
Die Anlage in Suhr ist über der Ackerfläche. Auf dem Bild ist die erste Agri-PV-Anlage der Schweiz über einer Gemüse- und Ackerfläche am Standort Wädenswil der ZHAW zu sehen.
ZHAW, Tevy
Die geplante Anlage verfügt über eine Leistung von 600 Kilowattpeak (kWp), wie Axpo am Freitag mitteilte. Das Projekt wird gemeinsam mit dem Kanton Aargau und dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) umgesetzt. Es ist die zweite von drei geplanten Forschungsanlagen im Rahmen des kantonalen Programms «AgriSolar Forschung».
Auf drei Meter Höhe
Die Versuchsfläche umfasst insgesamt 2,79 Hektaren, wovon rund 1,2 Hektaren mit Solarmodulen ausgestattet werden. Diese werden in etwa drei Metern Höhe installiert und lassen sich je nach Jahreszeit ausrichten. Die Fläche darunter wird weiterhin landwirtschaftlich genutzt. «Beim Bau wird darauf geachtet, das Landwirtschaftsland möglichst zu schonen und Bodenverdichtungen zu vermeiden», schreibt der Energiekonzern Axpo. Die Anlage wird auf Stahlprofilen fundiert, die sich nach Ende der Nutzungsdauer rückstandslos entfernen lassen.
Der östliche Teil der Parzelle dient als Referenzfläche. Der Vergleich zwischen den Agri-PV-Flächen und der Referenzfläche soll zeigen, wie sich die unterschiedlichen Bewirtschaftungsformen auf Ertrag, Biodiversität und weitere Untersuchungsparameter auswirken.
Lokale Wertschöpfung
Den produzierten Solarstrom bezieht vollständig der Milchverarbeiter Emmi, der ihn direkt an seinem Standort in Suhr verbraucht. Axpo übernimmt den Bau und Betrieb der Anlage, während der bisherige Landwirt die Fläche weiterhin bewirtschaftet.
Der Kanton Aargau und das FiBL bringen ihre Expertise in den Bereichen Landwirtschaft, Forschung und Projektentwicklung ein. Der Landwirt, dem die Parzelle gehört, fungiert als landwirtschaftlicher Partner und bewirtschaftet die Fläche weiterhin. Mit dem Projekt in Suhr soll das Potenzial von Agri-PV unter Schweizer Bedingungen weiter untersucht werden, schreibt Axpo.
Agri-PV über Kirschenanlage
Bereits zuvor wurde am FiBL-Standort in Frick eine erste Forschungsanlage über einer Obstplantage errichtet. In Leuggern AG produzieren seit diesem Frühjahr auf einer 1,4 Hektaren grossen Kirschenanlage von Ruedi Obrist und Hansjörg Erne Photovoltaikmodule Strom, während darunter weiterhin Kirschen wachsen. 1,15 Hektaren der Fläche sind mit Solarpanels überdacht.

Die PV-Anlage gibt den Kirschen einen Grundschutz.
jzb
Von der Baueingabe bis zur Bewilligung verging deshalb rund ein Jahr. Währenddessen waren die Obstbäume bereits bestellt und mussten gepflanzt werden. «Wir entschieden uns deshalb, die Bäume vor dem Bau der PV-Anlage zu setzen, obwohl uns bewusst war, dass der spätere Bau dadurch komplizierter werden würde», erklärte Hansjörg Erne.
Gebaut wurde die Anlage von September 2025 bis Mai 2026. Insgesamt wurden rund 300 Tonnen Stahl benötigt. Die installierte Leistung beträgt 790 kWp, wobei der vorhandene Transformator maximal 630 kW ins Netz einspeisen kann. Rund 25 Prozent der gesamten Stromproduktion sollen im Winter anfallen. Investorin der Anlage ist Energie 360 aus Zürich.
Warum es noch hapert
Ein Bericht der der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) von Setpember zeigt, weshalb die Umsetzung bisher nur langsam vorankommt. Realisierbarkeit und Wirtschaftlichkeit hängen stark vom Standort ab. Würden beispielsweise lokale Stromabnehmer fehlen, sinke die Rentabilität meist deutlich.
Hemmend wirkten zudem die Bewilligungsanforderungen, die kantonal unterschiedlich interpretiert werden, sowie die Kosten für Netzabklärungen, Bodenuntersuchungen oder Vorstudien, die bereits anfallen, bevor klar ist, ob das Projekt bewilligt und wirtschaftlich umgesetzt werden kann. Trotzdem weisen Agri-PV-Anlagen laut den Autoren an geeigneten Standorten eine hohe Rentabilität auf.
«Die Technologie ist nicht das Problem. Entscheidend ist, ob ein Projekt trotz der hohen Anforderungen bewilligt werden kann, ob der Anschluss ans Stromnetz zu vertretbaren Kosten möglich ist und ob sich die Anlage unter den heutigen Rahmenbedingungen wirtschaftlich betreiben lässt», erklärt Jürg Rohrer, Professor für Erneuerbare Energien an der ZHAW und Co-Autor des Berichts.