PFAS in Milch: 89 Prozent der Zürcher Betriebe unter Richtwert

Im grössten Teil der Milch, die im Kanton Zürich produziert wird, sind keine oder nur geringfügige Rückstände von PFAS nachweisbar. Fast alle Milchviehbetriebe nahmen am freiwilligen Monitoring teil. Jene Betriebe mit erhöhten Werten werden vom Kanton unterstützt.

blu/pd |

Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) werden seit den 1970er-Jahren breit eingesetzt und sind aufgrund ihrer Langlebigkeit weltweit in Umwelt und Lebensmitteln nachweisbar. Wie auch andere Kantone führt der Kanton Zürich in verschiedenen Bereichen PFAS-Messkampagnen durch, um genauere Daten zu erhalten.

650 Proben unter Grenzwert

Der Kanton Zürich hat im vergangenen Jahr sämtlichen Milchviehbetrieben die Möglichkeit die Gelegenheit gegeben, ihre Milch kostenlos auf PFAS-Rückstände untersuchen zu lassen. Fast alle Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter haben dieses Angebot wahrgenommen. «Die erfreulich hohe Bereitschaft zur Teilnahme zeigt, dass die Landwirtschaft grosses Interesse daran hat, qualitativ hochwertige Lebensmittel für die Bevölkerung zu produzieren», schreibt der Kanton in einer Mitteilung.

Nun zu den Resultaten. Insgesamt wurden Proben von 732 Betrieben analysiert. Bei 89 Prozent der Betriebe (650 Proben) waren entweder keine PFAS in der Milch zu finden, oder die Rückstände lagen unter dem in der Schweiz diskutierten Richtwert für Milch. Bei 11 Prozent der Betriebe (82 Proben) waren PFAS-Rückstände entsprechend diesem Richtwert oder darüber nachweisbar. «Diese Betriebe wurden auf Wunsch ein zweites Mal beprobt, wobei sich der PFAS-Nachweis in den meisten Fällen bestätigte», heisst es weiter.

Entdeckte Substanz seit 2011 verboten

Bei der festgestellten Belastung handelt es sich ausschliesslich um die in der Schweiz seit 2011 verbotene Substanz PFOS (Perfluoroctansulfonsäure). Diese wurde in der Vergangenheit breit eingesetzt, unter anderem in Feuerlöschschäumen, Verpackungsmaterial oder Oberflächenbeschichtungen.

Der Richtwert bezeichnet den Punkt, ab dem auf einem Landwirtschaftsbetrieb weitergehende Abklärungen zur Ursache der PFAS-Belastung empfohlen werden. Derzeit gibt für solche Rückstände in Milch und Milchprodukten aber noch keine gesetzlichen Höchstwerte. Die Untersuchung soll eine  Grundlage liefern,  um vorsorglich zu handeln.

Betroffene Betriebe werden unterstützt

In einem ersten Schritt wird nun die Ursache ermittelt. «In einem zweiten Schritt kann der Betrieb Massnahmen zur Reduktion prüfen, beispielsweise Anpassungen beim Futter oder Tränkewasser», schreibt der Kanton. Betriebe sich bei diesen Abklärungen von Expertinnen und Experten des landwirtschaftlichen Kompetenzzentrums Strickhof oder einer vom Kanton mandatierten Fachperson des Zürcher Bauernverbands kostenlos beraten und begleiten lassen.

Der Kanton Zürich weist darauf hin, dass der Konsum einzelner Lebensmittel, die PFAS enthalten, gemäss aktuellem Wissensstand keine akute gesundheitliche Gefährdung entstehen. Das Ziel es aber, die Belastung tief zu halten. Eine nationale Messkampagne des Verbands der Kantonschemikerinnen und -chemiker der Schweiz (VKCS) hat 2025 ergeben, dass die geltenden Höchstwerte für Fleisch, Eier und Fisch fast ausnahmslos eingehalten werden.

ZBV: Vorgehen schafft Transparenz

Der Zürcher Bauernverband (ZBV) zeigt sich erfreut, dass fast alle Milchwirtschaftsbetriebe beim Monitoring mitgemacht haben. «Dieses koordinierte Vorgehen ist schweizweit beispielhaft und schafft Transparenz sowie Vertrauen», heisst es in der Mitteilung. Die flächendeckende Untersuchung zahle sich aus. «Dadurch lassen sich allfällige Befunde gezielt analysieren», heisst es weiter.

Die Resultate hätten den Annahmen entsprochen. Die hohe Besiedlungsdichte, ansässige Industriebetriebe sowie bekannte PFAS-Belastungen in Zürcher Böden liessen erwarten, dass auch im Kanton Zürich einzelne Betriebe betroffen sein können, schreibt der ZBV. Der Verband hebt hervor, dass Zürcher Milch bedenkenlos konsumiert werden kann. Nur wenige Betriebe erreichten den aktuellen Richtwert für PFAS. «Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um einen Höchstwert, sondern um einen Orientierungswert, ab dem vertiefte Abklärungen empfohlen werden», so der Verband weiter. Die festgestellten Werte in der Milch stammten zudem nicht aus der Landwirtschaft, sondern müssten im breiteren gesellschaftlichen Kontext betrachtet werden.

PFAS

PFAS sind synthetisch hergestellte Chemikalien, die in zahlreichen industriellen Prozessen eingesetzt werden und in vielen Produkten zu finden sind. Sie sind wasser-, fett- und schmutzabweisend und weisen eine hohe thermische und chemische Stabilität auf. Deshalb bauen sie sich in der Umwelt praktisch nicht ab und werden auch «Ewigkeitschemikalien» genannt. Über Böden und Gewässer gelangen PFAS ins Trinkwasser sowie in Lebensmittel. Im menschlichen Körper können PFAS möglicherweise zu Störungen des Immunsystems, des Fettstoffwechsels und des Wachstums oder zu Krebs führen.

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