
Das schweizweite Schleppschlauch-Obligatorium ist am 1. Januar 2024 in Kraft getreten.
FiBL
Der Greyerzer Landwirt und Freiburger Grossrat Eric Barras (SVP) hat im vergangenen Dezember bei der Freiburger Exekutive eine Anfrage eingereicht, in der er die aktuelle Praxis der Gülleausbringung hinterfragt. Im Zentrum stehen dabei enzymatische und biologische Behandlungen von Gülle.
Laut Barras bieten diese Techniken eine deutliche Reduktion von Gerüchen und Ammoniakemissionen, bei gleichzeitig besserer Nährstoffverwertung und massiv geringeren Investitionskosten für die Landwirte. «Diese Art von Lösungen wird von einigen Akteuren des Schweizer Bauernverbands bereits als glaubwürdige Ergänzung anerkannt», heisst es in der Anfrage. Barras forderte den Staatsrat auf, sich für die offizielle Anerkennung dieser Methoden einzusetzen.
Die Haltung der Regierung
In seiner Antwort vom 23. März 2026 erinnert der Staatsrat zunächst an die Pionierrolle des Kantons. Dieser habe die Einführung des Schleppschlauchs bereits zwischen 2009 und 2014 im Rahmen des Projekts «Friammon» auf freiwilliger Basis vorangetrieben. Das heutige Obligatorium beruhe jedoch auf Bundesrecht.
-> «Weg mit der Pflicht zu Schleppschlauch»
Auf die Frage von Grossrat Barras, warum alternative Techniken bisher nicht im offiziellen Katalog der zugelassenen Massnahmen aufgeführt sind, antwortet die Regierung deutlich: «Alternativen zu Schleppschlauchverteilern wurden von den Bundesbehörden mangels wissenschaftlicher Grundlagen von vornherein verworfen.» Der Bund vertrete den Standpunkt, dass die vorliegenden Studien zu Additiven noch «zu verstreut und unzureichend» seien, um eine fundierte wissenschaftliche Bewertung vorzunehmen.
Forschung auf nationaler Ebene
Trotz der Skepsis auf Bundesebene zeigt sich der Kanton Freiburg gesprächsbereit. Ein rein kantonales Pilotprogramm lehnt der Staatsrat zwar ab, da hierfür die nationale Agrarforschung (Agroscope) für die wissenschaftliche Bewertung zuständig sei. Dennoch betont die Regierung: «Der Staatsrat erklärt sich jedoch bereit, im Rahmen eines national koordinierten Forschungsprogramms mit dem Bund und gegebenenfalls mit anderen Kantonen zusammenzuarbeiten.»
Nationale Drehscheibe Ammoniak
Die Nationale Drehscheibe Ammoniak ist eine Schweizer Plattform, die Praxis, Vollzug, Wissenschaft und Beratung vernetzt, um Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft zu senken. Sie bietet praxisnahe Lösungen für Stall, Fütterung, Lagerung und Düngerausbringung. Ziel: Wissensaustausch und Umsetzung emissionsarmer Techniken zur Reduktion von Stickstoffbelastungen in Umwelt und Ökosystemen. ome
Die Direktion für Institutionen, Land- und Forstwirtschaft habe bereits bei Agroscope interveniert, um dieses Anliegen vorzubringen. Letztlich bleibe es jedoch Aufgabe des Bundes, die Ergebnisse solcher Studien zu prüfen und das Obligatorium gegebenenfalls zugunsten bestätigter Alternativen zu lockern.
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