Hofladen-Kette Rüedu muss aufgeben

Das Unternehmen steckte schon länger in Schwierigkeiten. Im Frühling 2025 suchte es neue Aktionäre. Das ist misslungen. Die Rüedu AG hat den Betrieb per sofort eingestellt.

Seit mehreren Monaten steht das Unternehmen wirtschaftlich unter Druck. Im März 2025 wurde eine Unternehmenssanierung eingeleitet. «Der Weg in eine nachhaltige, finanziell gesunde Zukunft ist eine Gratwanderung, die von allen Beteiligten Engagement und Entschlossenheit verlangt», hiess es damals in einer Mitteilung. Die Zukunft von Rüedu könne nur gemeinsam gesichert werden.

Überschuldungsanzeige eingereicht

Dieser Plan ist misslungen. «Mir säge tschou», schreibt das Unternehmen am Montagabend in einer Mitteilung. Zwar wurden einige Ziele erreicht. «Dank der Optimierung unseres Standortnetzes, der Neueröffnung attraktiver Läden und Container sowie einem konsequenten Kostenmanagement konnten wir im vergangenen Geschäftsjahr die gesteckten Ziele erreichen», sagt Geschäftsführerin Karin Ingold.

Doch dazu benötigte es Geld. Doch die Investoren blieben nach mehreren Sanierungen fern. «Trotz mehrerer vielversprechender Finanzierungsgespräche konnte die erforderliche Finanzierung letztlich nicht rechtzeitig sichergestellt werden», schreibt die Rüedu AG. Der Verwaltungsrat hat deshalb beim Regionalgericht Bern eine Überschuldungsanzeige eingereicht. Der Betrieb der Hofladen-Kette wurde am Montagabend per sofort eingestellt.

1 Million fehlte

Man sei enttäuscht, dass «einzigartige Format» nicht weiterführen zu können. «Wir sind überzeugt, gemeinsam mit unseren Produzenten und Partnern einen wichtigen Beitrag für die Region und die Entwicklung der Stadtquartiere geleistet zu haben. Dass der Weg von Rüedu nun zu Ende sein soll, können wir noch immer kaum fassen», sagt Verwaltungsratspräsident Tom Winter.

Wie viel Geld hat schlussendlich gefehlt? «Für den angestrebten Turnaround hätten wir noch etwa eine Million Franken benötigt», sagte Geschäftsführerin Karin Ingold zu den Tamedia-Zeitungen. Gescheitert sei das Unternehmen aufgrund des starken Wachstums. Das habe viel Geld gekostet. «Die Expansion in Zürich und aufs Land hat sich rückblickend als Fehler erwiesen. Diese Altlasten abzubauen, war schwierig, da viele Verträge, etwa für Container oder Verkaufsflächen, langfristig geschlossen wurden», führte sie weiter aus.

2020 erste Filiale

Seit der Gründung vor knapp sechs Jahren haben Lieferanten und Partner durch Rüedu rund 18 Millionen Franken Umsatz erwirtschaftet. «Rüedu wurde damit zu einem festen Bestandteil der regionalen Direktvermarktung», schreibt das Unternehmen. Die Hofladen-Kette startete im Jahr 2020 mit einem Laden im Breitenrain-Quartier in der Stadt Bern.

In der Folge expandierte das Unternehmen rasch. Es wurden mehrere Filialen eröffnet. Rüedu ging sogar nach Zürich und aufs Land. Das Unternehmen produziert keine eigenen Produkte, sondern versteht sich als Plattform für Landwirtschaftsbetriebe und kleinere Verarbeiter.

Zu starker Expansionskurs

Im Februar 2024 suchte das Unternehmen erstmals neue Aktionäre. «80 Schweizer Franken kostet eine Aktie», sagte das Unternehmen zur Plattform «J». Die Kampagne lief unter dem Motto «dis Stück Hoflade». In einer ersten Phase sollten bis zum 31. März 2024 800'000 Schweizer Franken gesammelt werden. Das Ziel für Ende 2024 lautete: 1,6 Millionen Schweizer Franken. Als Botschafter fungierte beispielsweise der Präsident des FC Thun, Andreas Gerber.

Doch der Expansionskurs ging zu stark vonstatten. Die fünf Filialen in Zürich wurden geschlossen. «Wir konnten in der zweijährigen Pilotphase nicht genug Standorte in Zürich finden und damit die kritische Grösse nicht erreichen, die wir gebraucht hätten, damit sich das Konzept für uns und für die lokalen Produzentinnen und Produzenten lohnt», sagte Jürg Burri, der zusammen mit Tom Winter, dem CEO von Bern Expo, das Start-up gegründet hatte, im Mai 2024 zum «Tages-Anzeiger».

Neue Aktionäre gesucht

Doch auch in der Region Bern musste Rüedu Federn lassen. Insgesamt acht Filialen wurden geschlossen. Grund für den Rückzug: Die Expansion verschlang viel Geld. Das sorgte für Liquiditätsprobleme. «Wir benötigten Zahlungspläne, um allen Forderungen nachzukommen. Und es geht nach wie vor ums Überleben», sagte Tom Winter im Januar 2025 zur Zeitung «Der Bund».

Man sei in einer Konsolidierungsphase und wolle erstmals in der Geschichte des Unternehmens schwarze Zahlen schreiben. Rüedu wollte sich ab März 2025 auf urbane Standorte in der Stadt und Agglomeration fokussieren. Als Zielgrösse wurden 25 Standorte genannt. Deshalb wurden erneut neue Aktionäre gesucht. Das Mindestinvestment lag bei 400 Franken. Eine Aktie kostete 80 Franken. Es handelte sich aber um keine Rendite-Anlage. Mit einem Engagement stärke man regionale Produzenten, sagte die Rüedu AG im März 2025.

Gibt es Hoffnung?

Die Rüedu AG ist nun Geschichte. Doch die Geschichte ist noch nicht ganz zu Ende geschrieben. Für einzelne Standorte könnte es weitergehen. «Wir haben bereits mit Lieferanten darüber gesprochen. Es wäre sehr schön, wenn sich daraus eine neue Dynamik entwickeln würde und sich vielleicht Produzenten zusammenschliessen, um einzelne Standorte weiterzuführen», sagt Karin Ingold zu den Tamedia-Zeitungen.

Mehr zu Rüedu

Die Idee von Rüedu ist es, den Lebensmittelhandel in Bern sinnvoller zu gestalten und dabei lokale Wertschöpfung sowie Nachhaltigkeit sicherzustellen. Die 18 Quadratmeter grossen Containerboxen waren rund um die Uhr geöffnet. Das Sortiment umfasste Obst & Gemüse (45%), Käse, Fleisch und vegane Produkte (30%), Gebäck & Grundnahrungsmittel (20%) sowie Milch und Getränke (5%). Rund 150 Landwirte und Verarbeiter belieferten die Kette mit 450 Produkten. 

Den Lieferanten bezahlte Rüedu rund 60 Prozent des Verkaufspreises, den Rest benötigte das Unternehmen für Löhne, Miete, Informatik und anderes. «Der Detailhandel nimmt oft die Hälfte, während je ein Viertel an den Zwischenhandel und an die Produzenten geht», erklärte Tom Winter im März 2025 der Zeitung «Der Bund» die Preisgestaltung. «Wir haben keinen Zwischenhändler», führte er aus.

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