Existenzangst wegen Landverlust

Die geplante Umleitung des Lienzer Baches stösst bei den betroffenen Landwirten auf Widerstand. Sie befürchten massive Flächenverluste und wirtschaftliche Einbussen und kritisieren den Entscheidungsprozess der Stadt. Für sie steht mehr als nur Land auf dem Spiel.

Der Lienzer Bach in der Gemeinde Altstätten SG zählt aufgrund der hohen Hochwasser- und Murganggefahr zu den gefährlichsten Gewässern im Kanton St. Gallen. Schwere Überschwemmungen in der Vergangenheit verdeutlichen die Dringlichkeit von Schutzmassnahmen. Über die Art und Weise, wie das Dorf vor Überschwemmungen geschützt werden soll, sind sich die Gemeinde und die beiden Landwirte Thomas Weder und Albert Peter jedoch uneinig.

Wie die Online-Plattform «Wundo.ch» berichtet, informierte die Gemeinde Altstätten darüber, dass der Bach künftig nicht mehr durch das Siedlungsgebiet, sondern entlang des Bofelbachs an der Gemeindegrenze zu Sennwald fliessen soll. Für die beiden Landwirte hätte das einschneidende Folgen. Sie würden durch die Umlegung wertvolles Ackerland verlieren. Sie halten die Umlegung nicht für die beste Lösung, bieten eine Alternative an und erklären, wieso sie sich übergangen fühlen.

«Geschiebe ist das Problem»

Die beiden Landwirte zeigten den Reportern von «Wundo.ch», wo ihrer Meinung nach das eigentliche Problem liegt. Auf einer Brücke über dem Lienzer Bach wiesen sie auf die Bachsperren hin. Zwischen den Betonverbauungen liegen Laub, Äste, kleinere und grössere Steine, teils massive Brocken. Die Landwirte zeigen sich überzeugt, dass dieses Geschiebe die eigentliche Gefahr für das Dorf darstelle, und nicht das Wasser, das durch die Gemeinde fliesst.

Würden diese Sperren regelmässig geräumt, könnte ein Grossteil des Materials oberhalb des Dorfs zurückgehalten werden. Die Stadt spreche von Sicherheit, aber aus Sicht der Landwirte wurde der Unterhalt seit Jahren vernachlässigt. «Es wirkt fast so, als würde man den Unterhalt vernachlässigen, damit das Projekt umgesetzt werden kann», wird Landwirt Peter von «Wundo.ch» zitiert.

Drei Hektar Landverlust

Beide Landwirte erkennen jedoch sehr wohl die Notwendigkeit eines Hochwasserschutzes. Sie würden sich auch nicht gegen Schutzmassnahmen zur Wehr setzen, sondern lediglich gegen die von der Gemeinde geplante Variante. Denn der neue Bachverlauf würde durch die Wiesen der beiden Bauern fliessen. Während die Gemeinde einen Verlust von 1,2 Hektar kalkuliert, rechnen die beiden Bauern mit mindestens drei Hektar, die verloren gingen.

Die Lamas und Ziegen, die auf Weders Wiesen grasen bräuchten einen neuen Platz. Bauer Peter macht sich sogar Sorgen um seine Existenz. Peter hält Milchkühe und produziert nach dem Branchenstandard «Grüner Teppich». Dieser schreibt ihm regelmässigen Auslauf vor. «Wenn ich diese Fläche nicht mehr habe, kann ich die Milch nicht mehr unter diesem Label verkaufen», wird Peter vom Onlineportal zitiert. Er wisse nicht, wo seine Kühe sonst weiden sollen und wovon er dann leben solle.

Strategie steht fest

Obwohl kantonale und eidgenössische Fachstellen nur diese Variante als bewilligungsfähig einstufen, kritisiert Albert Peter den Informationsfluss. Er habe wichtige Unterlagen nicht erhalten. Zudem habe es nach 2024 keine vertiefte Aussprache gegeben, obwohl damals eine andere Variante favorisiert wurde. Die betroffenen Landwirte fordern einen Dialog sowie die Prüfung eines Geschiebesammlers oberhalb des Dorfs.

Die Gemeinde Altstätten schreibt dazu: «In der aktuell laufenden Vorprojektphase werden die Gespräche mit den betroffenen Grundeigentümern gesucht, um für alle Beteiligten eine möglichst optimale Lösung zu finden und das Schutzziel zu erreichen.»

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