
Riccardo Battelli, wissenschaftlicher Mitarbeiter des kantonalen Pflanzenschutzdienstes, beschäftigt sich mit dem Insekt.
Sophie Blonk
In den letzten Jahren sehen sich die Tessiner Rebberge mit einer Zunahme gebietsfremder Arten konfrontiert, die über Waren und Pflanzen eingeschleppt werden. Dazu gehört Aspilanta oinophylla, ein Lepidopter (Schmetterling) aus Nordamerika, der 2019 erstmals im Tessin nachgewiesen wurde und heute in weiten Teilen der Weinbaugebiete vorkommt. Besonders betroffen ist der Sottoceneri, wo die mikroklimatischen Bedingungen seine saisonale Ausbreitung begünstigen.
Aktuelle Situation
«Die Larven ernähren sich von den Weinblättern und reduzieren dadurch die Photosynthesefähigkeit der Pflanze», erklärt Riccardo Battelli, wissenschaftlicher Mitarbeiter des kantonalen Pflanzenschutzdienstes, Sektion Landwirtschaft. «Derzeit haben wir jedoch keine Schätzungen zu wirtschaftlichen Schäden, und es werden keine signifikanten Ertrags- oder Qualitätsverluste festgestellt.»
Die Situation gilt daher als unter Kontrolle, und direkte Bekämpfungsmassnahmen sind nicht erforderlich. Das Überwachungssystem bleibt jedoch aktiv, um die Entwicklung der Art und ihre Interaktion mit dem Weinbau-Ökosystem zu verfolgen.
Der erste Nachweis in Europa stammt aus dem Jahr 2006 in Norditalien, von wo aus sich das Insekt vermutlich weiter ausgebreitet und später das Tessin erreicht hat. Bei starken Befällen können Auswirkungen auf die Traubenqualität auftreten, wie bereits in einigen italienischen Regionen bei weissen Rebsorten beobachtet wurde. «Es handelt sich jedoch um begrenzte Fälle und nur bei sehr hohen Befallsstärken», betont Battelli.
Monitoring und Prävention
Für die Zukunft könnte der Klimawandel eine weitere geografische Ausbreitung begünstigen, ohne jedoch zwingend die Schadensintensität im Tessin zu erhöhen, wo sich die Art inzwischen etabliert hat. Derzeit gibt es keine spezifischen Bekämpfungsmassnahmen. Die Strategie bleibt Monitoring und Prävention sowie ein sorgfältiges Management der Rebberge. Die Winzerinnen und Winzer können zur Prävention beitragen, indem sie die Biodiversität fördern und natürliche Gegenspieler unterstützen. Zu den empfohlenen Massnahmen gehören eine angemessene Laubarbeit sowie die Vermeidung von Eingriffen, die nützliche Parasitoide beeinträchtigen könnten.