Der Bevölkerung werden dort die Standorte Faderna in Alvaneu Dorf und Cumpogna in Tiefencastel zur Einzonung als Umsiedlungsstandorte vorgeschlagen, wie die Gemeinde Albula am Freitag mitteilte.
Grund für den Planungsstopp in Vazerol ist, dass nicht alle Personen mit Baulandansprüchen bereit waren, diese an die Gemeinde zu verkaufen. Die Gemeinde erklärte, sie respektiere diese Entscheidung. Der Erwerb sämtlicher Ansprüche wäre jedoch eine zwingende Voraussetzung gewesen, um das Gebiet als Umsiedlungsstandort nutzen zu können.
-> Brienz GR: Hang rutscht schneller denn je
Beliebtester Standort
Bereits in der Vergangenheit war der Umsiedlungsstandort Vazerol ein emotionales Thema. Die Alternativen in Tiefencastel und Alvaneu sind im eher schattigen Tal, Vazerol hingegen befindet sich wie Brienz auf der Sonnenterrasse darüber. 70 Prozent der betroffenen Brienzerinnen und Brienzer wollten deshalb lieber nach Vazerol umgesiedelt werden. Dies ergab eine Umfrage von 2020.
Vor zwei Jahren zeigte auch der Gemeindepräsident Daniel Albertin (Mitte) Verständnis und hoffte, dass alle Brienzerinnen und Brienzer nach Vazerol umsiedeln können, wie er an einer Informationsveranstaltung in Tiefencastel sagte. Die Gemeinde setzte danach alles daran, den Standort für eine Umsiedlung zu gewinnen. Das Scheitern ist nun auch für die Betroffenen ein herber Schlag.
-> Brienz: Viele Einwohner sehen keine Zukunft mehr
Ansprüche aus den 1980er-Jahren
Die komplexe Ausgangslage geht auf eine Landumlegung in den 1980er-Jahren zurück. Damals gehörte Vazerol noch zur Gemeinde Brienz/Brinzauls. Durch die sogenannte Melioration entstanden die bereits überbauten Gebiete in Vazerol Ost sowie die Flächen in Vazerol West, die für eine spätere Überbauung vorgesehen waren.
Ein Reglement einer damals gegründeten Bauland-Genossenschaft sichert den Eigentümern der unbebauten Flächen in Vazerol West bis heute einen Anspruch auf Bauland zu, sollte das Gebiet eingezont werden. Falls mehr Ansprüche angemeldet würden als Land zur Verfügung steht, müsste das Los entscheiden.
Um Rechtssicherheit für die Planung der Umsiedlungszone zu schaffen, fragte die Gemeinde die Anspruchsberechtigten an, ob sie ihre Ansprüche gegen eine Entschädigung abtreten würden. Weil einige dies jedoch ablehnten, bleibt das Land nun in der Landwirtschaftszone.
42 Umsiedlungsgesuche
42 Umsiedlungsgesuche von Erst- und Zweitwohnungsbesitzenden aus Brienz GR sind bei der Gemeinde eingegangen. Im Juli genehmigte die Gemeindeversammlung einen Bruttokredit von 82,5 Millionen Franken für die Umsiedlung.
Lanciert wurde das Vorhaben wegen der drohenden Bergsturzgefahr. Mehrmals und über Monate mussten Bewohnerinnen und Bewohner ihre Häuser deswegen in der Vergangenheit verlassen.
Mittlerweile konnten sie zurückkehren. Ein Entwässerungsstollen unter dem rutschenden Bergdorf und den Bergen dahinter sorgte für eine deutliche Entspannung der Situation, sodass das Dorf heute wieder gefahrlos bewohnt werden kann. Einzelne Felsstürze wurden als ungefährlich eingestuft.
