
Der Verkauf des Hofs Barenegg ist zu einem Politikum geworden. Kantonsräte kritisieren den Verkaufsprozess.
Screenshot Verkaufsdokumentation
In einem Vorstoss an die Kantonsregierung sorgen sich alle sechs Toggenburger SVP-Kantonsräte um den Verkaufsprozess des Hofs Barenegg. Der bisherige Pächter, ein Mutterkuhhalter, hat den Betrieb per 31. Dezember 2025 verlassen. Seit dem 1. Januar 2026 stehen Wohn- und Ökonomiegebäude leer. Den Fragestellern zufolge wurde der rechtzeitige Verkauf durch das zuständige Departement versäumt.
Wie das «St. Galler Tagblatt» berichtet, hat der Kanton im Herbst ein mehrstufiges Bieterverfahren gestartet. Bereits nach der ersten Phase lagen 74 Angebote für den mit 2,17 Millionen Franken bewerteten Betrieb vor. Die zweite Runde endet am 31. März, der Zuschlag erfolgt in einer dritten Phase. Für die Kantonsräte geht es zu langsam. «Der weiterhin schleppende Verkaufsprozess des Betriebes Barenegg wirft grosse Fragen zur Arbeit der Verwaltung auf», heisst es in der Anfrage.
Grosszügiger Umschwung
Der graslandbasierte Betrieb ist auf Mutterkuhhaltung ausgerichtet. Der 78 Hektar grosse Hof ist unterteilt in 41 Hektar LN, 16 Hektar Weideland und 37 Hektar Wald. Laut der Verkaufsdokumentation des St. Galler Tiefbauamts (siehe ganz unten) ist die landwirtschaftliche Nutzfläche überwiegend steil bis stark geneigt und besteht teilweise aus drainierten Moorböden, was die maschinelle Bewirtschaftung erschwert.

Zum Hof gehören ein unter Denkmalschutz stehendes Wohnhaus mit neun Zimmern.
Screenshot Verkaufsdokumentation
Zum Hof gehören ein unter Denkmalschutz stehendes Wohnhaus mit neun Zimmern, einer Stückholzheizung, einer eigenen Quelle und einer Jauchegrube, ein Nebenhaus/Ferienhaus mit acht Zimmern, einem älteren Standard und einer Ofenheizung, mehrere frühere Milchvieh- und Rindviehställe, Scheunen, ein Alpstall sowie eine grössere Rindviehscheune aus dem Jahr 1987. Letztere wurde 2012 mit einer Jauchegrube, zusätzlichen Liegeplätzen und einem Hofdüngerlager ausgebaut und ist für Mutterkühe, Rinder und Jungvieh eingerichtet.
Sicherstellung der landwirtschaftlichen Weiterführung
Mit ihrer Anfrage an die Regierung des Kantons St. Gallen zum Betrieb Barenegg im Neckertal verlangen die Kantonsräte Klarheit über das Verkaufsverfahren. Ziel ist die Sicherung der landwirtschaftlichen Weiterführung sowie Transparenz und Rechtssicherheit. Kritisiert wird der schleppende Prozess und das daraus entstehende Risiko für die Käufer.

Die St. Galler SVP-Kantonsräte aus dem Toggenburg kritisieren den Kanton wegen dem «schleppenden Verkaufsprozess» des Hofs Barenegg (v.l.): Fredy Louis, Bruno Schweizer, Lukas Huber, Christian Vogel, Mirco Gerig, Ivan Louis.
zvg
Im Zentrum steht die grundsätzliche Frage, wie vertraglich sichergestellt werden kann, dass die Liegenschaft tatsächlich in die Hände einer produzierenden Bauernfamilie gelangt. Damit verbunden ist die Klärung, ob der gesetzlich zulässige Höchstpreis gemäss bäuerlichem Bodenrecht von rund 2,8 Mio. Franken anerkannt wird und nach welchen Kriterien entschieden wird, falls mehrere Interessenten diesen Höchstpreis bieten.
Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Anfrage betrifft die finanziellen und administrativen Risiken für potenzielle Käufer. Die Fragesteller verlangen Auskunft darüber, ob der Kanton für allfällige finanzielle Einbussen aufkommt, falls ein Käufer im ersten Jahr ohne Direktzahlungen wirtschaften müsste, weil die Anmeldung für Direktzahlungen nicht fristgerecht erfolgt ist. Insgesamt zielen die Fragen darauf ab, Transparenz und Rechtssicherheit zu schaffen sowie eine nachhaltige landwirtschaftliche Weiterführung des Betriebs zu gewährleisten.