
Der Kanton St. Gallen kann den neuen Besitzer des Barenegg-Hofs aus 30 Interessierten auswählen.
Screenshot Verkaufsdokumentation
Schleppender und intransparenter Verkaufsprozess, unklare Kriterien bei der Bieterauswahl, Zweifel an der Sicherung als Familienbetrieb, rechtliche Altlasten, mögliche finanzielle Risiken für Käufer.
74 Angebote
Der Kanton St. Gallen sieht sich im Zusammenhang mit dem Verkauf des Barenegg-Hofs viel Kritik ausgesetzt. Nach wie vor ist ein politischer Vorstoss der SVP hängig, der dem Verkaufsprozess Grenzen auferlegen soll. So besteht die Sorge, dass der Hof in «falsche Hände» geraten könnte.
Trotz einiger finanzieller Unsicherheiten stiess der Verkauf des 78-Hektar-Hofs auf grosses Interesse. In einem mehrstufigen Bieterverfahren sind in einer ersten Phase 74 unverbindliche Angebote eingegangen. Ende März endete die zweite Phase für die verbindlichen Angebote. Interessierte, die die Voraussetzungen des bäuerlichen Bodenrechts erfüllen, wurden eingeladen, ihr verbindliches Angebot einzureichen. Wie das «St. Galler Tagblatt» berichtet, haben 30 Bieter von dieser Einladung Gebrauch gemacht. Über die Kriterien für den Zuschlag hält sich der Kanton vorerst bedeckt.
Graslandbasierter Muka-Betrieb
30 Jahre lang bewirtschaftete das Pächterehepaar Walter und Heidi Fässler den Hof Barenegg in Hemberg SG. Ende vergangenen Jahres traten sie in den Ruhestand. Seit Anfang Jahr steht der Hof ohne Bewirtschafter da. -> «Hof Barenegg: Steht er bald leer?»
Der graslandbasierte Betrieb ist auf Mutterkuhhaltung ausgerichtet. Der 78 Hektar grosse Hof gliedert sich in 41 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche (LN), 16 Hektar Weideland und 37 Hektar Wald. Laut Verkaufsdokumentation des St. Galler Tiefbauamts ist die landwirtschaftliche Nutzfläche überwiegend steil bis stark geneigt und besteht teilweise aus drainierten Moorböden, was die maschinelle Bewirtschaftung erschwert.

Walter und Heidi Fässler, hier noch mit ihrer Hereford-Herde, haben den Betrieb Barenegg 30 Jahre lang geführt.
Susanne Meier
Zum Hof gehören ein unter Denkmalschutz stehendes Wohnhaus mit neun Zimmern, Stückholzheizung, eigener Quelle und Jauchegrube, ein Nebenhaus bzw. Ferienhaus mit acht Zimmern, älterem Ausbaustandard und Ofenheizung sowie mehrere ehemalige Milchvieh- und Rindviehställe, Scheunen, ein Alpstall und eine grössere Rindviehscheune.
Kritik der SVP
SVP-Kantonsräte kritisierten den Kanton für den «schleppenden Verkaufsprozess» und die daraus resultierenden Risiken für potenzielle Käufer (-> «Grosses Kaufinteresse an 78-Hektar-Hof») . Der Fall erhielt zusätzliche Brisanz durch mögliche rechtliche Altlasten. Auf dem Gelände soll sich noch Stacheldraht befinden, der gemäss kantonalem Jagdgesetz entfernt werden müsste.
Eine Interpellation eines SVP-Kantonsrats warnt, dass solche Versäumnisse für Käufer finanzielle Risiken darstellen könnten , etwa durch Rückbaukosten oder mögliche Sanktionen. Damit drohe der Hof zur «Hypothek» zu werden, wenn offene Fragen nicht vor dem Verkauf geklärt würden, so die SVP. Der «Schweizer Bauer» hat darüber berichtet: -> Hof Barenegg: Ein Verkauf mit «Stacheldraht-Hypothek»?
Kriterien für Zuschlag vorerst verdeckt
Der Verkehrswert des Hofs liegt bei rund 2,17 Millionen Franken. Der Kaufpreis ist jedoch gesetzlich auf 2,8 Millionen Franken begrenzt. Wenn mehrere Bieter bereit sind, diesen Maximalpreis zu zahlen, müssen andere Kriterien herangezogen werden.
Der Verkaufspreis allein soll dabei nicht ausschlaggebend sein. «Der Entscheid erfolgt auf der Grundlage einer Gesamtbeurteilung der eingegangenen Angebote», wird der Kanton vom «St. Galler Tagblatt» zitiert. Was genau unter dieser «Gesamtbeurteilung» zu verstehen ist, lässt der Kanton jedoch offen.
Familiäre Nachfolge sicherstellen
Die Vertreter der SVP haben ihren politischen Vorstoss auch eingereicht, damit der Hof langfristig als klassischer Familienbetrieb weitergeführt werden kann. Eine Nutzung etwa durch Gemeinschaftsprojekte soll damit ausgeschlossen werden. Wie das «St. Galler Tagblatt» berichtete, sei sich die Volkspartei bewusst, dass die Motion spät eingereicht wurde.
Der Druck auf den Kanton solle damit weiter hoch bleiben, um sicherzustellen, dass der Hof Barenegg weiterhin von einer Bauernfamilie bewirtschaftet wird, so wie es in den vergangenen 30 Jahren der Fall war.
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