
In der aktuellen Projektphase lebt eine Herde von maximal 25 Tieren in einem rund 100 Hektar grossen, eingezäunten Gebiet.
Michael Gäbler / wikipedia.ch
Seit Herbst 2022 leben in einem Gehege in Welschenrohr SO Wisente. Im Jahr 2027 sollen die Zäune des bisherigen Geheges fallen, und die Wisent-Herde soll in die Halbfreiheit entlassen werden. Dieses Pilotprojekt zielt darauf ab, die Tiere nach 2032 möglicherweise ganz in die Freiheit zu entlassen.
Im Hinblick auf diesen Schritt erachtet es Stefan Müller-Altermatt, Präsident des Vereins Wisent im Thal, als wichtig, die Ängste der Bevölkerung ernst zu nehmen. In einer nächsten Phase wolle man herausfinden: «Wie geht das überhaupt, wie verhalten und bewegen sich die Tiere und wie reagieren Wanderer?»
«Schadstiftendes Tier»
«Das langfristige Ziel des Vereins, die Auswilderung und Ansiedlung von Wisenten als neues heimisches Wildtier, können wir nicht akzeptieren», wird Edgar Kupper in der Solothurner Zeitung zitiert. Kupper vertritt die Interessen der landwirtschaftlichen Grundeigentümer in mehreren Rollen: als Geschäftsführer des Solothurner Bauernverbands, als Vertreter des landwirtschaftlichen Bezirksvereins Thal sowie der IG « Wisent ansiedlung Nein».
Kupper sagt, dass die Region und der Kanton bereits mit «stark schadstiftenden Wildtieren wie Wildschweinen, Biber und in zunehmendem Masse auch mit Hirschen und Wölfen» konfrontiert sei und ein weiteres «schadstiftendes Tier» zusätzliche Probleme mit sich bringe. Er schiebt nach, dass man jedoch gegen ein touristisches Projekt wie ein Tierpark, jedoch nichts einzwenden hätte.
Er fordere für die «Projektidee Halbfreiheit» eindeutige rechtliche Rahmenbedingungen, die vorgängig zu einer allfälligen Bewilligung definiert werden müssten, schreibt die Solothurner Zeitung weiter. «Die Wisente gelten – im Gegensatz zu anderen Wildtieren – nach wie vor als Privateigentum des Vereins Wisent im Thal.» Das Vorgehen und die Vergütung bei Schadenfällen müssten daher klar geregelt werden.
Waldschäden befürchtet
Dem Projekt kritisch gegenüber steht auch Heinz Gribi aus Welschenrohr. Er vertritt die Jäger aus der Region. Er kritisiert die Einzäunungen und den hohen Besucherdruck, da sie die freie Nutzung des Waldes und die Ruhe des Wildes stark beeinträchtigten. Und der Revierförster Samuel Schumacher warnt vor erheblichen, langfristigen Waldschäden durch Schälungen an Bäumen, die zu Absterben, wirtschaftlichen Verlusten und einer Beeinträchtigung der Biodiversität führen.