
Auf dem Forschungs- und Demonstrationsbauernhof von Alfred Grand dreht sich alles um den Regenwurm.
Reinhard Gessl
Ein ungewöhnlicher Werdegang: Angefangen hat der Österreicher Alfred Grand mit einer Ausbildung zum Weinbaugehilfen. Ende Oktober wird er in Zürich im Rahmen des Soil-to-Soul-Symposiums ein Fachreferat über seinen Forschungshof halten und über sein «Nutztier», den Regenwurm, sprechen.
In seiner Ausbildung war die Kompostierung ein fester Lehrbestandteil. Als dann die Zeit des Internets kam, suchte Grand im World Wide Web nach einer Methode, wie die Wärme, die sich in einem Kompost entwickelt, zum Heizen genutzt werden könnte. «So kam ich zur Wurmkompostierung», erzählt der Österreicher. Seine Neugierde führte ihn mit einem Freund nach Kalifornien, an die Universität in Berkeley. Dort wurde zu dieser Thematik vor fast 30 Jahren bereits Forschung betrieben.
Ohne Studium in die Wissenschaftsbubble
Mit vielen neuen Eindrücken und Informationen reiste Alfred Grand zurück in sein Heimatland und wurde dort an der Universität für Bodenkultur vorstellig. «Sie waren an unseren Erfahrungen interessiert, und so kam ich – ohne Uniabschluss – in die Wissenschaftsbubble.»
Auf seinem Betrieb in Niederösterreich wurden Universitätsprojekte in die Praxis umgesetzt. Die Enttäuschung folgte. Die Ideen des Biobauern wurden nicht implementiert. «Nach 10 Jahren habe ich gesagt, ich will das nicht mehr», und Grand machte seinen Hof zu einem unabhängigen Forschungsbauernhof mit neuem Namen, neuem Logo und neuem Slogan. Heute initiiert er eigene Forschungsprojekte.
Unser Ziel ist nicht die Ertragssteigerung, sondern die Einsparung auf der Düngerseite.
Im Mittelpunkt seines Interesses steht weiterhin der Regenwurm. Weltweit existieren über 6000 Regenwurmarten, und es sind die einzigen Tiere, die Erde «herstellen» können. Sie fressen Biomasse, verdauen sie und koten sie aus. Auch wenn der Regenwurm sehr klein ist und seine Ausscheidungen minim erscheinen, steckt darin doch der Schlüssel für eine nachhaltige Landwirtschaft, ist Alfred Grand überzeugt.
Wer auf Kunstdünger verzichten will, muss auf andere Weise den Nährstoffbedarf der Pflanzen decken. «Wir arbeiten seit über 10 Jahren daran, wie man die benötigten Mengen reduzieren kann», erzählt der Praxisforscher. Unter anderem arbeitet er dazu mit der weltweit führenden Mikrobiom-Forscherin Gabriele Berg zusammen.
Bisher konnten nur Kleinmengen an Wurmkompost verkauft werden – zwei bis drei Liter für den Hausgartenbesitzer. «Für die Anwendung in der Landwirtschaft ein viel zu aufwendiges und kostspieliges Produkt.» Gemeinsam mit Gabriele Berg wurde innerhalb von drei Jahren eine Methode entwickelt, um das Mikrobiom des Regenwurms auf das Saatgut aufzubringen. Mit diesem Verfahren werden nur kleine Mengen an Regenwurmkompost benötigt, um den positiven Effekt auf grosse Flächen zu bringen. Ist das Mikrobiom, also die Mischung aus Viren, Pilzen und Bakterien, vielfältig, unterstützt sie die Pflanze in ihrem Wachstum und stärkt sie.
Erster Erfolg beim Körnermaisanbau
«Unser Ziel ist nicht die Ertragssteigerung, sondern die Einsparung auf der Düngerseite», erklärt Grand seine Motivation. In diesem Jahr gab es auf seinem Betrieb den ersten Anbauversuch mit Körnermais. Die Resultate sind erstaunlich. Die behandelten Maispflanzen übertrafen die nicht behandelten in der Höhe um 10 Prozent, und der Körnermaisertrag lag sogar um 40 Prozent höher. Auch wenn die Zahlen beeindruckend sind, bleibt der umtriebige Landwirt skeptisch, denn der Sommer 2026 war für die Pflanzen wegen der Hitze und der Trockenheit ein hartes Jahr. «Der Ertrag war bei allen Pflanzen schlecht, und darum fällt der Unterschied sehr hoch aus.» Und trotzdem ist das Ergebnis ein erstes Zeichen dafür, dass Forschung und Praxis von Alfred Grand Potenzial für mehr haben.
Symposium
Die Bewegung und die Wissensplattform «Soil to Soul» setzen sich für gesunde Böden, regenerative Landwirtschaft und eine nährstoffreiche Ernährung ein. Dazu gehört das Symposium, das vom 28. bis 31. Oktober in Zürich stattfindet, in Medienpartnerschaft mit dem «Schweizer Bauer». Alfred Grand steht am 29. Oktober auf dem Podium. Auf www.sotoso.ch kommt man zum aktuellen Programm.
Im vergangenen Jahr wurde Alfred Grand mit seiner Arbeit zum «Top 50 Farmer» erhoben.