
Der BEBV fordert den Einbezug der Branche bei der Weiterentwicklung des Agrarinformationssystems.
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Seit 1999 betreiben Bern, Solothurn und Freiburg das System «Gelan». Es wird von fast 30'000 Bewirtschaftern und 500 Mitarbeitenden für eine Vielzahl von Aufgaben verwendet. Zudem werden die Direktzahlungen an die Landwirtinnen und Landwirte darüber abgewickelt.
Ergebnisse der Überprüfung im Dezember
Ein neues Agrarinformationssystem (NeuAIS) soll «Gelan» ablösen. Die Arbeiten starteten im Frühling 2023. Doch es stellte sich nicht der gewünschte Erfolg ein. Ende März 2024 hat das Amt für Landwirtschaft und Natur (Lanat) Regierungsrat Christoph Ammann darüber informiert, dass die Entwicklung des neuen Systems nicht wie geplant verläuft.
Grund: Die Projektfortschritte blieben hinter den Erwartungen zurück. «Regierungsrat Christoph Ammann wies das Amt an, die weitere Entwicklung zu stoppen, bis eine Entscheidung möglich ist, wie es mit dem Projekt weitergehen soll», teilte der Kanton Bern Mitte September mit. Das Lanat startete – mit externer Unterstützung – eine Überprüfung des Projekts. Die Ergebnisse sollen bis im Dezember 2024 vorliegen. Dieses soll den drei beteiligten Kantonen Bern, Freiburg und Solothurn ermöglichen, über das weitere Vorgehen zu entscheiden.
Bauern bei Entwicklung einbeziehen
Der Berner Bauernverband (BEBV) zeigt sich über die Entwicklung des neuen Agrarinformationssystems besorgt. Der Vorstand fordert den Kanton auf, den Verband aktiv in die Weiterentwicklung des AIS einzubeziehen. «Die Sistierung des Projekts bietet nun die Chance, die bisherigen Ansätze zu überdenken und die Zusammenarbeit zwischen den Kantonen zu intensivieren», schreibt BEBV am Dienstag in einer Mitteilung.
Die Bauern als Anwender sollen in den Evaluationsprozess eingebunden werden. Die Entwicklung soll auf die Bedürfnisse der Bauernfamilien ausgerichtet werden. Der BEBV will sich aktiv in den Prozess einbringen. «Wir werden sowohl den politischen Weg nutzen als auch den Dialog mit der Verwaltung suchen, um die Interessen der Bauernfamilien mit Vehemenz zu vertreten», heisst es in der Mitteilung weiter.
Der BEBV stellt folgende Anforderungen an das neue Agrarinformationssystem:
- Gute Bedienbarkeit: Die Logik des Systems muss einfach und nutzerfreundlich sein.
- Datenhoheit: Die Bauernfamilien müssen die volle Kontrolle über ihre Daten behalten.
- Schnittstellen zu Farmmanagement-Systemen: Die Anbindung an bestehende Systeme muss gewährleistet sein.
- Integration von Smartfarming-Anwendungen: Das System muss zukunftssicher sein und innovative Technologien wie Smartfarming-Geräte unterstützen.
- Once-Only-Prinzip: Daten sollen nur einmal erfasst und mehrfach genutzt werden können.
- Raumdaten-Nutzung: Die Nutzung von Geoinformationen soll erleichtert werden.
Aktuell gibt es in der Schweiz fünf Agrarinformationssysteme. 2020 prüften die «Gelan»-Kantone, ob sie sich mit anderen Kantonen zusammentun wollten. Diese Idee wurde jedoch verworfen. Doch begraben ist die Idee noch nicht. Im August 2024 hat die Konferenz der Landwirtschaftsdirektorinnen und -direktoren (LDK) Abklärungen für ein einheitliches Agrarinformationssystem für alle Kantone gestartet. Erste Resultate dazu sollen im Sommer 2025 vorliegen.
Agrarinformationssystem
Das Agrarinformationssystem Gelan steht seit 1999 in den Kantonen Bern, Fribourg und Solothurn im Einsatz. Es wurde seither auf 15 vollständig integrierte Teilsysteme erweitert und die Erfassung von Flächendaten erfolgt in einem Geographischen Informationssystem (GIS).
Nebst den Direktzahlungen unterstützt Gelan unter anderem folgende Vollzugsbereiche: Strukturverbesserungen, Ressourcenprojekte, Naturschutz, Tierschutz, Tierseuchenrecht, Gewässerschutz und Kontrollwesen.
Bei der Lancierung der Neuentwicklung des Agrarinformationssystems schrieb das Lanat, dass es im Entwicklungsprozess es in erster Linie darum gehe, funktionale Aspekte zu integrieren. «Dabei ist es uns ein Anliegen, sicherzustellen, dass diese nicht nur die beabsichtigten Ergebnisse erzielen, sondern dies auch auf eine klare und verständliche Art und Weise tun», teilte die Behörde mit.
Nach der Entwicklung der Funktionen und Benutzeroberflächen werde ein Härtetest durch Benutzer durchgeführt. «So wird sichergestellt, dass nicht nur alles reibungslos funktioniert, sondern dass das System auch eine hohe Benutzerfreundlichkeit aufweist. Das erhaltene Feedback wird gründlich analysiert und fliesst fortlaufend in den Entwicklungsprozess ein, um eine stetige Verbesserung des Systems zu erhalten», hiess es weiter. Hier hat sich offenbar kein Erfolg eingestellt.
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