In einem Bereich des Schuttkegels ist eine dunkle Verfärbung sichtbar geworden, wie die Gemeinde Albula am Freitag im neuesten Bulletin zum Brienzer Rutsch schrieb. An dieser Stelle sei etwas Schutt an der Oberfläche abgerutscht.
Sekundäre Rutschungen
Bei dieser sogenannten sekundären Rutschung bestehe kein – wie teilweise von Einwohnerinnen und Einwohnern befürchtet – Zusammenhang zum Entwässerungsstollen. «Nein, es hat sich kein Krater gebildet», wird Geologe Reto Thöny, Co-Leiter des Frühwarndienstes, im Bulletin zitiert. «Die dunkle Verfärbung kommt daher, dass an einer besonders steilen Stelle etwas Schutt an der Oberfläche abgerutscht ist, und eine dunklere Schicht darunter freigelegt hat», so Thöny. Solche kleineren, sekundären Rutschungen seien auf einem Schuttkegel normal.
Im Dorf Brienz zeigen einige Messpunkte seit März keine Bewegung mehr. Die Rutschung des Dorfes hat historische Tiefstwerte erreicht. Heute bewegt es sich um weniger als fünf Zentimeter pro Jahr. Im Herbst vor zwei Jahren hatte die Geschwindigkeit noch 2,5 Meter pro Jahr betragen.
Bewohner waren mehrmals evakuiert
Der Grund für die Verlangsamung des Berges und des Dorfes ist unter der Erde zu finden, im Entwässerungsstollen. Seit April 2024 läuft der Bau des Stollens, der das Wasser aus dem Untergrund entziehen und es in den Fluss Albula leiten soll. Bisher wurden etwa ein Drittel der Drainagebohrungen durchgeführt. Der Tunnel, der rund 40 Millionen Franken kostet, soll Mitte 2027 fertiggestellt sein.
Seit fast vier Monaten leben wieder 49 Personen in dem kleinen Bergdorf Brienz. Die ehemals rund 80 Einwohnerinnen und Einwohner des Dorfes, das zur Gemeinde Albula gehört, waren seit November 2024 zum zweiten Mal evakuiert. Am 15. Juni 2023 hatte ein Schuttstrom beinahe das Dorf unter sich begraben. 1,7 Millionen Kubikmeter Material kamen kurz vor dem Dorfrand zum Stehen. Rund einen Monat zuvor war Brienz erstmals evakuiert worden.
Im November 2025 hatten sich absturzgefährdete Gesteinsmassen zu einer Schuttmasse zerlegt. Von einem grossen und schnellen Fels- oder gar Bergsturz war das Dorf danach nicht mehr bedroht. Im Januar 2026 wurde die Evakuierung aufgehoben.
