
(v.l.n.r.): Silvio Büasch, (Präsident Bauernverein Plessur), Nico Schädler (betroffener Landwirt und Mitorganisator), Sven Salis (Grossrat und Mitglied des Bauernvereins Plessur) und Valérie Favre Accola (Regierungsrätin ab 2027) vor der rund 5 m² grossen Hirtenhütte, die per Helikopter auf der Alp verschoben werden kann, damit der Hirt immer in der Nähe der Schafe schlafen kann.
zvg
Am Freitagabend brannten europaweit Mahnfeuer für die Zukunft der Weidetierhaltung. Auch in Chur versammelten sich unter dem Motto «Gemeinsam sichtbar werden» Vertreterinnen und Vertreter der Landwirtschaft sowie weitere Unterstützerinnen und Unterstützer.
Mit der Aktion wollten sie auf die wachsenden Herausforderungen durch Grossraubtiere aufmerksam machen, schreibt der Bündner Bauernverband in einer Mitteilung.
Nach Ansicht der Organisatoren ist die Weide- und Alpwirtschaft insbesondere in Graubünden von grosser Bedeutung. Sie sichere die Bewirtschaftung der Alpen, präge die Kulturlandschaft und trage zur regionalen Wertschöpfung bei. Gleichzeitig stelle die zunehmende Wolfspräsenz viele Tierhalter vor grosse Herausforderungen. Herdenschutz verursache zusätzlichen Aufwand und sei nicht überall praktikabel.
Forderungen nach Anpassungen
An der Veranstaltung sprach auch die designierte Bündner Regierungsrätin Valérie Favre Accola. Sie forderte unter anderem eine Bestandesregulierung mit einer Wolfsobergrenze, effizientere Regulationsverfahren sowie eine aufwandsgerechte Entschädigung für Herdenschutzmassnahmen. Herdenschutz solle dort umgesetzt werden, wo er praktikabel sei. Im Siedlungsgebiet müsse gegenüber Wölfen eine Nulltoleranz gelten.
Auch Benjamin Hefti, Präsident des Bündner Kantonalen Patentjägerverbands (BKPJV), erklärte, in der Wolfspolitik seien zwar Fortschritte erzielt worden, weitere Schritte seien jedoch notwendig. Neben den Nutztierrissen erschwere die zunehmende Wolfspräsenz auch die Jagd, da sich das Wild anders verhalte.
Betroffener Landwirt schildert Erlebnis
Eindrücklich waren die Schilderungen eines betroffenen Landwirts. Er berichtete, dass auf seiner Alp ein Wolf während einer Zvieripause in rund 100 Metern Entfernung von der Hirtenhütte ein Schaf gerissen habe. Trotz lautem Zurufen habe sich das Tier nicht vertreiben lassen.
Beim anschliessenden Austausch an einer kleinen Festwirtschaft waren sich die Teilnehmenden einig, dass die Weidetierhaltung langfristig Rahmenbedingungen brauche, welche die Bewirtschaftung der Alpen und Weiden auch künftig ermöglichen.