
Beispiel aus dem Zürcher Weinland vom 9. Juli 2026. Links: Mais auf einem Feld, keine Fruchtfolgefläche – gemäss Fachstelle Naturschutz soll diese Fläche vernässt werden und damit aus der Produktion genommen werden. Rechts: Mais auf einer Nachbarsparzelle auf sehr gutem Boden (Fruchtfolgefläche mit Nutzungseignungsklasse 2).
zvg
Der Zürcher Bauernverband (ZBV) stellt fest, dass die aktuelle Trockenheit eine Schwachstelle der Zürcher Bodenpolitik aufdeckt. Gerade die Ackerböden, die unter den heutigen Klimabedingungen besonders wertvoll sind, geniessen aus Sicht des ZBV vielerorts keinen ausreichenden Schutz.
Böden mit hoher Wasserspeicherfähigkeit sichern auch während längerer Trockenperioden stabile Erträge und gewinnen damit zunehmend an Bedeutung für die Ernährungssicherheit. Der ZBV fordert dazu auf, die Bodenkartierungen und Nutzungseignungsklassen im Kanton Zürich auf Basis aktueller Klimadaten zu überarbeiten.
Trockenheit deckt leistungsfähige Böden auf
Der Klimawandel verändert die Anforderungen an landwirtschaftliche Produktionsstandorte grundlegend. «Während Standorte mit geringer Wasserspeicherfähigkeit bereits unter Ertragseinbussen leiden, liefern Böden mit hoher Wasserspeicherfähigkeit weiterhin stabile Erträge», heisst es in der Mitteilung. Die aktuell anhaltende Trockenheit zeige deutlich, welche Böden unter den heutigen Klimabedingungen besonders leistungsfähig sind.
Nutzungseignungsklassen
Die Nutzungseignungsklassen (NEK) im Kanton Zürich unterteilen das Landwirtschaftsgebiet in 10 Klassen und bewerten die standortgerechte landwirtschaftliche Eignung von Böden. Sie dienen Landwirten und Behörden als wichtiges Hilfsmittel, um den Anbau optimal an die Faktoren Boden, Klima und Terrain anzupassen. NEK 1 bis 5 sind uneingeschränkt ackerfähig und gelten als Fruchtfolgeflächen. ome
Die bestehenden Bodenkartierungen und Nutzungseignungsklassen (NEK) basieren gemäss ZBV weitgehend auf Klimadaten vergangener Jahrzehnte. Dadurch werden Böden mit hoher Wasserspeicherfähigkeit teilweise lediglich den Nutzungseignungsklassen 5 oder 6 zugeordnet oder gar nicht als Fruchtfolgeflächen ausgewiesen. «Obwohl sie heute zu den wichtigsten Produktionsstandorten zählen, verfügen sie häufig über keinen angemessenen Schutz», kritisiert der Verband.
-> Hier finden Sie die Bodenkarten «Landwirtschaft und Wald» des Kantons Zürich (über die Auswahl links können Sie auch die Fruchtfolgeflächen einsehen)
Aktualisierung der Bodenkartierungen
In der Folge geraten solche Böden zunehmend unter den Druck von Vernässungs- oder Naturschutzprojekten. Damit drohen ausgerechnet jene Flächen verloren zu gehen, die für die regionale Lebensmittelproduktion und die Ernährungssicherheit künftig von zentraler Bedeutung sind, so der ZBV. Er fordert deshalb eine Aktualisierung der Bodenkartierungen auf Basis aktueller Klimadaten.

Eine Bodenkartierung zeigt die räumliche Verteilung und Eigenschaften verschiedener Böden in einem Gebiet.
Screenshot maps.zh.ch
Gleichzeitig dürfen leichte und sandige Böden ihren Schutzstatus nicht verlieren. «Das niederschlagsreiche Jahr 2024 habe gezeigt, dass gerade diese Standorte bei lang anhaltenden Niederschlägen besonders ertragssicher sind», schreibt der Verband. Entscheidend sei demnach nicht der Bodentyp, sondern seine tatsächliche Leistungsfähigkeit unter den heutigen klimatischen Bedingungen. Nur so können jene Böden geschützt werden, die auch künftig die Ernährungssicherheit gewährleisten, so der ZBV.