
Experten zufolge ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich das erste Wolfsrudel im Kanton Luzern niederlässt.
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Der Wolf ist im Kanton Luzern seit Jahren wieder präsent. Seit 2009, als erstmals ein Tier im Entlebuch nachgewiesen wurde, durchstreifen immer wieder Einzelwölfe das Kantonsgebiet. Im Unterschied zu den Nachbarkantonen Obwalden und Schwyz hat sich hier jedoch bislang kein Rudel etabliert.
Wie die «Luzerner Zeitung» berichtet, hat sich die Dynamik in der Zentralschweiz zuletzt deutlich verändert. Innerhalb weniger Monate konnten sowohl im Schwyzer Wägital als auch im Obwaldner Sarneraatal Wolfsrudel nachgewiesen werden. Diese Entwicklung rückt Luzern stärker in den Fokus. Die Frage ist nicht mehr, ob sich auch im Kanton Luzern ein Rudel bildet, sondern wann dies geschieht.
Wölfe legen weite Strecken zurück
Die Luzerner Behörden beobachten die Entwicklung in den Nachbarkantonen genau. «Die Bildung erster Rudel zeigt die eigentlich schon länger erwartete Ausbreitung des Wolfs – auch in der Zentralschweiz», wird der kantonale Wildhüter Daniel Schmid von der «Luzerner Zeitung» zitiert. Der Austausch mit den Nachbarkantonen sei eng und die Situation werde laufend analysiert.
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Grundsätzlich biete Luzern geeignete Lebensräume. Dennoch gebe es derzeit keine konkreten Hinweise auf ein Rudel. Gleichzeitig betont Schmid, dass alles möglich sei. Wölfe seien mobil und könnten grosse Distanzen zurücklegen. «Junge Wölfe wandern nicht zielgerichtet. Es kann nicht prognostiziert werden, wo sie auftauchen und sich vielleicht sogar niederlassen», sagt David Gerke von der Gruppe Wolf Schweiz zur «Luzerner Zeitung». Entscheidend sei vor allem die Präsenz von Weibchen. Da derzeit kein solches Tier im Kanton Luzern bekannt ist, gelte eine unmittelbare Rudelbildung als eher unwahrscheinlich.
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Zwei Regionen besonders attraktiv
Dennoch steigen die Chancen. Insbesondere das Entlebuch und das Napfgebiet werden als attraktive Regionen für den Wolf und mögliche Rudelstandorte genannt. Laut Gerke sei eine Rudelbildung im Entlebuch durch das neue Rudel im Kanton Obwalden wahrscheinlicher geworden. Oft entstünden neue Rudel in der Nähe bestehender Populationen. Insgesamt stehe Besiedlung der Zentralschweiz durch den Wolf steht erst am Anfang.
Während die Präsenz des Wolfes zunimmt, bleibt die Zahl der Nutztierrisse in Luzern niedrig. Im Jahr 2025 wurde ein gerissenes Schaf registriert. Fachleute warnen jedoch davor, daraus einen stabilen Trend abzuleiten, da die Zahlen je nach Wolfspräsenz stark schwanken können.
Herdenschutz spielt zentrale Rolle
Eine zentrale Rolle spiele deshalb der Herdenschutz. «Der Herdenschutz wurde in den letzten Jahren verstärkt umgesetzt und vermindert damit den einfachen Zugriff auf Nutztiere», erklärt Schmid der «Luzerner Zeitung». Massnahmen wie Elektrozäune, Herdenschutzhunde oder angepasste Weideführung gewinnen weiter an Bedeutung. Der Kanton setze darauf, diese Instrumente weiter auszubauen und die Tierhaltenden gezielt zu unterstützen.
Gleichzeitig liege die Verantwortung bei jedem Tierhaltenden selbst, seine Tiere bestmöglich vor Übergriffen durch Wölfe zu schützen. Mit einer weiter zunehmenden Wolfspräsenz dürfte auch der Druck steigen, den Herdenschutz konsequent umzusetzen und weiterzuentwickeln.