
Das Kernteam des Glück-Hofs hat eine wichtige Hürde genommen. Doch noch steht viel Arbeit bevor.
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Im Sommer 2025 war die Lage angespannt. Die Initianten des Projekts in Baden AG waren dringend auf der Suche nach Geldgebern. Ihnen war zu diesem Zeitpunkt bewusst, dass nur der Erwerb der Liegenschaft von einer Erbengemeinschaft es ermöglichen würde, ihre Vision eines offenen Landwirtschafts- und Begegnungsortes zu realisieren. Wie die «Aargauer Zeitung» berichtet, haben die Initianten dieses Ziel nun erreicht. Der Hof samt seinen 16 Hektar Land ist gekauft.
Unterstützung von Privaten
Der Badener Unternehmer und Initiant des Glück-Hofs, Andreas Schärer, zeigt sich sehr erleichtert. Für ihn sei ein Traum wahr geworden. Der Kauf sei auch aus persönlicher Sicht von grosser Bedeutung. Der Betrieb gehörte nämlich der Familie seiner Frau Sandra Schärer. «Dass der Übergang vom familiengeführten Kohler-Hof in zweiter Generation zum Anbau- und Begegnungs-Hof sogar finanziell von Menschen aus der Region getragen wird, ist mega toll», wird Schärer von der «Aargauer Zeitung» zitiert.

Auf dem Glück-Hof auf der Baldegg in Baden AG werden 28 Hektar nach den Prinzipien der Permakultur und Solawi bewirtschaftet.
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Der Erwerb wurde durch rund 40 private Geldgeber sowie einer Stiftung ermöglicht. Über die Höhe des Kaufpreises selbst schweigt Schärer. Er nennt jedoch den Gesamtbedarf. Insgesamt seien 3,5 Millionen Franken für den Kauf, den Umbau und die Renovation nötig. Für Schärer sei dies ein starkes Signal. Gegenüber der «Aargauer Zeitung» sagte er: «Es ist schön, zu sehen, dass Menschen nicht nur in Projekte investieren, bei denen eine maximale Rendite herausspringt, sondern auch Geld für Sinnhaftigkeit, Ökologie, Nachhaltigkeit und Tierwohl ausgeben».
Von der Rindermast zur Permakultur
Der Hof Langenmarchstein auf der Baldegg oberhalb von Baden wurde 1974 von Ueli und Doris Kohler gegründet. Anfangs setzte die Familie auf Rindermast und Ackerbau, bevor sie in den 1990er-Jahren auf Mutterkuhhaltung umstellte.
Nach dem Tod von Ueli Kohler (1942–2015) führte Doris Kohler (1944–2023) den Betrieb acht Jahren lang allein weiter. Dabei wurde sie von einem benachbarten Landwirt unterstützt, der Arbeiten im Lohnauftrag übernahm und Teile der Flächen bewirtschaftete. Zum Hof gehören insgesamt 28 Hektar Land, davon 16 Hektar Eigenland und 12 Hektar Pachtland.
Bereits im Jahr 2022 initiierte Doris Kohler gemeinsam mit ihrer Tochter Sandra und deren Ehemann Andreas Schärer das Projekt «Glück-Hof». «Startschuss zur konkreten Umsetzung der neuen Vision gab die Ankunft der beiden Esel Lui und Edi am 15. August 2022», heisst es auf der Webseite des Glück-Hofs.
Permakultur, Solawi und mehr
Der Glück-Hof ist seit Anfang 2023 als Genossenschaft organisiert und wird von einer betrieblichen GmbH geführt. Im Zentrum steht eine regenerative Landwirtschaft, die nach den Prinzipien der Permakultur betrieben wird. Das heisst, es werden keine schweren Maschinen und keine Pestizide eingesetzt.
Das Ziel sei ein bewusst naturnaher Ansatz, der von einer Gemeinschaft getragen wird. Wie Schärer auf Anfrage von schweizerbauer.ch sagt, sind in der Solawi derzeit 170 Genossenschafterinnen und Genossenschafter beteiligt. Die Ernte wird wöchentlich mit rund 70 Haushalten geteilt. Im Kernteam arbeiten 10 Personen.

Der Glück- ist auch ein Lebenshof für Schafe, Esel, Ziegen, Schweine, Laufenten und Hühner.
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Neben der solidarischen Landwirtschaft setzt das Projekt auf Bildung und Begegnung. Durch Schulungen, Workshops sowie gastronomische und kulturelle Veranstaltungen sollen Menschen einen bewussteren Zugang zur Natur erhalten.
Wertschätzung für bäuerliche Arbeit fördern
Wie Schärer gegenüber dem «Schweizer Bauer» weiter ausführt, werden die auf dem Glück-Hof hergestellten Bio-Produkte nach der Turiel-Dammkultur Methode angebaut. Zu den Produkten zählen Hanf, Emmer, Soja, Buchweizen, Waldstaudenroggen, Leinsamen, Dinkel, Hafer, Kastanien und Kartoffeln. Seit dem 1. Januar 2023 ist der Glück-Hof Mitglied von Bio Suisse. Im April 2025 erhielt der Betrieb zudem die Knospe-Anerkennung.
Was ist die Turiel‑Dammkultur‑Methode?
Die Turiel‑Dammkultur‑Methode ist ein Verfahren der Bodenbearbeitung, bei dem Pflanzen auf leicht erhöhten Dämmen angebaut werden. So wird Staunässe reduziert, die Bodenbelüftung verbessert und das Wachstum gefördert, besonders in feuchten oder schweren Böden. ome
Das Gemüse für die Solawi wird auf einer Fläche von rund drei Hektar in Permakulturstrukturen angebaut. Nutztiere halten sie jedoch nicht. Sie betreiben einen Lebenshof mit Schafen, Eseln, Ziegen, Schweinen, Laufenten und Hühnern. «Konsumenten wieder näher zu den Produzentinnen zu bringen, erachten wir als sehr wichtig. Damit fördern wir das Bewusstsein für die Natur als unsere Lebensgrundlage sowie das Verständnis und die Wertschätzung für die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern», sagt Schärer gegenüber dem «Schweizer Bauer».
Der Glück-Hof im Wandel
Der Glück-Hof befindet sich im Wandel. Vom klassischen Bauernhof in Familienbesitz entwickelt er sich zu einem Anbau- und Begegnungsort der regionalen Bevölkerung. Nach dem Kauf beginne nun die nächste Phase. Es gehe darum, das Projekt und den Standort weiterzuentwickeln. Die über 50 Jahre alten Betriebsgebäude müssen umfassend renoviert und an neue Anforderungen angepasst werden.
Geplant seien unter anderem Lager-, Rüst- und Produktionsräume, neue Stallungen, ein Hofladen mit Hofcafé sowie ein Multifunktionsraum für Anlässe und Schulungen. Für diese Ausbauschritte ist das Projekt erneut auf finanzielle Unterstützung angewiesen. «Im Glück-Hof ist das Geld weitaus sinnvoller eingesetzt, als wenn es auf der Bank liegt», betont Schärer.