
Hans Schori, hier referiert er Ende Mai beim Bernischen Bäuerlichen Komitee, setzt auf Biodiversität – fordert aber gleichzeitig eine stärkere Gewichtung der Ernährungssicherheit.
Abrecht Dreier
Der Seeländer Biobauer und Berner SVP-Grossrat Hans Schori sorgt mit seiner Haltung zur kantonalen Wasserstrategie für Diskussionen. Obwohl er seit fast drei Jahrzehnten biologisch wirtschaftet, wehrt er sich gegen zusätzliche Stellen für den Vollzug des Gewässerschutzes. Im Gespräch mit der «Berner Zeitung» (BZ) erklärt er seine Beweggründe.
Schori bewirtschaftet in Wiler bei Seedorf einen 15 Hektaren grossen Ackerbaubetrieb nach den Biorichtlinien. Den Entscheid für Bio fällte er bereits vor 27 Jahren – zu einer Zeit, als er nach eigenen Aussagen von Berufskollegen noch als Exot belächelt wurde.
Kritik an zusätzlichen Stellen
Schori verweist darauf, dass sich Bio wirtschaftlich durchaus rechnen könne. Zwar seien die Erträge tiefer als im konventionellen Anbau, gleichzeitig fielen aber auch weniger Kosten für Pflanzenschutzmittel an. Trotz seiner klaren Ausrichtung auf den Biolandbau stellt er sich hinter die Anliegen der konventionellen Landwirtschaft und kritisiert die politische Debatte rund um Pflanzenschutzmittel. Statt Verbote auszusprechen, sollten Konsumentinnen und Konsumenten ihre Kaufentscheide entsprechend ausrichten. «Wer keine Pestizide mehr will, soll Bio kaufen», sagt der 65-Jährige gegenüber der BZ. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die aufwendigeren Produktionsmethoden höhere Lebensmittelpreise zur Folge hätten.
Im Grossen Rat setzte sich Schori für die Rückweisung der kantonalen Wasserstrategie 2040 ein. Bestandteil der Strategie ist unter anderem ein Ausbau des Vollzugs im Bereich Gewässerschutz, um Belastungen rund um Trinkwasserfassungen konsequenter zu kontrollieren. Schori betont jedoch, er sei nicht grundsätzlich gegen die Wasserstrategie. Vielmehr wolle er wissen, weshalb zusätzliche Stellen notwendig seien. Gegenüber der BZ fragt er: «Was hat das Amt in den letzten 16 Jahren denn gemacht?» Bereits die erste Wasserstrategie aus dem Jahr 2010 habe die bestehenden Probleme aufgezeigt.
«Ich bin ein Verfechter der Biodiversität»
Dass ihm mangelndes Engagement für die Biodiversität vorgeworfen wird, weist Schori zurück. Im Grossen Rat hielt er fest: «Ich bin ein Verfechter der Biodiversität. Sie ist mein ganzes Kapital», zitiert ihn die Berner Zeitung. Auf seinem Betrieb setzt Schori unter anderem auf Mischkulturen, den Einsatz stickstoffbindender Knöllchenbakterien bei Soja sowie natürliche Gegenspieler wie Marienkäfer zur Regulierung von Blattläusen. Dennoch warnt er davor, den Schutz der Biodiversität losgelöst von der Lebensmittelproduktion zu betrachten.
«Es nützt mir nichts, vor der schönsten Blumenwiese zu verhungern», so Schori. Aus seiner Sicht müsse zwischen Biodiversität, Gewässerschutz und Ernährungssicherheit sorgfältig abgewogen werden. Gerade der Schutz des Kulturlandes und der Fruchtfolgeflächen sei für ihn zentral. Die Schweiz verfüge im internationalen Vergleich bereits heute über wenig Ackerfläche pro Kopf. Deshalb lehnt er einen weiteren schleichenden Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen ab.
Wasserstrategie
Im Grossen Rat des Kantons Bern setzte sich Hans Schori kürzlich erfolgreich dafür ein, die Wasserstrategie 2040 zur Überarbeitung an den Regierungsrat zurückzuweisen. Damit wurde auch der geplante Ausbau des Vollzugs im Gewässerschutz vorerst sistiert. Vorgesehen wäre unter anderem zusätzliches Personal gewesen, das Massnahmen gegen unzulässige Belastungen in den Schutzzonen der rund 650 Trinkwasserfassungen im Kanton Bern begleiten und kontrollieren sollte. hal