
Die Lorzenebene ist ein modellhaftes Beispiel, wie diese Landschaften – auch in Regionen mit wachsender Bevölkerung – gesichert und qualitätsvoll weiterentwickelt werden können, begründet die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL-FP) ihren Entscheid
Gaëtan Bally, Keystone
Ausgezeichnet werden laut dem Communiqué am Mittwoch der Kanton Zug, die Stadt Zug, die Gemeinden Baar, Cham und Steinhausen sowie die Korporation Zug als Vertreterin der Landeigentümerinnen und Landeigentümer.
Unbebaut
Trotz starkem Bevölkerungswachstum – seit 2000 ist der Kanton Zug um 34 Prozent gewachsen – blieb die Lorzenebene unbebaut, hiess es weiter. Stattdessen wurde das Gebiet früh planerisch gesichert und gezielt als Freiraum für Landwirtschaft, Bevölkerung und Natur entwickelt. Bereits 2004 legte der Kanton im Richtplan eine Siedlungsbegrenzung fest.

Die Interessen der Landwirtschaft werden in der Lorzenebene gewahrt.
Gaëtan Bally, Keystone
2012 folgte ein verbindliches Leitbild. Darin wurde festgehalten, dass die Lorzenebene «kein Bauerwartungsland» ist und dauerhaft vor Überbauung geschützt werden soll. Zudem sollen keine neuen Verkehrsinfrastrukturen das Gebiet zerschneiden.
Pläne für Flugplatz, Flughafen und Autobahn
Frühere Nutzungspläne sahen für die Uferlandschaft unter anderem einen Militärflugplatz, einen Interkontinentalflughafen oder eine Autobahn vor. Allesamt Projekte, die letztlich nicht realisiert wurden. Stattdessen sprach sich die Zuger Regierung damals für die «Nordvariante» aus und verlegte die Lorze in ein «stark begradigtes, von Norden nach Süden verlaufendes Flussbett», wie die SL in den Medienunterlagen mitteilte.
Begründung für die Landschaft des Jahres 2026:
- Die Lorzenebene als grüne Lunge in der boomenden Stadtlandschaft Zug weist hohe räumliche und landschaftliche Qualitäten auf, sie lässt vielfältige Nutzungen zu und ist für die Zugerinnen identitätsstiftend.
- Die Planungspartner haben den grosszügigen Freiraum dem Siedlungsdruck vorausschauend entzogen und ihn vor der Bebauung bewahrt.
- Die beteiligten Gruppen haben ihre divergierenden Interessen verhandelt und ein Zielbild entwickelt, das die Koexistenz von Erholung, Biodiversität und Landwirtschaft ermöglicht.
- Wichtige Entscheide wurden umsichtig politisch verankert.
- Kanton, Gemeinden und Landeigentümerinnen haben zusammengewirkt und ihr Leitbild kooperativ umgesetzt.
- Die mitbedachte Erschliessung gewährt eine gute Zugänglichkeit und eröffnet damit vielen Menschen das Erleben der Landschaft.
- In der Umsetzung kommen partizipative und qualitätssichernde Verfahren zum Zug, etwa im Gebiet Brüggli.
- Die Lorzenebene ist ein Modell dafür, wie Agrarlandschaften im Siedlungsgebiet – auch in Regionen mit wachsender Bevölkerung – gesichert und qualitätsvoll weiterentwickelt werden können.
Heute dient die Lorzenebene als «grüne Lunge» der Region. Sie wird genutzt von Spaziergängern, Velofahrenden und der Landwirtschaft und bietet gleichzeitig Raum für Biodiversität, hiess es. Sie sei für die Zugerinnen und Zuger «identitätsstiftend», schrieb die SL.
«Modellhaftes Beispiel»
Die Auszeichnung würdigt insbesondere die enge Zusammenarbeit von Politik, Behörden und Eigentümern. Sie hätten «am gleichen Strick» gezogen, hiess es. Gleichzeitig gelte die Lorzenebene als «modellhaftes Beispiel» dafür, wie Landschaften in wachsenden Regionen «gesichert und qualitätsvoll» weiterentwickelt werden könnten, so die SL.

Die Mutterkühe haben ebenfalls ihren Platz
Gaëtan Bally, Keystone
Der Preis für die «Landschaft des Jahres» ist mit 10'000 Franken dotiert und wird seit 2011 jedes Jahr verliehen. Die Auszeichnung soll in erster Linie Projekte würdigen und unterstützen, die die Landschaft erhalten und fördern, und gleichzeitig das Bewusstsein für ihren Wert stärken.
Die Landschaften des Jahres
Seit 2011 ernennt die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL-FP) jedes Jahr eine Landschaft des Jahres. Sie kommuniziert damit die Werte der schweizerischen Landschaften informiert über deren Gefährdungen und honoriert das lokale Engagement für die Landschaftspflege. Gestiftet wird der Preis vom Migros-Genossenschafts-Bund und von Balthasar Schmid, Meggen. Die Preissumme beträgt 10'000 Franken.
Bisherige Auszeichnungen: 2011 Val Sinestra GR 2012 Birspark-Landschaft BL 2013 Campagne genevoise GE 2014 Valle di Muggio TI 2015 Innerrhoder Streusiedlung AI 2016 Wildheulandschaft Isenthal UR 2017 Energieinfrastrukturlandschaft am Aare-Hagneck-Kanal BE 2018 Le paysage sacré des abbayes et monastères du bassin de la Sarine FR 2019 Moorwälder der Ibergeregg SZ 2020 Hangbewässerungslandschaft der Oberwalliser Sonnenberge VS 2021 Tourismusinfrastrukturlandschaft Chäserrugg / Toggenburg SG 2022 Paysages d'allées du Val-de-Ruz NE 2023 Klettgau SH – Agrarlandschaft im Zeichen der Biodiversität 2024 Weilerlandschaft am Frienisbergplateau BE 2025 Valle Bavona TI – solidarisches Handeln für eine traditionelle Kulturlandschaft im Klimawandel
worden ist. Eine Oase im Kanton Zug, die seines gleichen
sucht.