Ein Pionier in der Jersey-Zucht

Stefan Ulrich war einer der ersten Bauern in der Schweiz, der auf die Zucht von Jersey-Kühen setzte. Mittlerweile hat er auf dem «Hopfengut» in Unterstammheim ZH die grösste Jersey-Herde des Zürcher Weinlandes. Eine Rasse, die in der Schweiz bis 1995 verboten war. Das Jersey-Joghurt gibt's aus dem Milchautomat.

Thomas Güntert |

Stefan und Silvia Ulrich bewirtschaften in Unterstammheim das über 20 Hektaren grosse «Hopfengut» , einen Aussiedlerhof mit Acker-, Hopfen- und Rebbau sowie Hofladen und drei Wohnmobil-Stellplätzen.

Im Zentrum stehen aber 27 Jersey-Milchkühe. Anfang der 1980er-Jahre kam Ulrich mit den ersten Jersey-Rindern in Berührung, als er im Rahmen seines Agronomiestudiums in den USA ein dreimonatiges Praktikum auf einem grossen Hopfenbetrieb absolvierte, auf dem auch Jersey-Rinder gehalten wurden. 

Jerseys waren verboten

Das Jersey-Rind ist eine der ältesten und kleinsten Rinderrassen der Welt, und bis zum Jahr 1995 war es in der Schweiz als Rasse verboten. «Damals kostete eine Jersey-Kuh noch 5’000 Franken», erinnert sich Stefan Ulrich, der zu Beginn des neuen Millenniums seine erste Kuh kaufte. Die Entscheidung zur kompletten Umstellung der Herde kam 2008 durch das neue Tierschutzgesetz, das grossflächigere Haltungsbedingungen verlangte.

Er hatte einen gemischten Viehbestand mit Zweinutzungsrassen, in dem die meisten Tiere grösser waren. «Weil ich die Platzvorgaben für den Viehbestand nicht mehr erfüllen konnte, hatte ich drei Möglichkeiten: den Stall umbauen, die Herde umstellen oder die Viehhaltung aufgeben», sagt der Hopfengut-Bauer. Bei den wesentlich kleineren Jersey-Rindern konnte er auf einen Stallumbau verzichten und bis zu 30 Milchkühe unterbringen.

Sohn führt Tradition weiter

Um den Platz optimal zu nutzen, werden die Kuhkälber nach dem Abtränken an einen Kälberzuchtbetrieb ausgelagert und kommen nach knapp zwei Jahren als trächtige Rinder wieder auf den Hof zurück. Jährlich werden drei bis fünf Stierkälber selbst gemästet, in regionalen Metzgereien verarbeitet und das Fleisch im eigenen Hofladen verkauft.

Die Kühe sind in den wärmeren Monaten tagsüber auf der Weide und sonst im über 50 Jahre alten Anbindestall mit Auslauf. Sie bekommen je nach Jahreszeit Mais- und Grassilage, Heu und etwas Kraftfutter und werden zweimal täglich mit vier Melkaggregaten über die Rohrmelkanlage gemolken. Im nächsten Jahr wird der Sohn Peter das «Hopfengut» übernehmen. Dabei wird er von seiner Schwester Annette und den Eltern im Angestelltenverhältnis unterstützt.

6’500 Kilo Milch pro Jahr

Jersey ist eine reine Milchrasse, die nicht so viel Fleisch ansetzt wie Zweinutzungsrassen. Das feinfaserige Fleisch ist gut im Geschmack und cholesterinarm, aber wegen der schlechteren Wirtschaftlichkeit bei den Metzgern nicht unbedingt gefragt. Durch das leichtere Gewicht des Tieres ist der Verkaufswert auch entsprechend geringer.

Im Schnitt gibt eine Jersey-Kuh im Jahr 6’500 Kilo Milch und die Lebensmilchleistung beträgt durchschnittlich etwa 30’000 Kilo. «Unsere älteste Kuh war 13 Jahre alt», sagt Ulrich. Weil die Milch einen Fettanteil von 5 bis 6% und einen Eiweissgehalt von etwa 4% hat, bekommt Ulrich für den Liter Milch einen Mehrpreis von 9 bis 11 Rappen. «Menschen mit Laktoseproblemen vertragen diese Milch wegen der speziellen Eiweisszusammensetzung auch besser», sagt seine Frau Silvia.

«Man muss etwas Besonderes bieten»

Die Umstellung auf Jersey wurde mit einem speziellen Darlehen finanziert. Für einen festgelegten Betrag konnte eine Kuh geleast werden. «Die Kuh blieb auf dem Hof, man durfte sie besuchen, selber melken oder füttern», sagt Stefan Ulrich und betont, dass die Darlehen plus Verzinsung durch hofeigene Produkte zurückbezahlt wurden.

Neben der Finanzierung der Herdenumstellung war auch der Absatz des Fleischs der männlichen Rinder gesichert sowie der Selbstbedienungs-Hofladen geboren. Da Silvia Ulrich beruflich aus dem hauswirtschaftlichen Bereich kommt, betreibt sie den Hofladen sehr professionell.

«Man muss etwas Besonderes bieten, das hat aber auch seinen Preis», sagt sie. Die Familie Ulrich hat über 200’000 Franken in einen modernen Produktionsraum mit zwei Kühlräumen, Freezer, Pasteur und Joghurt-Abfüllanlage investiert. Im Hofladen werden überwiegend hofeigene Produkte vermarktet. Die Spezialitäten sind zurzeit Jersey-Joghurt und Milch-Shakes, die am Milchautomat rund um die Uhr frisch zubereitet werden können.

Das Hopfengut befindet sich in Stammheim ZH: 

Kommentare (1)

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  • Andre | 07.11.2023
    Wiso si di ihr schwiz verbote gsi?
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