Landwirtschaftliche Themen sollen in den Schulen des Kantons Luzern besser integriert werden, verlangt ein Postulat der 51-jährigen Luzerner Bäuerin und Kantonsrätin Sandra Meyer-Huwyler (SVP) aus Hitzkirch. Schülerinnen und Schüler sollen so besser über den Auftrag der Schweizer Landwirtschaft aufgeklärt werden. «Schule auf dem Bauernhof» müsse zu einem festen Bestandteil des Unterrichts werden.
Auch Lehrpersonen sollen zum Thema Landwirtschaft umfassender ausgebildet werden. Dadurch könnten sie ihren Schülerinnen und Schülern «einen realistischen und praxisbezogenen Wissensstand vermitteln», heisst es im Postulat. Meyer-Huwylers Anliegen findet dabei nicht nur in den eigenen Reihen, sondern parteiübergreifend Zuspruch. So haben auch Mitglieder der Grünen, der GLP, der Mitte und der FDP das Postulat mitunterzeichnet.
Fehlt das Verständnis für Landwirtschaft?
Meyer-Huwyler begründet ihren Vorstoss damit, dass sich die Bevölkerung immer mehr von der Landwirtschaft entferne und diese vielerorts auf Unverständnis stosse. Dies spiegle sich auch in den Abstimmungen wider. Im Bericht der «Luzerner Zeitung» wird Meyer-Huwyler mit der Tatsache konfrontiert, dass Bäuerinnen und Bauern in politischer Hinsicht eigentlich seit Jahren einen grossen Rückhalt in der Bevölkerung geniessen würden. So wurden in den letzten Jahren sieben Volksbegehren, die die Arbeit der Landwirtschaft einschränken wollten, zum Teil massiv abgelehnt, wie zuletzt die Biodiversitätsinitiative, dann auch die Massentierhaltungs- oder die Pestizidfrei-Initiative.
Meyer-Huwyler schätzt zwar den Rückhalt der Bevölkerung, sagt sie der «Luzerner Zeitung», aber wenn die Bevölkerung noch besser für die Landwirtschaft sensibilisiert wäre, käme es nie zu solchen Abstimmungen. Diese Abstimmungen würden der Landwirtschaft viele Ressourcen rauben und seien sehr belastend, so die Bäuerin gegenüber der «Luzerner Zeitung».
SchuB im Kanton Luzern
"Schule auf dem Bauernhof" (SchuB) ist ein pädagogisches Konzept, das Kindern und Jugendlichen ermöglicht, das Leben und Arbeiten auf einem Bauernhof hautnah zu erleben. Im Jahr 2023 waren 30 Luzerner Bauernbetriebe als SchuB-Anbieter registriert und es fanden insgesamt 205 SchuB-Anlässe statt, an denen 3’675 Schülerinnen und Schüler teilnahmen.
Der Luzerner Bauernverband (LUBV) wurde letztes Jahr von der Dienststelle Volksschulbildung darüber informiert, dass sie das Projekt SchuB im Jahr 2024 nicht mehr unterstützen wird. Mit dem Förderverein Luzerner Volksschulen konnte jedoch ein neuer Partner gefunden werden. Quelle: LUBV
Für landwirtschaftliche Themen sensibilisieren
Die Kantonsrätin wird sogleich mit dem Argument konfrontiert, dass in der Schule bereits viel über die Landwirtschaft informiert werde. Auch Meyer-Huwyler selbst erwähnt in ihrem Postulat einige Fächer oder Bereiche, in denen Schulkinder für landwirtschaftliche Themen sensibilisiert werden, so zum Beispiel im Fach «Natur, Mensch, Gesellschaft».
Damit solche Hofprojekte erfolgreich sind, braucht es vor allem aktive Bauernfamilien, die Freude daran haben, ihr Wissen weiterzugeben
Für Meyer-Huwyler reicht das aber nicht. Es brauche «weitere ausgewogene Lehrmittel», schreibt sie in ihrem Postulat. Auch solle «Schule auf dem Bauernhof» (SchuB) ein «fester Bestandteil des Unterrichts werden, damit die Schülerinnen und Schüler während ihrer Schulzeit in regelmässigen Abständen einen Bauernhof besuchen können». Die Schule soll aber ein politisch neutraler Ort bleiben. Sie soll dazu befähigen «sich eigenständig mit der Thematik auseinanderzusetzen, die Komplexität zu verstehen und eigene Meinungen zu bilden.»
