Der Zoo Zürich macht die Bratwurst klimafreundlicher

An den Verpflegungsständen des Zoos Zürich werden neu Fleischprodukte angeboten, die bis zu einem Viertel aus Bio‑Erbsenprotein bestehen. Geschmacklich ändert sich nichts. Die Umwelt wird jedoch weniger belastet. Der Verein Carna Libertas kritisiert diese «Erbsen-Fleischprodukte» als Greenwashing und Bevormundung. 

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Der Zoo Zürich ist der Meinung, dass weniger Fleisch zu essen ein wirksamer Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit und zum Schutz der Biodiversität ist. Doch vegetarische Alternativen können viele Fleischliebhaber nur selten überzeugen. Genau hier setzen die neuen Produkte an. Wie der Zoo Zürich mitteilt, schmecken die mit Erbsenproteinen angereicherten Kalbsbratwürste, Cervelats, Wienerli und das Hackfleisch im Chili con Carne wie herkömmliches Fleisch. Damit sprechen sie auch Menschen an, die ungern auf Fleisch verzichten.

Der Verein Carna Libertas reagiert in einer Mitteilung befremdet auf die Vermarktung der neuen «Zoo‑Wurst». Was als ökologische Innovation präsentiert wird, sei in Wahrheit ein alter Marketingtrick zulasten der Wahlfreiheit der Konsumenten. Auch die vom Zoo kommunizierte CO2‑Ersparnis von 60 Tonnen pro Jahr bezeichnet Carna Libertas als «Greenwashing». Der Effekt sei minimal und die Rechnung sei schöngefärbt. Zudem stehe sie im Widerspruch dazu, dass der Zoo Zürich aus «Bestandsgründen» Tiere einschläfert, so Carna Libertas.

Zwei Jahre Entwicklungsarbeit

Wie der Zoo Zürich weiter mitteilt, wurden die neuen Produkte gemeinsam mit der Mérat AG entwickelt . «Wir wollten Fleisch schaffen, das klimafreundlicher ist und trotzdem möglichst viele Menschen anspricht», sagt Marcel Ritter, Leiter der Zoo Restaurants. Reto Maurer, CEO der Mérat AG, ergänzt: «Bei der Kalbsbratwurst ersetzen 22 Prozent Bio‑Erbsenprotein das Fleisch nach IP‑Suisse‑Standard. Nach zwei Jahren Entwicklung stimmen Geschmack, Qualität, Tierwohl und Nachhaltigkeit.» Laut Angaben des Zoos Zürich werden durch die neuen «Erbsen-Fleischprodukte» rund 20 Prozent Treibhausgasemissionen eingespart.

233‑mal von Zürich nach Rom

Die neue Kalbsbratwurst ersetzt im Zoo Zürich die bisherige Variante. Pro Stück werden rund 590 Gramm CO2 eingespart. Bei jährlich rund 100'000 verkauften Würsten ergebe das rund 60 Tonnen CO2. Als Vergleich nennt der Zoo Zürich 233 Autofahrten von Zürich nach Rom, die dieselbe Menge an CO2 ausstossen würden. Auch der Klimafussabdruck, inklusive Land- und Wasserverbrauch, sei um 45 Prozent geringer. Der Zoo Zürich bezieht sich dabei auf Berechnungen von Green Guides.

Bratwürste, Cervelats, Wienerli und Hackfleisch mit Erbsenprotein seien künftig auch für andere Gastronomiebetriebe erhältlich. «Je mehr konventionelle Produkte ersetzt werden, desto grösser die Wirkung», sagt Marcel Ritter. Zoodirektor Severin Dressen betont: «Weniger Fleischkonsum entlastet Ökosysteme direkt – und trägt damit konkret zum Erhalt von Arten und Lebensräumen bei.»

Neuer Wein in alten Schläuchen

Der Verein Carna Libertas erwidert, die Idee, Fleisch mit pflanzlichen Zutaten zu strecken, sei alles andere als neu. Er verweist auf traditionelle Würste wie die Glarner Kalberwurst oder die Saucisse aux Choux (Kohlwurst), die seit Jahrzehnten zeigen, dass Fleisch mit pflanzlichen Produkten vermischt wird. Diese Praxis als bahnbrechende Nachhaltigkeitsleistung zu verkaufen, hält der Verein für irreführend.

Wer ist Carna Libertas? Der Verein Carna Libertas wurde 2019 als Reaktion auf die – laut Verein – zunehmende Bevormundung im Ernährungsbereich gegründet und setzt sich für eine Ernährungskultur ein, in der Fleisch als wertvoller Bestandteil einer gesunden und nachhaltigen Lebensweise anerkannt bleibt. Der Verein verteidigt die Wahlfreiheit der Konsumentinnen und den verantwortungsvollen Genuss von Fleischprodukten.

Carna Libertas warnt in der Mitteilung vor Bevormundung und fordert echte Wahlfreiheit. Die weichere Konsistenz der neuen Wurst zeige zudem, dass Qualität auf der Strecke bleiben könne. Da über 90 Prozent der Schweizer Bevölkerung weiterhin Fleisch essen, sei für Carna Libertas klar, dass die Konsumenten am Wurststand selbst entscheiden werden.

Wie der Instagram-Post unten vom Zoo Zürich zeigt, scheint die «Erbsenwust» den Konsumentinnen und Konsumenten zu schmecken. 

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