Kartierung des Grossen Moos enthüllt Unerwartetes 

Teile des Grossen Moos sind weiterhin instabil. Jetzt zeigt ein abgeschlossenes Projekt, dass sich die Torfböden aber vermutlich nicht mehr so stark absenken werden wie angenommen. Nur für 10 Prozent der Böden ist das Sackungspotenzial weiterhin hoch oder sehr hoch. Für Seeländer Bäuerinnen und Bauern ist das eine gute Nachricht.

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Vor den beiden Juragewässerkorrektionen (1868-1891 und 1962-1973) wurde das Grosse Moos immer wieder überschwemmt. Durch den Hagneck-Kanal und den Nidau-Büren-Kanal gelang es dann, das Wasser gezielt abzuleiten und also die versumpften Gebiete zwischen den drei Seen von Biel, Neuenburg und Murten zu entwässern.

Torfsackung

Dadurch wurde das Gebiet für die Landwirtschaft nutzbar. Die Folgen dieser einstigen Versumpfung bekommen die Seeländer Bäuerinnen und Bauern aber bis heute zu spüren. Denn die Böden haben sich durch die Absenkung des Grundwasserspiegels und dem Abbau organischer Substanzen immer wieder abgesenkt. Und das Potenzial, dass sie dies auch heute noch tun, besteht weiterhin. Diese Umstände führen auch dazu, dass Drainagerohre zutage geführt werden, was die Bewirtschaftung erschwert oder gar unmöglich macht.

Insbesondere dieser Abbau (Torfsackung) führte vermehrt zur Forderung nach Massnahmen zur Verbesserung der Böden, wie Bodenaufschüttungen und Ergänzungen des Drainagesystems. Für solche Projekte, wie auch generell für die Planung der zukünftigen Entwicklung des Grossen Moos bedarf es aber einer sachlichen Grundlage. Aus diesem Grund wurden mit dem Projekt BOKA von 2016 bis 2023 die Bodeninformationen durch eine umfassende Kartierung erfasst. 

Umfassende Bodenkartierung

Das Projekt BOKA  (Konzept zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und des Wasserhaushaltes im Grossen Moos) startete 2016. Mit 3 Jahren Verspätung wurde dieses Projekt zur Bodenkartierung jetzt abgeschlossen. Ziel war es, den Kenntnisstand über die Böden des Grossen Moos zu verbessern. Um sich einen Überblick über den Boden im Grossen Moos zu verschaffen haben Expertinnen und Experten rund 2'600 Bodenproben ausgewertet.

Die mit diesem Projekt erarbeiteten Karten sind jetzt öffentlich zugänglich. Die «Freiburger Nachrichten» ziehen aus einer Infoveranstaltung der Projektverantwortlichen Anfang Dezember ein Fazit: Die Torfböden im Grossen Moos werden voraussichtlich nicht mehr so stark absenken, wie bisher angenommen.

Trägerin des Projekts ist der Verein Pro Agricultura Seeland , die Interessengemeinschaft der Grundeigentümerinnen und Bewirtschafter der Landwirtschaftsflächen im Seeland. Finanziell getragen wurde das Projekt hauptsächlich von Bund und Kantone. Durchgeführt wurde die Bodenkartierung von Ingenieurbüros und der Fachhochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften.

Karten sind öffentlich zugänglich

Im Rahmen einer Infoveranstaltung Anfang Dezember informierten Projektleiter Lukas Junker und Jakob Etter, Präsident von Pro Agricultura, über die Resultate. Die Projektverantwortlichen hätten für das Projekt einen neuen Ansatz gewählt, wie die «Freiburger Nachrichten» weiter ausführen. Einmal wurden die, aus den Bodenproben gewonnen Erkenntnisse interpretiert. Zusätzlich wurden aber weitere Informationen berücksichtigt, wie Höhenmodelle, Geländeformen, Drainagepläne oder Gewässer- und historische Karten. Dieser Ansatz hätte weniger Bodenproben benötigt als die bisherige Vorgehensweise, erklärte Lukas Junker an der Infoveranstaltung.

Mit dem Projekt wurden insgesamt 24 Karten erarbeitet, die jetzt öffentlich zugänglich sind. Jede dieser Karten fokussiert dabei auf eine bestimmte Eigenschaft des Bodens, wie etwa den Ton- oder Sandgehalt des Bodens oder die Torfschicht unterhalb des Grundwassers. Die Hauptkarte gibt einen Überblick darüber, wo der Boden noch weiter absacken könnte und wo er vermutlich stabil bleiben wird.

Sackungspotenzial bleibt bestehen

Das erfreuliche Ergebnis dieser Kartierung ist, dass bei rund 70% der Böden kein Sackungspotenzial mehr besteht, oder dieses sehr tief ist. Diese Information ist eine der BOKA-Karten zu entnehmen. Dies sei eine grosse Überraschung sagte Jakob Etter an der Infoveranstaltung. Es bedeute, dass ein grosser Teil der Böden des Grossen Mooses stabil sei. Die Gefahr des Absackens bestehe aber weiterhin.

Denn bei gut 20% der Böden ist dieses Sackungspotenzial immer noch vorhanden (10,8%), ja sogar hoch (5,6%) oder sogar sehr hoch (5,1%). Vor allem im Gebiet östlich von Brüttelen gibt es ein grosses Gebiet, das noch ein hohes Sackungspotenzial vorweist, lässt sich den BOKA-Karten entnehmen.

Für Bäuerinnen ein Gewinn

Die Erkenntnisse, die aus diesem Projekt gewonnen wurden, könnten den Landwirtinnen und Landwirten helfen, die Bewirtschaftung ihrer Parzellen besser zu planen, heisst es im Bericht der «Freiburger Nachrichten» weiter. Denn durch die Karten könne die zukünftige Sackung eingeschätzt werde. Dies könne beispielsweise bei der Planung zukünftiger Drainagen helfen.

Auch jene Flächen, die für den Torfschutz möglichst hohe Grundwasserstände benötigen und sich deshalb für einen intensiven Gemüsebau weniger eignen, seien aus den Karten abzulesen. Die Erkenntnisse würden so auch als Beitrag zur Versachlichung der Diskussion über die zukünftige landwirtschaftliche Nutzfläche im Grossen Moos angesehen, so die Projektleiter.

Die Karten des Projekts sind hier einsehbar. Drücken Sie in der Legende links oben auf «Geokatalog» und wählen Sie dann den Ordner «Bodenkartierung Grosses Moos» aus. Dort können Sie dann verschiedene Optionen anklicken. 

Kommentare (1)

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  • Anton Kipfer | 12.12.2023
    Herzlichen Dank für die super Arbeit. Einmal werden hier ja wieder grosse Investitionen nötig sein.
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