Es sei ein «emotionaler Moment», sagte der Tessiner Regierungspräsident und Vorsteher des Departements für Raumentwicklung, Claudio Zali, anlässlich einer Medienkonferenz exakt zwei Jahre nach dem verheerenden Unwetter im Maggiatal. «Ich hoffe, so etwas passiert nie wieder.»
Wiederherstellung der Strassen
Die von den Wassermassen weggerissene Brücke bei Visletto stehe stellvertretend für die tiefen Wunden, welche das Unwetter ins Tal gerissen habe, fuhr der Regierungsrat und Direktor der Abteilung Bau, Norman Gobbi, fort. Es brauche Zeit, um diese zu heilen.
Zu den dringlichsten Massnahmen nach dem Unwetter hätten die Wiederherstellung der Befahrbarkeit der Strassen, der Bau der provisorischen Brücke von Visletto sowie die Wiederherstellung der Trinkwasserversorgung und der Abwasserentsorgung gehört, erklärten die Regierungsvertreter. Bei der Umsetzung dieser Arbeiten seien die kantonalen Behörden von der Armee, dem Zivilschutz und lokalen Unternehmen unterstützt worden.
Die wichtigsten Gefahrenzonenpläne des Bavonatals in der Gemeinde Cevio sowie der Gemeinde Lavizzara seien zudem aktualisiert worden. Dieses Instrument gilt als zentral, um die Sicherheit eines Gebiets zu erhöhen und künftige raumplanerische Entscheide auszurichten.
Landwirtschaft: Flächen wieder hergestellt
Zu den bereits realisierten Arbeiten gehörten auch Schutzmassnahmen gegen Erdrutsche und Murgänge, die Pflege der Schutzwälder, die Entfernung von Holz aus den Bach- und Flussläufen sowie die Wiederherstellung der Waldstrassen. Zudem würden wichtige Projekte zur Verlegung von Wohnhäusern und Landwirtschaftsbetrieben aus besonders stark durch Naturgefahren exponierten Gebieten vorangetrieben. Ziel sei es, die Sicherheit der Bevölkerung und der wirtschaftlichen Aktivitäten zu erhöhen, hiess es an der Medienkonferenz weiter.
Besondere Aufmerksamkeit habe auch der Landwirtschaft gegolten, die von den Unwettern stark getroffen wurde. Vierundzwanzig Landwirtschaftsbetriebe erlitten Schäden, drei wurden sogar zerstört. In Zusammenarbeit mit den Gemeinden, den landwirtschaftlichen Organisationen und den zuständigen kantonalen Stellen seien umfangreiche Massnahmen zur Wiederherstellung beschädigter Flächen und zur Unterstützung der betroffenen Betriebe eingeleitet worden.
Wiederaufbau kostet 100 Millionen Franken
Die aktualisierten Schätzungen gehen von Schäden und Wiederaufbaukosten von insgesamt rund 100 Millionen Franken aus. Davon übernehme der Kanton 44,5 Millionen Franken: 26,9 Millionen Franken würden Massnahmen an kantonalen Infrastrukturen betreffen, 17,6 Millionen Franken seien als Subventionen für die lokalen Körperschaften vorgesehen, erklärten die Zuständigen. Der Bund beteilige sich derzeit über die üblichen Unterstützungsinstrumente mit 14,3 Millionen Franken.
Bei den eidgenössischen Räten hängig sei zudem weiterhin der vom Bundesrat vorgeschlagene ausserordentliche Beitrag. Dieser solle zur Deckung der verbleibenden Kosten beitragen, die derzeit von den lokalen Körperschaften getragen werden müssten und sich auf 41,2 Millionen Franken beliefen.
Beim Unwetter in der Nacht vom 29. auf den 30. Juni 2024 verloren sieben Menschen ihr Leben, eine Person gilt noch immer als vermisst. Zudem entstanden erhebliche Schäden im Tal. Mehr als hundert Gebäude, Wohnhäuser, Landwirtschaftsbetriebe und Rustici wurden beschädigt, grösstenteils ausserhalb der Bauzonen. Fünfzehn Gebäude wurden zerstört oder schwer beschädigt.
