«Wiederholende Trockenperioden, vor allem mit einer Intensität, wie wir sie dieses Jahr erleben, lassen eine neue Waldkatastrophe befürchten», sagt Baptiste Laville zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Er ist Bereichsleiter Wald und Naturgefahren beim Amt für Umwelt des Kantons Jura.
Die Buche stirbt
Die jurassische Regierung hatte im Jahr 2019 eine Waldkatastrophe ausgerufen, nachdem hunderte Hektaren Buchenwald abgestorben waren. Seither lässt sich beobachten, wie in einem lebendigen Labor, wie sehr und wie schnell der Klimawandel den Wald beeinflusst und verändert.
In Mont-de-Coeuve JU bei Pruntrut entgeht das Ausmass des Phänomens niemandem. Rundherum sind die Buchen gezeichnet durch vertrocknete Kronen, verkohlte Baumspitzen und kahle Äste. Der Boden ist bedeckt von einem Teppich aus vergilbten und bräunlichen Blättern. Die Anzeichen der Trockenheit sind klar zu sehen.
«Die Wälder haben nicht ihre normale Färbung. Man hat den Eindruck, es sei Herbst», stellt Eric Wuillemin, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Amt für Umwelt, fest. «Diese Generation der Buchen ist bedroht», sagt er. Die Art macht 80 Prozent der Bäume im Jura aus.
Auch Birke leidet
Die Buche ist eine der vom Klimawandel am stärksten bedrohten Baumarten. Mit ihren Wurzeln in der Nähe der Oberfläche reagiert sie empfindlich auf Wasserstress und ist während Trockenperioden besonders gefährdet. Sie wird weiter in den Wäldern vorkommen, ihr Anteil aber deutlich zurückgehen.
Einige Buchen sind stehend abgestorben, während viele andere in ihrer Vitalität beeinträchtigt sind. Dieses beispiellose Baumsterben geht weiter und betrifft jedes Jahr neue Flächen. Der Südfuss des Jura ist ebenfalls betroffen, besonders die Wälder oberhalb des Bielersees.
Überraschend ist, dass auch die Birke unter Wassermangel und der grossen Hitze leidet. «An manchen Stellen beobachten wir das Absterben noch stehender Bäume dieser Art», sagt Wuillemin. In den Freibergen sind es Fichten und Tannen, die unter den Klimabedingungen leiden.
Gefahr im Wald
Die Trockenheit führt auch zu einer Gefahr für Menschen im Wald. Insbesondere bei starkem Wind können trockene Äste oder tote Bäume umstürzen. «Die Behörden sichern Strassen, Wege, Zugänge und Picknickplätze so gewissenhaft wie möglich», versichert Laville. Bei zu grosser Gefahr können Zugangsbeschränkungen ausgesprochen werden. «Das Nullrisiko gibt es nicht», warnt Laville. Bei Aktivitäten im Wald müsse man stets wachsam sein.
Nachdem sie durch wiederholte Hitzewellen geschwächt wurden, sind die Nadelwälder anfällig für den Borkenkäfer geworden. Das Phänomen ist besonders in den Freibergen zu beobachten. Bei günstigen Bedingungen wie derzeit vermehrt sich dieser Schädling sehr schnell. Nimmt die Zahl der Borkenkäfer stark zu, befallen sie nicht nur geschwächte, sondern auch gesunde Bäume.
Wald muss sich anpassen
Es gibt in dieser beunruhigenden Situation jedoch einen Hoffnungsschimmer. «Die im Jahr 2019 durch das Buchensterben entstandene Lücke hat zu einer Verjüngung des Bestandes geführt, wobei auch eine interessante Mischung aus Baumarten zu beobachten ist», erklärt Wuillemin. Die Diversifizierung von Baumarten und das Vorhandensein von Bäumen verschiedenen Alters in der gleichen Population können dem Waldökosystem helfen, Schocks wie die Trockenheit oder Stürme besser zu verkraften.
Das Ausmass der Schäden durch Hitze und Wassermangel an den Bäumen wird sich erst im Frühjahr 2027 abschätzen lassen. «Können sie sich erholen?», fragt sich Wuillemin mit Blick auf den Wald. Die einzige Gewissheit ist, dass sich Schweizer Wälder an den Klimawandel anpassen müssen, wenn sie ihre Rolle in Zukunft weiterhin erfüllen sollen.
