Wie der Kanton Freiburg mitteilt, belaufen sich die öffentlichen und privaten Investitionen für das AgriCo-Projekt zusammen mit den von der Micarna AG geplanten Investitionen auf rund eine halbe Milliarde Franken. Die Zahl der Arbeitsplätze auf dem Campus soll von derzeit 150 auf über 700 im Jahr 2029 steigen. Der Kanton nennt ein Endziel von 1600 Arbeitsplätzen. Die Infrastruktur für den Campus soll bis 2028 erstellt sein.
Baubewilligung für Geflügelverarbeitungsbetrieb
Die erteilten Bewilligungen betreffen insbesondere die Anlagen zur Trinkwasserversorgung und Abwasserreinigung sowie die Mobilitätsplattform mit Parkhaus sowie eine überdachte Galerie. Ebenfalls genehmigt wurden die statischen Belastungsprüfungen der Gründungspfähle im Rahmen des geplanten Geflügelverarbeitungsbetriebs der Micarna AG.

Der Geflügelschlachthof der Micarna in Courtepin FR ist veraltet und soll durch eine modernere Anlage in St. Aubin ersetzt werden.
Reto Blunier
Das Oberamt hat zudem die Baubewilligung für geplanten Betrieb der Migros-Tochter erteilt. Dieser wird auf einer Parzelle errichtet, die der Kanton im Jahr 2023 an die Micarna AG verkauft hat. Das 95'000 Quadratmeter grosse Grundstück im Broyebezirk kostete die Micarna laut frapp.ch 21 Millionen Franken. Über 30 Millionen Hühner sollen dereinst in der Anlage pro Jahr geschlachtet werden. Die Migros argumentiert, dass der neue Schlachthof notwendig sei, um die steigende Nachfrage nach Pouletfleisch in der Schweiz zu decken und damit auch die Importe zu reduzieren. Die Anlage in Courtepin sei am Ende ihres Lebenszyklus angekommen und müsse ersetzt werden.
Campus umfasst 100 Hektar Landwirtschaftsfläche
Der AgriCo-Campus in St. Aubin FR umfasst 27 Hektar bebaubare Fläche sowie rund 100 Hektar Landwirtschaftsfläche für Grossfeldversuche. Nach der Schliessung des Standorts des US-amerikanischen Tiermedizinherstellers Elanco kaufte der Kanton das Gelände. Laut dem Kanton Freiburg soll er zu einem wegweisenden Industriestandort für die Lebensmittelproduktion und die Nutzung von Biomasse werden. Der AgriCo-Campus werde gemeinsam mit dem Landwirtschaftsinstitut Grangeneuve und den künftigen Aktivitäten von Agroscope in Posieux ein Kompetenzzentrum für Forschung und Lebensmittelproduktion aufbauen.
«Der AgriCo-Campus ist ein Projekt von aussergewöhnlichem Umfang, einzigartig in der Schweiz. Die Projekte werden die Zukunftsfähigkeit des Standorts für die künftigen Unternehmen sichern und gleichzeitig die wirtschaftliche Attraktivität der Region und des Kantons Freiburg stärken», sagt Olivier Curty, Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Freiburg.
Die eingereichten Projekte wurden «unter Berücksichtigung von Umwelt, Nachhaltigkeit, Naturerbe und Kreislaufwirtschaft konzipiert», sagt André Schoenenweid, Direktor der kantonalen Anstalt für die aktive Bodenpolitik (KAAB). Die KAAB ist das zentrale Instrument für die wirtschaftliche Entwicklung im Kanton Freiburg. Dies sei ein Grundprinzip, das für alle Projekte auf dem AgriCo-Areal gelte und auch weiterhin gelten werde.
«Weniger Masthühner mehr Schweizer Hülsenfrüchte»
Greenpeace Schweiz teilt mit, dass die Organisation die Bedingungen der Baubewilligung für den Micarna-Schlachthof prüfen werde. «Anschliessend wird die Umweltorganisation entscheiden, ob sie Beschwerde gegen das Projekt einreichen wird», schreibt die Organisation. Seit 2022 engagiert sich Greenpeace Schweiz gemeinsam mit den Bewohnern der Region gegen den geplanten Micarna-Schlachthof. Laut Greenpeace hat der Kanton Freiburg über 1800 Einsprachen abgelehnt und die Baubewilligung trotz grossem Widerstand erteilt.
-> Hunderte Einsprachen gegen Micarna-Hühnerschlachthof

Greenpeace wehrt sich gegen den geplanten Geflügelschlachthof.
Amélie Blanc
Die Umweltorganisation will die ökologischen Folgen prüfen. «Es ist absurd, dass die Migros an diesem Mega-Schlachthof festhält. Mehr als 30 Millionen tote Hühner pro Jahr sind nicht nachhaltig. Der Agrico-Standort sollte vielmehr eine Verarbeitungsanlage für Schweizer Hülsenfrüchte ermöglichen. Das würde eine kostengünstigere Produktion gewährleisten», sagt Nico Frommherz von Greenpeace Schweiz.
-> Micarna: Rückschlag für Schlachthof-Gegner
Laut Greenpeace sind Masthühner kein nachhaltiger Bestandteil des Ernährungssystems, da rund 80 Prozent der Futtermittel importiert werden müssen, wodurch Abhängigkeiten entstehen. «Wir haben wiederholt aufgezeigt, dass die Migros die Fleischnachfrage durch Aktionen und Werbekampagnen künstlich ankurbelt. Mehr pflanzliche Proteine direkt zu verkaufen, statt Hühner damit zu füttern, wäre jedoch viel gesünder und umweltfreundlicher», sagt Frommherz.

