
Insbesondere abgelegene Höfe geraten ins Visier der Diebe. (Symbolbild)
KI erstellt
Der Diebstahl auf dem Betrieb des Lohnunternehmers Dominik Mügeli aus Kappelen BE zeigt, wie gezielt die Täter vorgehen. Als Mügeli Anfang August eines Morgens seinen Mähdrescher kontrollierte, fehlten sowohl der Bordcomputer als auch der GPS-Sender auf dem Dach.
Insgesamt wurden in seinem Betrieb drei GPS-Sender und zwei Bordcomputer gestohlen. Der Sachschaden belief sich auf mehr als 30'000 Franken. Nicht eingerechnet sind dabei der Aufwand für den Ersatz der Geräte und die Wiederherstellung gespeicherter Daten.
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Fälle häufen sich in der Ostschweiz
Dieser Vorfall im Berner Seeland ist leider kein Einzelfall. Bereits im Herbst 2024 wurden vermehrt GPS-Empfänger und Bedienteile von Landwirtschaftsmaschinen gestohlen. Damals brachen die Täter gezielt Traktorkabinen auf, über die Türschlösser oder durch eingeschlagene Scheiben.
Wie die «Thurgauer Zeitung» berichtet, häufen sich solche Diebstähle nun auch im Kanton Thurgau. Die Kantonspolizei habe in diesem Jahr bereits fünf Fälle registriert. Besonders betroffen seien teure GPS-Systeme von John Deere. Die Geräte sind mehrere Zehntausend Franken wert und verschwinden nach den Diebstählen häufig spurlos. Die Polizei vermute, dass sie in Richtung Ostblock geschmuggelt werden.
Abgelegene Höfe bevorzugt
Für die Täter sind GPS-Systeme und Bordcomputer eine lukrative Beute. Für die Landwirtschaft bedeuten die Diebstähle hingegen hohe Kosten, zusätzlichen Aufwand und im schlimmsten Fall einen empfindlichen Arbeitsunterbruch.

Mutmasslich organisierte Diebe haben es besonders auf die teuren GPS-Systeme abgesehen.
Leonie Hart
Die Täter nutzen laut Kantonspolizei vielfach die abgelegene Lage von Landwirtschaftsbetrieben aus und schlagen vorwiegend nachts oder am frühen Morgen zu. Die Ermittlungen zu den Fällen laufen. «Ein Zusammenhang oder ein organisiertes Vorgehen kann nicht ausgeschlossen werden», wird die Kantonspolizei in der «Thurgauer Zeitung» zitiert. Sie stehe deshalb im Austausch mit anderen Kantons- und Stadtpolizeien in der Schweiz sowie teilweise mit ausländischen Behörden und dem Fedpol.
«Auch die Hersteller sind gefordert»
Auch Rolf Kuhn, dem Präsidenten der Kommission Landtechnik Thurgau, sind die Vorkommnisse bekannt. Sie würden in der Thurgauer Landwirtschaft für Verunsicherung sorgen. GPS-Systeme seien heute auf vielen Betrieben im Einsatz und für Arbeiten wie Aussaat, Pflanzenschutz oder Ernte von grosser Bedeutung.

Rolf Kuhn, Präsident der Kommission Landtechnik Thurgau, fordert die Hersteller dazu auf, ihre GPS-Geräte diebstahlsicherer zu machen.
zvg
Ein Diebstahl verursache deshalb nicht nur einen hohen Sachschaden. Gerade in arbeitsintensiven Zeiten könne ein Ausfall den Betriebsablauf erheblich beeinträchtigen und zusätzliche Kosten verursachen. «Auch die Hersteller sind aus unserer Sicht gefordert, Lösungen weiterzuentwickeln, damit gestohlene Geräte gesperrt, geortet oder nicht ohne Weiteres weiterverwendet werden können», sagt Kuhn gegenüber der «Thurgauer Zeitung».
Diebstahl hinterlässt auch seelische Narben
Wie stark ein solcher Diebstahl einen Betrieb beschäftigen kann, zeigt der Fall eines Landwirts aus dem Thurtal. Ihm wurde im Jahr 2022 ein Navigationssystem der Marke John Deere im Wert von 17'000 Franken gestohlen. Da der Traktor vollkaskoversichert war, konnte das Gerät schnell ersetzt werden. Der mutmassliche Täter sei später zwar gefasst worden. Das GPS-Gerät blieb jedoch verschwunden.
GPS-Diebe machen Jagd auf Landmaschinen
— Schweizer Bauer (@SchweizerBauer) August 11, 2026
Der Diebstahl auf dem Betrieb von Dominik Mügeli im Berner Seeland ist kein Einzelfall. Vermehrt verschwinden GPS-Geräte und Bordcomputer aus Traktoren und Mähdreschern – der Schaden geht weit über den Wert hinaus. https://t.co/lwBjBHhL1T
Der Diebstahl hinterliess beim Landwirt und seiner Frau auch seelische Spuren. «Meine Frau und ich fühlten uns plötzlich nicht mehr so sicher wie früher», zitiert ihn die «Thurgauer Zeitung». Die Familie installierte deshalb an der Haustür ein automatisches Türschloss mit Fingerabdruckerkennung. Das neue GPS-Gerät werde seither jeden Abend vom Traktor abmontiert und mit ins Haus genommen.
Massnahmen zur Prävention
Die Polizei empfiehlt, GPS-Empfänger, Bildschirme, Terminals und andere elektronische Geräte nach Arbeitsende zu entfernen und mit ins Haus zu nehmen. Zudem sollten Traktoren, Hoflader und andere Maschinen möglichst in geschlossenen Gebäuden oder an gut einsehbaren Plätzen abgestellt werden. Auch eine gute Beleuchtung könne Diebe abschrecken.
Zusätzlichen Schutz bieten spezielle Halterungen oder Sicherheitsschrauben, so die «Thurgauer Zeitung» weiter. GPS-Geräte sollten zudem beim Hersteller oder einem Servicepartner registriert werden. Zur Prävention beitragen können ebenfalls Bewegungsmelder, ausreichende Beleuchtung und Videoüberwachung. Fahrzeug- und Ersatzschlüssel sollten nicht in den Maschinen oder frei zugänglichen Räumen aufbewahrt werden.
Der Strickhof fasst die Massnahmen zusammen, mit denen sich das Risiko von Diebstählen von Lenksystemen minimieren lässt:
- Fahrzeug in Maschinenhalle oder Remise einschliessen. Maschinenhallen mit einer Beleuchtung mit Bewegungsmelder versehen.
- Fahrzeug in beleuchteten und gut einsehbaren Bereichen abstellen.
- Fahrzeugkabinen abschliessen.
- Empfänger über Nacht demontieren oder Schnellwechselvorrichtungen mit Schlössern versehen.
- Falls möglich PIN-Codierung an Empfänger aktivieren.
- Elektronische Komponenten versichern: bei Lenksystemen, die auf mehreren Traktoren verwendet werden über die Inventarversicherung; bei fest verbauten Lenksystemen über die Fahrzeugversicherung.