Extreme Trockenheit: Das fordert der Aargauer Bauernverband

Die anhaltende Trockenheit verursacht auf vielen Aargauer Landwirtschaftsbetrieben grosse Ertragsausfälle und hohe Zusatzkosten. Der Bauernverband Aargau (BVA) fordert deshalb faire Produzentenpreise, Solidarität innerhalb der Landwirtschaft sowie rasche und langfristige Massnahmen zur Sicherung der Wasserversorgung.

pd/clu |

Die seit Wochen anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen führen auf vielen Landwirtschaftsbetrieben im Aargau zu erheblichen Ertragseinbussen. Gleichzeitig steigen die Kosten für Bewässerung, Futterbeschaffung und Betriebsführung deutlich an.

«Die aktuelle Situation macht einmal mehr sichtbar: Die Folgen extremer Wetterereignisse können nicht allein von den Bauernfamilien getragen werden», lässt der BVA in einer aktuellen Mitteilung verlauten. Der Verband fordert deshalb, dass sich die Marktpartner entlang der gesamten Wertschöpfungskette an den klimabedingten Mehrkosten beteiligen.

Nachfolgend die konkreten Anliegen und Forderungen des BVA:

Produzentenpreise müssen steigen: Der BVA unterstützt die Forderung der Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten (VSKP), für die Ernte 2026 einen befristeten Trockenheitszuschlag einzuführen. Auch in anderen Produktionsbereichen sollen die Produzentenpreise die veränderten klimatischen Rahmenbedingungen berücksichtigen.

Solidarität innerhalb der Landwirtschaft gefragt: Wo immer möglich, sollen Lösungen innerhalb der Landwirtschaft gesucht werden. Dazu gehören der Verkauf von Silomais an viehhaltende Betriebe anstelle einer Nutzung als Körnermais, der verstärkte Anbau von Zwischenfutter sowie die gegenseitige Unterstützung bei der Futterversorgung. Der BVA beteiligt sich zudem an der nationalen Raufutterbörse des Maschinenrings, damit verfügbare Futterressourcen rasch vermittelt und Transporte organisiert werden können.

Flexible Lösungen im Pflanzenbau erforderlich: Da zahlreiche Maisflächen bereits im August siliert werden müssen, fordert der BVA vereinfachte Möglichkeiten für den Anbau von Mais nach Mais. Zudem soll geprüft werden, ob bestehende Lockerungen bei den GMF-Vorgaben bei Bedarf auch im kommenden Jahr angewendet werden können. Viele Betriebe können ihre nötigen Vorräte dieses Jahr nicht anlegen und werden deshalb im nächsten Jahr beispielsweise mehr Mais anbauen müssen.

Unbürokratisches Handeln des Kantons: Der BVA begrüsst die raschen Ausnahmeregelungen des Kantons Aargau, darunter Erleichterungen bei den RAUS-Vorgaben, Anpassungen bei der Suisse-Bilanz und temporäre Lockerungen bei der Bodenbedeckung. Auch die Möglichkeit, Kredite bei der ALK zu stunden, könne helfen, finanzielle Engpässe abzufedern.

Bewässerung darf nicht zusätzlich verteuert werden: Der BVA fordert, dass Konzessionen für die Bewässerung während ausserordentlicher Trockenheitsperioden kostenlos gewährt werden. Zusätzliche Gebühren dürften die ohnehin hohen Bewässerungskosten nicht weiter erhöhen. Langfristig braucht es den raschen Ausbau regionaler Bewässerungsinfrastrukturen sowie zusätzliche Speicher- und Rückhaltemöglichkeiten.

Im Zuge der neuen Wasserstrategie des Kantons Aargau sollen laut dem BVA auch Brauchwasserlösungen gefördert, Wasserversorgungen besser vernetzt und Massnahmen zur Verbesserung der Wasserspeicherfähigkeit der Böden getroffen werden.

Wasserstrategie: Ernährungssicherheit mitdenken

Ein erheblicher Teil der Lebensmittel, welche die Schweiz importiert, stamme aus Ländern und Regionen, deren Wasserressourcen deutlich stärker unter Druck stünden als jene des Kantons Aargau. Aus Sicht des BVA ist dies weder nachhaltig noch glaubwürdig.

Bereits eine 2019 eingereichte Motion des damaligen SVP-Grossrats und heutigen Nationalrats und Landwirts Alois Huber wies auf die Bedeutung der Sicherstellung von Bewässerungsmöglichkeiten hin. Sie stellte fest, dass die Schweiz über importierte Lebensmittel indirekt grosse Wassermengen aus trockenen Regionen der Welt bezieht.

Der BVA fordert deshalb:

  • konkrete Bewässerungsstrategien für die wichtigsten Produktionsregionen des Kantons;
  • die rasche Planung und Realisierung von Speicher- und Bewässerungsinfrastrukturen;
  • praxistaugliche und beschleunigte Bewilligungsverfahren für landwirtschaftliche Wasserinfrastrukturen;
  • die langfristige Sicherstellung ausreichender Wassermengen für die Lebensmittelproduktion;
  • eine konsequente Einbindung der Landwirtschaft bei allen wasserwirtschaftlichen Planungen.

Revitalisierungen an die Klimarealität anpassen

Der BVA erwartet des Weiteren, dass bei Offenlegungen und Revitalisierungen die Auswirkungen auf Wassertemperaturen, Niedrigwasser und die Lebensräume von Fischen sorgfältig geprüft werden. Der Verband fordert einen Klimacheck für solche Projekte und will auch den Erhalt eingedolter Gewässer prüfen, wenn dies ökologisch sinnvoller ist. Gesucht sind Lösungen, die Biodiversität und Klimaanpassung verbinden.

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