Wenn der Wald nicht nachwächst: Bern setzt auf neue Strategie

Der Kanton Bern will bis zum Jahr 2040 das gestörte Gleichgewicht zwischen Wald und Wild wiederherstellen. Eine neue Strategie soll die Waldverjüngung sichern. Für den Berner Waldbesitzerverband ist die Strategie jedoch nicht ambitioniert genug.

pd/ome |

Das Gleichgewicht zwischen Wald und Wild ist im Kanton Bern an vielen Orten gestört. «In mehreren Regionen können sich junge Bäume nicht mehr von selbst durchsetzen», schreibt der Kanton Bern in einer Mitteilung. Mit der Strategie «Wald-Wild-Lebensraum» will der Kanton nun die Grundlagen für zukunftsfähige Wälder sichern. Ziel ist eine vielfältige, an das Klima angepasste Waldverjüngung, die auch geeigneten Lebensraum für Wildtiere bietet.

Der Kanton hält weiter fest, dass der Druck von Reh, Gämse und Rothirsch auf den Wald zurzeit zu gross sei. Besonders bei den Rothirschen, deren Bestände regional zu stark angewachsen sind, besteht Handlungsbedarf. «Mit der Strategie Wald-Wild-Lebensraum setzen wir uns ambitionierte Ziele, die wir nur erreichen können, wenn alle Beteiligten gemeinsam handeln», sagt Christoph Ammann, Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektor.

Strategische Handlungsfelder

Mit der Strategie «Wald-Wild-Lebensraum» hat der Kanton gemeinsam mit den Beteiligten – darunter auch die Landwirtschaft - Ziele und Massnahmen definiert. Die Strategie basiert auf vier Handlungsfeldern:

  • Jagd: Auf Grundlage einer neuen Jagdplanung werden die Wildbestände gezielt reguliert. Entscheidend ist, dass mehr weibliche Tiere erlegt und die Jagdziele konsequent erreicht werden.
  • Waldbewirtschaftung: Die Bewirtschaftung soll naturnah erfolgen und die natürliche Verjüngung fördern. Der Kanton setzt dabei mangels Pflicht auf Anreize und Beratung.
  • Wildschadenverhütung: Damit der Wald nachwachsen kann, brauchen Wildtiere genügend Raum und Ruhe. Aufwertungen, Vernetzung und Wildruhezonen unterstützen dies. Junge Bäume werden teils geschützt.
  • Kommunikation: Alle Beteiligten entwickeln ein gemeinsames Verständnis der Wald-Wild-Problematik, einigen sich auf Massnahmen und setzen diese gemeinsam um.

-> Im Kanton Bern beginnt am Montag, 24. November, die Sonderjagd auf Hirsche. 

Berner Waldbesitzer fordern konsequente Umsetzung

Der Berner Waldbesitzerverband (BWB) bewertet die Strategie als grundsätzlich positiv, aber als «zu wenig ambitioniert». Er begrüsst, dass die Strategie die Regulierung der Wildbestände als Voraussetzung für eine gesunde Waldverjüngung anerkennt und dass sie sich klar zur aktiven Waldbewirtschaftung bekennt. «Die definierten Ziele betreffend den Flächenanteilen mit nur 65% tragbarem Wildeinfluss bis 2040 sind für den BWB jedoch gesamtheitlich zu wenig ambitioniert», schreibt der Verband in einer Mitteilung.

Motion gab Anstoss

Die Strategie «Wald-Wild-Lebensraum» ist eine Antwort auf eine Motion von Bernhard Riem (Die Mitte) aus Iffwil. Riem verlangte darin, eine Strategie zu entwickeln, um die Waldverjüngung zu sichern und die Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Jagd, Wald, Naturschutz und Landwirtschaft zu verbessern. Die Motion wurde im Juni 2023 im Grossen Rat mit 127 zu 0 Stimmen bei 2 Enthaltungen angenommen.

Der BWB fordert eine konsequente Umsetzung der Massnahmen und eine deutliche Senkung der Wildbestände. Bleibt die Waldverjüngung aus, müsse der Kanton rasch nachbessern, fordert der Verband. Dazu sagt Umweltdirektor Amman: «Wir werden den Fortschritt überprüfen. Die Indikatoren dafür sind die Ergebnisse des Wildeinflussgutachtens und die Entwicklung der Bestände von Rothirsch, Gämse und Reh.» Bis 2040 sollen die Ziele erreicht sein. 

-> Hier können Sie das Wildeinflussgutachten einsehen und auf einer Karte nachsehen, in welchen Wäldern tragbare, kritische oder gar untragbare Bedingungen vorherrschen. 

Kommentare (1)

Sortieren nach: Likes | Datum
  • Rösti Ruedi | 28.11.2025
    1.Absetzen der Jagdkomision
    2.Absetzen der Jagdinspektorin nicht tragbar
    3.Hirschstier jagdbar ab dem 1. August bis 10. Sept. dann ist das Wildbret genießbar
    4.Keine Alkoholiker mehr in der Jagdverwaltung
    5. Wildhüter nicht als Jägerhüter ausbilden
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