Ab Montag gilt für Brienz wieder die Phase grün: Das seit dem 17. November 2024 geltende Betretungsverbot und die Evakuierung sind dann offiziell aufgehoben. Auch die landwirtschaftlichen Flächen dürfen wieder frei bewirtschaftet werden, heisst es im Informationsbulletin der Gemeinde Albula zum Brienzer Rutsch vom Donnerstag.
Gefährdung stark reduziert
Möglich wird das Ende der Evakuierung, weil sich die über dem Dorf gemessenen Bewegungen am Berg beruhigt haben. «Die akute Gefährdung aus dem Felssturzgebiet hoch über dem Dorf hat sich seit dem Schuttstrom von Ende November 2025 so stark reduziert, dass ein dauernder Aufenthalt im Dorf wieder sicher ist», schrieb die Gemeinde Albula.
«Die Leute sind sehr froh, dass die Evakuierung endlich aufgehoben werden kann», sagte Christian Gartmann, Kommunikationsbeauftragter der Gemeinde Albula, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Auch der Gemeindeführungsstab sei erleichtert. «Wir haben den Leuten versprochen, dass wir die Evakuierung keinen Tag länger aufrechterhalten als nötig.»
Auswärtige müssen bis Sonntag warten
Die Lockerungen erfolgen schrittweise. Am Freitagmorgen kommt zunächst der Wechsel von der Phase rot in die orange Phase. Freitagnacht können die Bewohnerinnen und Bewohner sowie Dauernutzer von Zweitwohnungen somit erstmals seit langem wieder im Dorf übernachten.
Wie viele Bewohnerinnen und Bewohner bereits am Freitag wieder in die Häuser zurückkehren, kann Gartmann nicht abschätzen. Für Leute, die nicht in Brienz zu Hause sind, bleiben die Strassen und Wege zunächst bis und mit Sonntag weiterhin gesperrt.
Geologen sehen Zukunft positiv
Mit der ab Montagmorgen geltenden Phase grün dürfen auch Personen von ausserhalb wieder in das Dorf. Die Postautoverbindung der Linie 183 zwischen Lenzerheide und Davos fährt wieder über Brienz. Gesperrt bleibt eine markierte Gefahrenzone oberhalb des Dorfes. In diesem Gebiet herrscht weiterhin die Gefahr von Felssturz, Blockschlag und Splittersteinen, steht im Bulletin weiter.
«Für das Dorf sieht es so gut aus wie seit Jahren nicht mehr. Das Risiko, dass es wieder einmal eine Evakuierung braucht, kann zwar nicht ganz ausgeschlossen werden», so Gartmann weiter. Die Geologen schätzten die Gefahr eines Felssturzes aber als «wenig wahrscheinlich bis unwahrscheinlich» ein für die kommenden Jahre.
Umsiedlung wird nicht in Frage gestellt
Wegen der lange Zeit angespannten Situation konnten sich die Bewohnerinnen und Bewohner bis Ende September für eine präventive Umsiedlung anmelden. 40 solcher Anmeldungen sind eingegangen. Sowohl der Kanton Graubünden als auch der Bund unterstützen diese finanziell. Sind die Pläne der Umsiedlung nun vom Tisch?
«Die präventive Umsiedlung ist ein Angebot, welches die Gemeinde, der Kanton und der Bund den Betroffenen gemacht haben. Dieses Angebot besteht weiterhin und an dem Projekt wird auch weiterhin gearbeitet», so Gartmann. So will die Gemeinde auch nochmals ein Fenster öffnen, um weitere Anmeldungen für eine Umsiedlung entgegenzunehmen. Auszuschliessen sei es aber nicht, dass sich einzelne Bewohnerinnen und Bewohner aufgrund der positiven Vorhersagen doch noch gegen eine Umsiedlung entscheiden.
Riesiger Schuttstrom 2023
Die rund 80 Einwohnerinnen und Einwohner von Brienz, das zur Gemeinde Albula gehört, waren seit November 2024 zum zweiten Mal evakuiert. Am 15. Juni 2023 hatte ein Schuttstrom beinahe das Dorf unter sich begraben. 1,7 Millionen Kubikmeter Material kamen kurz vor dem Dorfrand zum Stehen. Rund einen Monat zuvor war Brienz erstmals evakuiert worden.

1,7 Millionen Kubikmeter Schutt rutschten im Juni 2023 ab.
VBS
Im November 2025 hatten sich absturzgefährdete Gesteinsmassen zu einer Schuttmasse zerlegt. Von einem grossen und schnellen Fels- oder gar Bergsturz war das Dorf danach nicht mehr bedroht.
