
Der Luchs ist grundsätzlich ein Waldbewohner: Seine Jagdweise setzt einen deckungsreichen Lebensraum voraus.
Matthias Neuhaus
Das Wiederansiedlungsprojekt sah vor, zwei Luchse in der Region Surselva im Kanton Graubünden auszusetzen, nachdem zuvor drei Tiere versehentlich durch einen Wildhüter getötet worden waren. Für die Landwirtschaft und die Gemeinden hätte eine erneute Aussetzung zusätzliche Unsicherheiten gebracht, teilt der Verein Schweiz zum Schutz des ländlichen Lebensraums vor Grossraubtieren mit.
«Wichtiges Signal»
Der Verein betont, dass Wiederansiedlungsprojekte ohne breite Akzeptanz und ausreichende Schutzmassnahmen zu Konflikten führen. Nun müsse das Projekt umfassend neu bewertet werden – unter Einbezug der Bevölkerung, der Landwirtschaft und der betroffenen Gemeinden.
Transparente Entscheidungsprozesse, die Sicherheit von Nutztieren und Menschen sowie die bereits bestehenden Belastungen durch Grossraubtiere sollen künftig Priorität haben. Der vorläufige Stopp sei ein wichtiges Signal, dass die Lebensrealität der Bergregionen ernst genommen werde.
Parlamentarische Vorstösse
In diesem Monat hätte die Kampagne zur Gefangennahme eines Exemplars im Kanton Jura beginnen sollen. Für 2028 war die Freilassung eines zweiten Tieres aus den Karpaten – aus Rumänien oder der Slowakei – geplant. Das Projekt ist nun vorerst gestoppt, wie das SRF-Regionaljournal Graubünden berichtete. Dies bestätigte am Mittwoch Staatsrätin Carmelia Maissen (Mitte), Direktorin des Departements für Infrastruktur, Energie und Mobilität, gegenüber Keystone-SDA.
Grund für den Stopp sind zwei parlamentarische Vorstösse, die der Regierung in der Dezembersession vorgelegt wurden. Parlamentarier der SVP und der Mitte haben die Kantonsregierung aufgefordert, auf die Wiederansiedlung der beiden Luchse zu verzichten. Der Grosse Rat wird sich voraussichtlich im April mit den beiden Vorstössen befassen.