SVP-Offensive bringt Spannung in die Berner Wahlen

Die bernische SVP will einen dritten Sitz in der Kantonsregierung erobern – auf Kosten der Linken. Ob der Machtpoker aufgeht, ist offen. Für Spannung ist vor den Wahlen vom 29. März jedenfalls gesorgt.

sda  |

Die Bürgerlichen haben im Berner Regierungsrat mit vier Sitzen die Mehrheit inne (SVP 2, FDP 1, Mitte 1). Die Linke muss sich mit drei Sitzen begnügen (SP 2, Grüne 1).

Bei den letzten vier Wahlen warben beide Lager mit einem Viererticket um die Gunst des Stimmvolks. Rotgrün tut dies auch diesmal. Auf dem bürgerlichen Wahlplakat sind hingegen fünf Gesichter zu sehen, weil sich die SVP für die Offensive entschied. Sie schickt gleich drei Bewerber ins Rennen.

Ziel sei es, der Linken einen Sitz abzunehmen und das bürgerliche Lager zu stärken, sagte der Berner SVP-Präsident Manfred Bühler nach dem Grundsatzentscheid gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Man habe das mit den anderen beiden Parteien diskutiert.

SVP hat das Sagen

Allerdings ist klar, dass die SVP letztlich das Sagen hat. Sie ist die klar grösste Partei im Kanton. Ihren Partnern von der FDP und der Mitte blieb kaum etwas anderes übrig, als die Strategie zu akzeptieren.

Verfehlt die SVP den Sitzgewinn, stellt sich die Frage, wer die Wahl schafft und wer nicht. Vom Bisherigen-Bonus profitieren Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg (SVP), Sicherheitsdirektor Philippe Müller (FDP) und Finanzdirektorin Astrid Bärtschi (Mitte).

In Umfragen liegen sie vor den beiden Neuen, welche die SVP in die Majorzwahl schickt: Daniel Bichsel ist einflussreicher Finanzpolitiker, Raphael Lanz der Stadtpräsident von Thun. Beide sitzen im Kantonsparlament.

Jura-Sitz entscheidend

Eine Schlüsselrolle spielt wahlstrategisch der SVP-Regierungsrat Pierre Alain Schnegg. Er hält den verfassungsmässig garantierten Regierungssitz des Berner Juras. Und dieser Sitz entschied in den letzten zwei Jahrzehnten stets die Machtverhältnisse in der Exekutive.

Bis 2016 war er in SP-Händen, Rotgrün stellte die Mehrheit. Dann gewann Schnegg eine Ersatzwahl und sorgte damit für die bürgerliche Wende. Nun tritt er nochmals an – wohl zum letzten Mal, denn Schnegg ist 63 Jahre alt.

Schluss ist für ihn also wohl 2030, vielleicht auch früher. Ob die Bürgerlichen den Jura-Sitz in einer Ersatzwahl verteidigen könnten, steht in den Sternen. Eine Niederlage wäre weniger gravierend, falls zuvor eine bürgerliche Fünfermehrheit erreicht würde.

Rotgrün kämpferisch

Die Linke zeigt sich entschlossen, das zu verhindern und zumindest ihren Besitzstand zu wahren. Zwar erhebt auch sie Anspruch auf den Jura-Sitz, doch die Ausgangslage für den Sozialdemokraten Hervé Gullotti ist schwierig.

Weit bessere Wahlchancen haben auf dem rotgrünen Ticket die amtierende Regierungsrätin Evi Allemann (SP), der Langenthaler Stadtpräsident und Grossrat Reto Müller (SP) sowie Nationalrätin Aline Trede (Grüne). Verliert das linke Lager einen Sitz, wird jemand von ihnen über die Klinge springen müssen.

Wie auch immer die Regierungsratswahl ausgeht: Auf dem neuen Gruppenbild werden mindestens drei vertraute Gesichter fehlen. Christoph Neuhaus (SVP), Christoph Ammann (SP) und Christine Häsler (Grüne) treten nicht mehr an.

Begehrte Parlamentssitze

Bei den Parlamentswahlen gibt es erneut eine Rekordzahl von Kandidaturen. 2261 Personen bewerben sich um die 160 Sitze im Grossen Rat. Einfach wird es nicht, neu ins Parlament zu kommen, denn 148 Bisherige treten zur Wiederwahl an.

Derzeit ist die SVP mit 44 Sitzen die stärkste Partei. Es folgen die SP (34), die Grünen (18), die FDP (18), die Grünliberalen (16), Die Mitte (12), die EVP (9), die EDU (7), die Alternative Linke (1) sowie eine parteilose Grossrätin.

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