
Evelyn Scheidegger war die Initiatorin des Muka-Käserei-Projekts. Gemeinsam mit ihrem Partner Stefan Scheidegger setzt sie weiterhin auf die muttergebundene Kälberaufzucht.
bki
«Muka ist die natürlichste Haltungsform von Kuh und Kalb innerhalb der Milchproduktion», sagt Cornelia Buchli, Tierärztin vom Förderverein Mutter-Kalb-Haltung (Muka). Dabei bleiben die Kälber bis zu zehn Monate bei ihren Müttern und trinken direkt am Euter.
Die Muka-Käserei in Vechigen verarbeitete Milch aus dieser Haltung zu Käse. Da die Kälber einen Teil der Milch trinken, bleibt weniger für die Produktion übrig. Um dies auszugleichen, kostete die Muka-Milch mehr. Der Käse wurde vor allem im Abonnement an Kundinnen in Bern, Zürich und Basel geliefert. Rund 700 Personen bezogen die Produkte. Nach finanziellen Schwierigkeiten und einem Listerienbefall meldete die Käserei nun jedoch Konkurs an, wie «Der Bund» berichtet.
Skepsis in der Branche
Die Idee zu dem Projekt stammte von der Biobäuerin Evelyn Scheidegger aus Signau. Zusammen mit dem Verein Cowpassion gründete sie eine Aktiengesellschaft, die Anfang 2025 die Käserei eröffnete. Ein grosser Teil des Startkapitals kam von Konsumentinnen und Konsumenten zustande.
-> Schaffen es Muka-Produkte in den Detailhandel?
Obwohl das Konzept bei vielen Menschen auf Sympathie stiess, blieb es in der Milchbranche umstritten. Lange Zeit war die Mutter-Kalb-Haltung in der Schweizer Milchproduktion sogar rechtlich problematisch. Bis 2020 mussten Milchproduzenten das gesamte Gemelk abliefern, sodass Kälber nicht davon trinken durften.
Was ist Muttergebundene Kälberaufzucht?
Es gibt noch keine offizielle Definition der Muttergebundenen Kälberaufzucht. Für den Förderverein heisst Mutter-Kalb-Haltung, dass alle weiblichen und männlichen Kälber mindestens während 3 bis 10 Monaten Kontakt zur Mutter haben und an ihrem Euter saugen können. Auf Umstellungs-Höfen können die Kälber noch nicht ganze 12 Wochen bei den Müttern bleiben oder noch nicht 100% der Kälber können bei ihren Müttern saugen (abhängig von den Umständen wie z.B. der stallbaulichen Situation).
Bei der heute bereits etablierten Mutterkuhhaltung in der Fleischproduktion bleiben die Kälber zwar ebenfalls bei der Mutter, diese Kühe werden aber nicht gemolken. MuKa unterschiedet sich auch von der Ammenhaltung, bei welcher die Kälber von anderen Kühen – Ammen – gesäugt werden. Eine Amme säugt in der Regel 3 bis 4 Kälber und wird während dieser Zeit üblicherweise nicht gemolken. Befindet sich das eigene Kalb darunter entspricht dies einer Mischform aus Mutter- und Ammengebundener Kälberhaltung. ats
Auch am Markt bleibt die Skepsis gross. Wie «Der Bund» berichtet, lehnten Detailhändler wie Migros und Coop den Verkauf der Produkte unter anderem wegen des höheren Preises ab. Deshalb setzte die Käserei stark auf Direktvertrieb und ein Abonnementmodell.
Finanzielle Schwierigkeiten von Beginn an
Schon bald nach dem Start wurde deutlich, dass die Umsetzung der Idee komplexer war als erwartet. Die Suche nach einem geeigneten Standort für die Käserei dauerte länger als geplant. Wie die «Berner Zeitung» ausführt, war keine bestehende Käserei bereit, das Projekt aufzunehmen. Schliesslich zog die neu gegründete Firma in eine zuvor leerstehende Käserei in Vechigen ein.

MuKa-Haltung fördert bei Kälbern natürliches Verhalten, bessere Gesundheit, höhere Zunahme, weniger Antibiotika sowie seltene Störungen und besseres Sozialverhalten.
Priska Fuhrer/Oliver Hallberg
Es folgten weitere organisatorische Schwierigkeiten. So wurde eine Käserin eingestellt, bevor der Betrieb vollständig bereit war. Auch im Verwaltungsrat fehlte zunächst das nötige branchenspezifische Fachwissen, da sich kein Käser zur Verfügung gestellt hat. Daher musste Fachwissen extern eingeholt werden. Im Herbst 2025 geriet das Unternehmen zusätzlich unter finanziellen Druck. Das Aktienkapital wurde stark reduziert und der Wert der Aktien fiel von 250 auf 25 Franken. Gleichzeitig wurde im Handelsamtsblatt ein Schuldenruf veröffentlicht. Mit neuen Aktionärinnen und Aktionären hoffte die Geschäftsleitung damals noch auf eine Sanierung.
Befall mit Listerien bringt das Aus
Schliesslich wurde dem Projekt jedoch ein anderes Problem zum Verhängnis. Wie «Der Bund» berichtet, wurde im Juni erstmals und im Herbst des vergangenen Jahres ein zweites Mal ein Befall mit Listerien festgestellt. Der Verkauf musste daraufhin eingestellt werden. «Für die Konsumentinnen und Konsumenten bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr», wird der Verwaltungsrat vom «Bund» zitiert. Die notwendigen Massnahmen führten zu hohen Zusatzkosten und massiven Einnahmeausfällen.
Als Ursache vermuten die Verantwortlichen nicht die Milch aus der Mutter-Kalb-Haltung, sondern die ältere Bausubstanz der Produktionsräume. Trotz umfangreicher Untersuchungen durch Fachleute konnte die Quelle der Bakterien jedoch nicht eindeutig bestimmt werden. Trotz grosser Sympathie für das Konzept zeigte sich, dass sich besonders tierfreundliche und artgerechte Produktionsmodelle in der Praxis nur schwer wirtschaftlich umzusetzen lassen.