Wolf im Oberhasli: «Kanton muss handeln»

Die Vereinigung zum Schutz von Wild- und Nutztieren vor Grossraubtieren des Kantons Bern fordert einen grundlegenden Kurswechsel im Umgang mit schadhaften Wölfen. Es dürfe nicht sein, dass Behörden zwar Abschussverfügungen erlassen, die Umsetzung aber unnötig verzögert wird.

pd/clu |

Die jüngsten Ereignisse im Berner Oberland zeigen laut der Vereinigung zum Schutz von Wild- und Nutztieren vor Grossraubtieren des Kantons Bern einmal mehr die Realität vor Ort: «Einzelne Wölfe verursachen wiederholt Schäden an Nutztieren, verlieren ihre natürliche Scheu und kommen teilweise in Siedlungsnähe vor.»

Die Vereinigung präzisiert: «Beim Wolf M574 im Oberhasli mussten nach mehreren Rissen geschützter Nutztiere die Voraussetzungen für einen Abschuss erneut festgestellt werden.»

Der Wolf M574

Das Berner Jagdinspektorat hat am 13. Juli 2026 den Abschuss des Wolfs M574 angeordnet, nachdem dieser in der Region Oberhasli erneut geschützte Nutztiere gerissen hatte. Bereits im Mai hatte der männliche Wolf in den Gemeinden Meiringen und Grindelwald fünf ausreichend geschützte Nutztiere getötet und sich wiederholt in Siedlungsnähe aufgehalten. Mit dem Riss von vier weiteren geschützten Schafen in der Nacht auf den 10. Juli wurde die gesetzliche Schadschwelle überschritten. Die Abschussverfügung gilt bis zum 13. September 2026 für die Gemeinden Meiringen, Grindelwald und Schattenhalb, ausgenommen das eidgenössische Jagdbanngebiet Schwarzhorn.  ->  Kanton Bern gibt Wolf zum Abschuss frei

Eine Abschussbewilligung allein sei kein Schutz, argumentiert die Vereinigung in ihrer neusten Mitteilung. Eine Verfügung auf Papier verhindere keinen Wolfsangriff. «Entscheidend ist, dass Problemwölfe rasch und wirksam entfernt werden», so schreibt die Vereinigung zum Schutz von Wild- und Nutztieren vor Grossraubtieren des Kantons Bern, deren Präsident SVP-Nationalrat Thomas Knutti ist.

Landwirte und Tierhalter tragen Risiko

Die Vereinigung fordert deshalb vom Regierungsrat sowie vom Jagdinspektorat endlich konsequentes Handeln und, die vorhandenen Kompetenzen der Berner Jägerschaft zu nutzen. «Unsere Jägerinnen und Jäger verfügen über die notwendigen Kenntnisse der Reviere, der Wildtiere und der örtlichen Gegebenheiten. Sie sind seit Jahrzehnten ein zentraler Bestandteil eines funktionierenden Wildtiermanagements», heisst es in der Mitteilung weiter.

Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb bei der Regulierung schadhafter Wölfe weiterhin wertvolle Zeit verloren gehe, obwohl im Kanton Bern erfahrene Fachpersonen vorhanden seien. Während Verfahren laufen und Zuständigkeiten diskutiert würden, tragen Landwirte und Tierhalter das Risiko weiterer Schäden.

Die Vereinigung verlangt deshalb:

  • eine rasche Umsetzung bewilligter Abschüsse von schadhaften und auffälligen Wölfen;
  • den konsequenten Einbezug der erfahrenen Jägerschaft bei der Regulierung;
  • ein Wolfsmanagement, das die Realität in den Bergregionen und die Sorgen der Bevölkerung ernst nimmt.
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