen zwei Krisentreffen ein. Dabei ging es vor allem darum, Informationen auszutauschen und das weitere Vorgehen abzustimmen, wie ein Sprecher der Kommission in Brüssel sagte.
EU-Agrarkommissar Christophe Hansen sprach von einem gezielten Versuch, die Lebensmittelversorgung zu stören und das Vertrauen der Konsumierenden zu untergraben. Die Versorgungssicherheit sei derzeit aber nicht gefährdet. Wer hinter den Attacken steckt, ist bislang unklar.
Vernetzte Steuergeräte erlauben Herstellern und Betreibern, Temperaturen, Abtauzyklen und Alarme zentral zu überwachen. Zudem kann eine zentrale Steuerung der Anlagen über das Internet dazu beitragen, den Energieeinsatz zu optimieren und somit Kosten zu sparen.
Schweizer Blutspendedienste bislang verschont
In Frankreich waren von den Cyberangriffen auf Kühlsysteme auch Blutspendedienste betroffen: Hacker manipulierten die Kühltechnik des Blutspendedienstes EFS. In der Schweiz sind die Blutreserven bislang von Cyberangriffen verschont geblieben. Angriffe auf Blutspendedienste in der Schweiz seien bis heute keine bekannt, teilte die Blutspende SRK Schweiz AG auf Anfrage mit.
Die regionalen Blutspendedienste überwachen demnach mögliche Cyberbedrohungen kontinuierlich und passen ihre Sicherheitsinfrastruktur laufend an die aktuelle Bedrohungslage an. Auch mögliche absichtliche oder unbeabsichtigte Veränderungen der Temperaturen in den Blutlagern seien in den Bewilligungs- und Kontrollverfahren berücksichtigt.

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