Nach dem letzten Glockenschlag um 20.00 Uhr ist vom Schloss Laupen, das hoch über dem Städtchen thront, jeweils ein Heidenlärm von Glocken und Treicheln zu hören. Ein Umzug setzt sich in der Finsternis in Bewegung. Vorab der Anführer mit einer fünf Meter hohen Stange, an der ein Wachholderbesen befestigt ist.
Ihm folgen die zwölf «Besenmannen», alle tragen sie gefürchige Holzmasken. Auf dem Läubliplatz hält der Zug und der Anführer verkündet den Silvesterspruch. Dann wird wieder Glockenlärm laut. Die Besenmänner senken ihre Besen und fahren damit in die Zuschauer hinein. Wenig später verkündet der Anführer den Neujahrsspruch.
Wilde Hatz
Danach beginnt eine wilde Hatz. Mit «Söiblaatere», also aufgeblasenen Schweinsblasen, ausgestattete Umzugsteilnehmer verfolgen die Zuschauer und dreschen mit den ballonähnlichen Schweinsblasen auf die Zuschauer ein, um auch den letzten Geistern den Garaus zu machen. Für Jung und Alt ist dies ein Gaudi.
Den Umzug, wie man ihn heute kennt, fand vor hundert Jahren erstmals statt, wie die Veranstalter auf ihrer Internetseite schreiben. Die heute gebräuchlichen Holzmasken wurden 1924 in Brienz BE gefertigt. Drei der Masken tragen Namen: der Anführer, der «Hörnligödu» und der «Zibelegring». Auch der Spruch des Anführers stammt aus dieser Zeit.
Doch der Brauch an sich dürfte viel älter sein. Eine Deutung bringt das «Achetringele» mit dem Julfest der Germanen in Verbindung. Es wurde zur Wintersonnenwende gefeiert. Lärmumzüge als Volksbrauch gibt es fast überall auf der Welt.
Gegen Teufel, Hexen und Dämonen
«Achetringele» übrigens heisst soviel wie hinunterschellen. Das alte Jahr wird also hinuntergeschellt. Wachholder, den die «Besenmannen» mit sich tragen, gilt im Volksglauben als Abwehr gegen Teufel, Hexen und Dämonen.
Altjahrs- und Silvesterbräuche mit Masken und Trycheln gibt es im Kanton Bern zahlreiche. Etwa der Ubersitz in Meiringen, die Harderpotschete in Interlaken oder die Pelzmartiga in Kandersteg.
-> Mehr Infos unter: www.achetringele.ch
