
Der Eurasische Wolf besiedelt verschiedene Lebensräume, von Wäldern bis zu offenen Graslandschaften in verschiedenen Klimazonen von der subpolaren Zone bis in die Subtropen. Die Grösse der Reviere von Wolfsrudeln variiert zwischen 100 und 300 Quadratkilometern in Mitteleuropa und 2500 Quadratkilometern in höheren Breiten.
Angela
Auf der Alp «Vorder Bristen» in der Gemeinde Silenen hat ein Wolf in den vergangenen Tagen gemäss Angaben des Kantons Uri sechs Schafe getötet.
Alp nicht schützbar
Gemäss der Beurteilung des Amts für Landwirtschaft handelt es sich bei dieser Alp um eine nicht zumutbar schützbare Alp. «Weil die erforderlichen Notfallmassnahmen nach dem Wolfangriff umgesetzt wurden, ist die Schadensschwelle von mindestens sechs getöteten Nutztieren erreicht», heisst es im Communiqué des Kantons.
Ein erheblicher Schaden durch einen einzelnen Wolf liegt vor, wenn in seinem Streifgebiet innerhalb von vier Monaten mindestens sechs Nutztiere getötet werden, nachdem dort bereits früher Schäden durch Wölfe zu verzeichnen waren (Wolfpräsenzgebiet). Die Herden müssen jedoch geschützt sein. Bei nicht zumutbar schützbaren Alpen müssen nach dem ersten Angriff Notfallmassnahmen umgesetzt werden.
Um weiteren Schaden zu verhindern, hat der Kanton eine Abschussverfügung erteilt. Diese ist auf 60 Tage befristet. Als Abschussperimeter gilt das Gebiet der Alp «Vorder Bristen». Mit dem Abschuss werden die Wildhut und allenfalls speziell bezeichnete Jäger beauftragt.
«Braucht mehr Herdenschutz»
Die Gruppe Wolf Schweiz kritisiert die Abschussverfügung. Diese werde nach einem einzigen Angriff auf eine ungeschützte Herde erteilt. Die Organisation erkennt in der Kommunikation des Kantons einen Widerspruch. Die Alp werde als «nicht zumutbar schützbar» bezeichnet, gleichzeitig halte der Kanton aber fest, dass nach den Rissen umgehend Herdenschutzzäune erstellt worden seien.
«Die Notfallmassnahmen zeigen, dass Herdenschutz auch auf Alpen mit dem Etikett ‹nicht zumutbar schützbar› technisch umsetzbar ist», schreibt die Organisation. Der Kanton erweise der Alpwirtschaft damit einen Bärendienst. Die Gruppe Wolf Schweiz fordert mehr Herdenschutz. «Wo Schafe ungeschützt bleiben, sind weitere Wolfsrisse absehbar – mit entsprechenden Folgen für Tierwohl, Alpwirtschaft und Bewirtschaftende. Wiederholte Wolfsabschüsse ändern daran nichts», warnt die Wolfschutzorganisation.
Im Meiental wurde ein Wolf erlegt
Der Kanton Uri hatte bereits im Juni einen Wolf im Meiental in der Gemeinde Wassen zum Abschuss freigegeben. Das Tier hatte auf der Alp «Heimkuhweide Fürlauwi» sechs Schafe getötet. Gemäss dem Urner Landwirtschaftsamt handelt es sich auch dort um eine nicht zumutbar schützbare Alp. Die erforderlichen Notfallmassnahmen wurden mit Elektrozäunen umgesetzt.
Am 12. Juni wurde der Wolf im Meiental schliesslich erlegt.