Darum muss ein Bauer 3 ½ Jahre ins Gefängnis

Ein alkoholisierter Landwirt sorgte im Jahr 2025 mit einer Geisterfahrt auf der A3 für Schlagzeilen. Dafür wurde er angeklagt. Die Anklageschrift verweist zudem auf eine monatelange Serie von Traktordiebstählen, Unfällen und einen Angriff auf die Polizei. Nun wurde der beschuldigte Landwirt zu 42 Monaten Freiheitsentzug verurteilt.

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Was im Mai 2025 mit einer gefährlichen Geisterfahrt auf der Autobahn A3 schweizweit für Schlagzeilen sorgte, erwies sich vor Gericht als Teil einer deutlich grösseren Deliktserie. Ein heute 37-jähriger Landwirt aus der Ostschweiz musste sich vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland für zahlreiche Traktordiebstähle, schwere Verkehrsdelikte und erhebliche Sachschäden zu verantworten.

Laut Anklage soll der Beschuldigte zwischen Januar und Juli 2025 nicht weniger als 35 Straftatbestände begangen haben. Nun ist das Urteil gefallen. Das Gericht bestätigte grosse Teile der Deliktserie und stufte sie als schwerwiegend ein. Der Bauer muss für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis und wird zusätzlich einer stationären Suchttherapie unterzogen.

Fünf Traktordiebstähle nachgewiesen

Im Frühjahr 2025 kam es in den Regionen Sarganserland, Werdenberg und Linthgebiet zu einer Häufung rätselhafter Traktordiebstähle. Auffällig war, dass die Fahrzeuge oft nur wenige Stunden später beschädigt oder verlassen aufgefunden wurden. Die «Südostschweiz» berichtete unter anderem von einem gestohlenen Traktor, der in einem Bachbett landete, sowie von jenem Traktor, den der verurteilte Bauer für die Geisterfahrt auf der A3 genutzt hatte.

Zu den Straftaten des 37-jährigen Landwirts gehören unter anderem fünf Traktordiebstähle, zwei versuchte Diebstähle, Fahren ohne Führerschein, Fahren in fahrunfähigem Zustand, grobe Verkehrsregelverletzungen, Fahrerflucht, Hausfriedensbruch sowie mehrere Diebstähle. Bereits Jahre zuvor war dem Mann der Führerschein auf unbestimmte Zeit entzogen worden. Dennoch setzte er sich immer wieder ans Steuer.

Stark alkoholisiert unterwegs

Wie die «Südostschweiz» berichtet, war die Vorgehensweise meist dieselbe. Der Landwirt begab sich auf Bauernhöfe und fand die Fahrzeugschlüssel ohne grossen Aufwand. Diese lagen häufig im Fahrzeug oder steckten bereits im Zündschloss. Zum Zeitpunkt seiner Fahrten sei er jeweils stark alkoholisiert gewesen.

@telezuri_fernandez Berschis (SG): Es stellte sich heraus, dass der Mann den Traktor samt Anhänger kurz vor 00:30 Uhr aus einem Bauernbetrieb in Flums entwendet hatte und von dort Richtung Walenstadt gefahren war. Bild: Kapo SG #schweiz #schwiz #stgallen #sg #polizei #traktor #bauern #bauernhof #bauer #hof #fy #fyfy #tzfernandez #flums ♬ Originalton - TeleZüri Fernandez

Nicht selten hinterliess er dabei eine Spur der Verwüstung. Er beschädigte laut Anklageschrift Hausfassaden, fuhr Zäune nieder, rammte Mauern und beschädigte Fahrzeuge. In Oberschan SG prallte er mit einem gestohlenen Traktor gegen eine Steinmauer und verursachte einen Schaden von über 13'000 Franken. In Flums SG beschädigte er einen Traktor, einen Anhänger und einen Entwässerungsgraben.

Polizeifahrzeug gerammt

Für besonderes Aufsehen sorgte jedoch die Geisterfahrt auf der Autobahn A3. Nachdem er in Benken SG einen Traktor entwendet hatte, fuhr er damit zunächst in Richtung Ziegelbrücke. Bei Mollis GL geriet er auf die falsche Auffahrt und gelangte so auf die Autobahn. Dort querte er in einem riskanten Manöver die Fahrbahn und fuhr auf dem Pannenstreifen entgegen der Fahrtrichtung bis zur Raststätte Glarnerland.

Noch schwerer wog aus Sicht der Strafverfolgungsbehörden ein Vorfall im Juli 2025. Eine zivile Polizeipatrouille wollte einen weiteren gestohlenen Traktor kontrollieren. Anstatt anzuhalten, versuchte der Beschuldigte zu flüchten. Nach mehreren gegenseitigen Überholmanövern fuhr er mit seinem Traktor samt Frontlader und Anhänger auf das Polizeifahrzeug auf. Der Wagen wurde von der Strasse ins Wiesland geschoben. Beide Beamten erlitten dabei Verletzungen. 

-> Traktordieb vor Gericht: Dem Bauern drohen 3 Jahre Haft

Landwirt zeigt sich reuig

Vor Gericht zeigte sich der Mann wortkarg, aber reuig. Laut der «Südostschweiz» sprach er von «viel Scheissdreck», den er angerichtet habe. Seine Taten erklärte er mit seiner langjährigen Alkoholabhängigkeit. Ein psychiatrisches Gutachten attestierte ihm neben der Alkoholabhängigkeit auch eine unreife Persönlichkeitsstörung. Der Alkohol sei gewissermassen das «Kerosin» für seine strafrechtlichen Probleme gewesen, so der Gutachter.

Laut der «Südostschweiz» beantragte die Verteidigung in mehreren Punkten Freisprüche. Sie verwies dabei auf die Reue des Angeklagten und seine Bereitschaft, therapeutische Hilfe anzunehmen. Das Kreisgericht folgte dieser Argumentation jedoch nur teilweise. Es beurteilte die Deliktserie als schwerwiegend und verhängte eine Gesamtfreiheitsstrafe von 42 Monaten. Zusätzlich wurde eine stationäre therapeutische Massnahme angeordnet.

Im Gefängnis «wie im Hotel»

Neben der Gefängnisstrafe muss der verurteilte Bauer Verfahrenskosten in der Höhe von rund 50'000 Franken tragen. Hinzu kommen eine Busse von 1100 Franken sowie Entschädigungszahlungen an die Geschädigte, die laut der «Südostschweiz» weitere Forderungen auf dem Zivilweg stellen könnten.

Seine Strafe wird der Landwirt im Massnahmenzentrum Saxerriet verbüssen, wo er sich bereits seit Juli 2025 im vorzeitigen Strafvollzug befindet. Dort arbeite er im landwirtschaftlichen Bereich und kümmere sich unter anderem um Stallarbeiten und Jungvieh. Vor Gericht erklärte er, er fühle sich dort «wie im Hotel».

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