
Insgesamt werden über das ganze Wochenende mehrere zehntausend Personen erwartet.
Karin Rohrer
An dem nationalen Pferdemarkt in den jurassischen Freibergen seien seit je auch viele Berner Züchter vertreten, hob der Präsident des Organisationskomitees, Vincent Wermeille, an einer Medienkonferenz Ende April hervor. Es sei daher nur logisch, dass auch Bern einmal Ehrengast sei. Allerdings musste dafür erst der Jurakonflikt gelöst sein.
Nicht nur eitel Freude
Der «Beziehungsstatus» des Juras und des Kantons Bern war lange kompliziert und konfliktträchtig. Der Streit führte 1979 zur Gründung des Kantons Jura. Doch die Animositäten flammten danach rasch wieder auf. Umstritten war die Zugehörigkeit des Berner Juras oder zumindest von Teilen davon. Mit dem Kantonswechsel von Moutier zum Jura auf Anfang 2026 gilt der Streit nun aber auf institutioneller Ebene als beigelegt.
Als Zeichen dieses Neuanfangs darf auch die Einladung Berns als Ehrengast an den Marché-Concours gelesen werden. Doch auf jurassischer Seite sehen das nicht alle autonomistischen Aktivisten positiv. Obwohl offiziell nichts angekündigt ist, könnten projurassische Gruppen wie etwa die Bélier durchaus Protestaktionen organisieren. «Man kann nicht nichts tun», liess Bélier-Chef Jonathan Gosteli vor einigen Wochen in den Spalten des «Quotidien Jurassien» fallen. «Aber wir werden nichts tun, was dem Marché-Concours schadet.»
Gäste nicht entehren
Auch die Autonomisten aus dem noch bernischen Belprahon werden anwesend sein und T-Shirts mit ihrem Slogan «Befreien wir Belprahon» tragen. Das Dorf liegt neben Moutier und hatte es 2017 mit knapper Mehrheit abgelehnt, jurassisch zu werden. An einer Sitzung des jurassischen Parlaments Anfang Juli hatte der für Justiz und Polizei zuständige Regierungsrat Valentin Zuber aus Moutier versichert, dass ein «ausserordentliches» Sicherheitsdispositiv eingerichtet werde.
Der jurassischen Regierung liege es am Herzen, dass alles gut verlaufe. Es gehe um die Zukunft der Veranstaltung, die Glaubwürdigkeit und das Image des Kantons und nicht zuletzt auch um Würde. Man könne uneinig sein, aber der Jura werde sich niemals dazu herablassen, seine Gäste zu entehren, antwortete Zuber auf eine Anfrage im Parlament.
Grosse Parade
Aus festlicher Sicht wird der Höhepunkt die grosse Parade mit 400 Pferden am Sonntagmorgen sein. Ein folkloristischer Umzug und verschiedene Rennen folgen am Nachmittag dieses stets mit Spannung erwarteten Tages. Die Veranstaltung wird am Freitagabend eröffnet. Am Samstag kann das Publikum insbesondere eine Pferdeausstellung sowie die Präsentationen und Ausstellungen des Kantons Bern entdecken. Der Galaabend am Samstagabend wird vom Berner Musiker Marc Tschanz und der Brass Band Emmental gestaltet.
Auch zwei Mitglieder des Bundesrats werden in Saignelégier erwartet: die jurassische Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider und der Berner Albert Rösti. Er wird am Sonntag während des offiziellen Teils eine Rede halten. Der Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) ist mit dem Thema Pferd vertraut, da er vor seiner Wahl in den Bundesrat den Schweizerischen Freibergerverband präsidierte.
20'000 Pferde in Bern
Mit 20'000 Pferden, Ponys und Eseln, was einem Fünftel des nationalen Bestandes entspricht, ist Bern der grösste Kanton für die Pferdezucht. Mehr als 200 Pferde und ein Team von über 600 Personen werden vor Ort in Saignelégier sein. Der Kanton Bern wird Pferdeshows, regionales Brauchtum, lokale Musik, traditionelles Handwerk und kulinarische Spezialitäten präsentieren.
Insgesamt werden über das ganze Wochenende mehrere zehntausend Personen erwartet. In den vergangenen Jahren belief sich der Besucherandrang auf rund 50'000 Personen pro Ausgabe.