
Samira Wüthrich (links) und Diana Neuenschwander bei der Stallwache.
Jacqueline Graber
Für Diana Neuenschwander und Samira Wüthrich ist es die zweite Nacht hintereinander ohne Schlaf. Die beiden 22-Jährigen leisten an der Oberemmentalischen Gewerbe- und Landwirtschaftsausstellung (OGA) in Langnau unter anderem Stallnachtdienste. Der erste Einsatz war von Samstag auf Sonntag, der zweite von Sonntag auf Montag.
Sie vermissen die Kuh
Es ist kurz vor Mitternacht am Sonntagabend. Noch ist Musik aus dem Festzelt nebenan zu hören. Nach und nach verlassen die letzten Gäste das Areal. Einige führt ihr Nachhauseweg durch das Stallzelt. So auch Christoph und Sandra Wittwer aus Eggiwil. Sie haben ihre Holstein-Kuh Havanna ausgestellt. «Dass sie für die OGA ausgewählt wurde, freut uns sehr», sagt Christoph Wittwer.
Insgesamt waren cira 30 Fleckvieh-Kühe angemeldet. Sechs davon wurden ausgewählt. Sie seien nicht zur Kontrolle gekommen, das Stallteam mache seine Arbeit sehr gut. Vielmehr fehle ihnen die Kuh im Stall. «Es ist schon komisch, wenn plötzlich ein Platz leer ist», sagt Sandra Wittwer. Und ihr Ehemann erzählt, dass sie die Mutter von Havanna als Kalb zu ihrer Ziviltrauung im Jahr 2021 geschenkt bekommen hätten.
Spätes Lichterlöschen
Im Stallzelt brennt noch Licht. «Das schalten wir aus, sobald alle Besucher gegangen sind. So kommen die Tiere besser zur Ruhe», erklärt Diana Neuenschwander. Zur Ruhe werden die beiden Kolleginnen in dieser Nacht jedoch nicht kommen. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, das Wohlbefinden aller Tiere sicherzustellen und insbesondere die Milchkühe für den nächsten Tag sauber und gepflegt zu halten.

Die beiden Frauen haben die Kühe im Blick.
Jacqueline Graber
Deshalb haben sie ihre Sitzgelegenheit, zwei Campingstühle, mit Blick auf die Kühe hingestellt. «Das erspart uns am Morgen viel Arbeit», erklärt Samira Wüthrich. «Dann müssen wir die Kühe nach dem Melken nicht mehr aufwendig waschen.» Schliesslich sollen sich die Tiere den Besucherinnen und Besuchern von ihrer besten Seite präsentieren.
Enge Freundschaft
Es ist kurz nach 1 Uhr. Und es ist kalt. Doch die beiden sind vorbereitet. Winterjacken, Handschuhe und eine Decke liegen bereit. Auch an Proviant fehlt es nicht. Güezi und Pommes-Chips platzieren sie auf einem Strohballen, der tagsüber als Abschrankung dient, damit die Besucher nicht zu nahe an die Tiere gelangen. Kennen gelernt haben sich die beiden während ihrer kaufmännischen Ausbildung in der Berufsschule. Seither verbindet sie eine enge Freundschaft.
Diana Neuenschwander arbeitet als Immobilienbewirtschafterin und absolviert derzeit die Weiterbildung zur Immobilienbewirtschafterin mit eidgenössischem Fachausweis. Daneben hilft sie einen Tag pro Woche auf dem elterlichen Landwirtschaftsbetrieb in Schangnau mit, den ihre Mutter Anna führt. Neben Milchkühen werden dort auch Pferde gezüchtet.

Immer wieder ist Misten und Waschen angesagt.
Jacqueline Graber
Auch Samira Wüthrich arbeitet im Büro. Beim Staatsforstbetrieb des Kantons Bern ist sie für das Kurswesen zuständig. Als Ausgleich zum Büroalltag unterstützt sie ihre Kollegen circa einen Tag in der Woche im Werkhof und im Wald. Die Bowilerin stammt zwar nicht aus einer Bauernfamilie, besitzt jedoch ein eigenes Pferd. «Ich habe das grosse Glück, meine Arbeitszeit flexibel gestalten zu können. Deshalb ist es möglich, morgens und abends an der OGA Stalldienst zu leisten und tagsüber im Büro zu arbeiten», sagt sie. Denn neben Nachtschichten übernehmen die beiden Frauen jeden Morgen und Abend den Melkdienst.
Nicht alleine vor Ort
An Erfahrung mangelt es den beiden nicht. Bereits seit mehreren Jahren leisten sie Stalldienst bei den Pferden an der BEA in Bern. Auch sind sie regelmässig im Stall an Viehausstellungen anzutreffen. Das Duo ist nicht allein auf dem OGA-Areal.
Zwei Mitarbeiter der Firma Berner Hunde-Security drehen ihre Runden und kommen auch im Stallzelt vorbei. Man unterhält sich, redet über Politik, Hunde und die Landwirtschaft. Doch auch während solcher Gespräche gibt es immer wieder Arbeit. Erneut greifen die beiden zur Mistgabel, zum Waschkessel und zum Schwamm. Die Schubkarre ist bereits wieder voll. Vor dem Zelt steht ein Hoflader bereit. Zunächst wird der Mist dort zwischengelagert, später in einen grossen Container in der Nähe des Zeltes gebracht.
Ein paar ruhige Minuten
Regelmässig schauen die Frauen bei den Stuten mit ihren Fohlen, den Ziegen, Schafen, Mutterkühen und der Muttersau mit ihren Ferkeln vorbei. Geht es den Tieren gut? Haben sie noch genügend Futter? Sollte es ein Problem mit einem Tier oder sonst etwas geben, können sie eine Notfallnummer anrufen.
Gegen vier Uhr morgens macht sich die Müdigkeit bemerkbar. «Soll ich schon mit dem Misten bei den Pferden beginnen?», fragt Samira Wüthrich. «Ich muss etwas tun, sonst schlafe ich ein.» Auch Diana Neuenschwander spürt den Schlafmangel. «Warten wir noch einen Moment», entgegnet sie. In einer Box schlafen Stute und Fohlen noch friedlich. Also nehmen die beiden erneut auf ihren Campingstühlen Platz. Eine Decke schützt vor der Kälte. Sie geniessen ein paar ruhige Minuten – denn schon bald ist Melkzeit.
Die OGA ist bis am Samstag, 20. Juni offen. Mehr Infos hier:
Der «Schweizer Bauer» ist vor Ort
Der «Schweizer Bauer» betreibt an der Oberemmentalischen Gewerbe- und Landwirtschaftsausstellung das Restaurant Burestube im Landwirtschaftszelt – mit rund 65 Plätzen und Blick auf die Tiere. Neben Mitarbeitenden aus Redaktion und Verlag sorgen externe Helferinnen und Helfer für Unterstützung.
Als Spezialität zum Essen gibt es hier die «Schweizer Bauer-OGA-Wurst», die bei einem Teamanlass bei der Metzgerei von Adrian Gygax in Lützelflüh BE durch Mitarbeitende des «Schweizer Bauer» hergestellt, getauft und verkostet wurde.
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