
Landwirt und Mitglied der Projektgruppe, Hanspeter Bärtschi legte die Route fest.
Jacqueline Graber
«Auch das beste Projekt braucht ein Update, eine Weiterentwicklung», sagt Beat Gerber, Präsident von Landwirtschaft Emmenta (LE). Er meint damit den neugestalteten Bauernlehrpfad Emmental, der am Freitag anlässlich einer Medienkonferenz in Ranflüh eröffnet wurde. LE war beim Projekt federführend.
Ins Leben gerufen wurde der Bauernlehrpfad zwischen Ramsei (Gemeinde Lützelflüh) und Zollbrück im Jahr 1991 von Studierenden und ehemaligen Studenten der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (Hafl). «Seit 1991 hat sich in der Landwirtschaft vieles verändert», stellt Projektleiter und LE-Ehrenpräsident Heinz Kämpfer fest. Zwar sei der Lehrpfad bereits 2004 einmal überarbeitet worden, doch er entspräche nicht mehr der heutigen Situation.
Tourismusgipfel brachte Wende
Bereits vor einigen Jahren war eine Auffrischung des Bauernlehrpfades Thema im Vorstand von Landwirtschaft Emmental, damals noch mit Heinz Kämpfer als Vorstandsmitglied. «Zweimal wurde versucht, das Projekt anzupacken. Beide Male scheiterte es an den Ressourcen», sagt Kämpfer.
Schliesslich war es eine Bemerkung vor drei Jahren am Tourismusgipfel , die neuen Schwung in die Sache brachte. Damals wurde Kämpfer von Stefanie Gsell, Gemeinderätin von Lützelflüh, auf den Zustand des Lehrpfades angesprochen. Ihr Aussage war klar: erneuern oder abbauen. «Das hat meinen Stolz verletzt, dass Ausserlandwirtschaftliche den Pfad wegräumen wollten. Das durfte nicht passieren», räumt Kämpfer ein.

Heinz Kämpfer, Landwirt und Ehrenpräsident Landwirtschaft Emmental leitete das Projekt.
Jacqueline Graber
In derselben Diskussion entstand die Idee, erneut Studierende der Hafl einzubeziehen. Ein Interessierter meldete sich rasch und wollte das Vorhaben nach einem dreimonatigen Studienaufenthalt in Nordeuropa anpacken. «Nach Ablauf der Zeit habe ich erfahren, dass er gar nicht mehr zurückkommt», sagt Kämpfer und schmunzelnd.
Als suchte Kämpfer weiter und stellte ein Projektteam zusammen. 2024 wurde der Landwirtschaftlicher Informationsdienst beigezogen. Dieser unterstützte die Verantwortlichen bei der Ausarbeitung des Konzepts sowie bei der Kostenschätzung. «Es zeigte sich, dass wir für die Finanzierung Sponsoren und Gönner brauchten», sagt Kämpfer ohne eine Zahl zu nennen.
Es folgten Gespräche mit Landeigentümern, Bewilligungsabklärungen und die Planung der Signalisation. «Wir sind hier im Emmental. Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Leidenschaft sind nicht einfach Worte, sondern Werte, die gelebt werden», sagt Kämpfer. Deshalb sei die Realisierung des neuen Pfades ohne Probleme verlaufen.
11 Posten
Die Route umfasst rund 7,3 Kilometer und beinhaltet elf Stationen. Thematisiert werden unter anderem die Schweizer Landwirtschaft, die Mutterkuhhaltung im Emmental, Biodiversität sowie der Tourismus in der Region. Die Begehung kann von Ramsei oder von Zollbrück her erfolgen.

Diese Tafel steht auf dem Ranflühberg bei der Bäsewirtschaft von Familie Zürcher. Sie erklärt den Tourismus im Emmental.
Jacqueline Graber
Der bisherige Einstieg in Ramsei führte über den Hofplatz von Landwirt Hanspeter Bärtschi, Mitglied der Projektgruppe und verantwortlich für die neue Routenführung. Bei der Eröffnung des ursprünglichen Lehrpfades im Jahr 1991 habe er die Unterstufe besucht, erzählt Bärtschi. «Für mich war es damals befremdlich – wir gingen Schlösser oder Städte anschauen und bei uns kamen Schulklassen vorbei, um zu sehen wie man bauert.»
Bärtschi erzählt, dass es oft zu Verwechslungen bei Einstieg gekommen sei, weil auch ein Wanderweg über das Areal führt. «Der linke Weg war der Bauernlehrpfad, rechts der Wanderweg. Und manchmal wählten die Leute den mittigen , den Kühauftriebweg und landeten direkt auf der Weide.»
Deshalb befindet sich neu der Einstieg einige Meter vom Hof entfernt. Auch der übrige Verlauf wurde leicht angepasst. «Der Pfad hat aber keinen Zentimeter an Charme verloren», betont Bärtschi.

Beat Gerber, Präsident Landwirtschaft Emmental eröffnete den Anlass.
Jacqueline Graber
Auch Beat Gerber lobt den Bauernlehrpfad: «Man kann nicht nur die schönen Tafeln lesen, in der wunderbaren Landschaft kann man die Landwirtschaft mit allen Sinnen eins zu eins erleben.» Und die anwesende Regierungsrätin Astrid Bärtschi (BDP) bezeichnete den Lehrpfad in ihrer Rede als Bildungsangebot und «der Bauernlehrpfad schlägt eine Brücke zwischen Stadt und Land.»