
Die Siegerin des 1. Frauen- und Meitlischwingfest in Hochdorf LU Melissa Klossner mit Rind Rocca.
René Nussbaumer
Am Mittag war am 1. Frauen- und Meitlischwingfest Hochdorf LU noch alles wie gehabt: Isabel Egli, Schwingerkönigin 2024 vom Frauenschwingclub Steinhuserberg, und Jasmin Gäumann, Bernerin und amtierende Schwingerkönigin, führten mit je drei Plattensiegen und den maximal möglichen 30 Punkten.
Am Nachmittag kehrte der Wind. Egli und Gäumann griffen im vierten Gang zusammen. Wie der Eidgenössische Frauenschwingverband (EFSV) in seinem Festbericht schreibt, endete der Kampf unentschieden. Da es für Egli im fünften Gang einen weiteren Gestellten gab und Gäumann gar eine Niederlage kassierte – schnell und überraschend gegen Audrey Ayer vom Club de lutte Veveyse –, fielen beide trotz des starken Vormittags aus dem Rennen um den Schlussgang.
Aktive: Klossner mit Festsieg nach Schlussgang gegen Ayer
Stattdessen qualifizierten sich laut EFSV die Bernerin Melissa Klossner und Audrey Ayer. «Für Klossner war es das dritte Fest nach einer längeren Verletzungspause in diesem Jahr, für die erst 16-jährige Ayer ist es das erste Jahr als Aktive, in dem sie schon zwei Kränze gewonnen hat und nun erstmals um den Sieg schwingen konnte», heisst es im Festbericht. Beide hatten vor dem Schlussgang vier Siege auf dem Notenblatt.
Zur Sensation für Ayer kam es dann nicht: «Klossner gewann nach 1.42 Minuten mit Kreuzgriff und Gammen links und zeigte mit dem ersten Festsieg in diesem Jahr, dass mit ihr wieder voll zu rechnen ist.» Acht Schwingerinnen gewannen einen Kranz, darunter die Bernerin Katja Künzi ihren ersten überhaupt.
Rennen um goldenen Kranz bleibt spannend
In der Jahreswertung führt laut dem EFSV-Festbericht weiterhin Mélissa Suchet vom Club de lutte Pays-d’Enhaut vor Isabel Egli, Jasmin Gäumann und Anthamatten. Mit lediglich 1,25 Punkten Unterschied zwischen Suchet und Anthamatten ist das Rennen um den Königinnentitel noch offen. Entschieden wird es an den nächsten beiden Festen – wenn es denn zwei sind: Das nächste vorgesehene Fest in zwei Wochen in Bellinzona findet nicht statt. Der Vorstand des EFSV sucht nach einer Alternative.
Meitli 1, 2 und Zwergli: Schlüchter Laura baut Vorsprung aus
Bei den Meitli 1 gewann die Bernerin Laura Schlüchter den Schlussgang gegen Kiara Philipona vom Club de lutte Val de Travers. Nach 2.24 Minuten bezwang sie ihre Gegnerin mit Kreuzgriff und Gammen links.
Bei den jüngeren Meitli 2 duellierten sich im Schlussgang die beiden Jahresführenden: die Einheimische Nicole Burri vom Frauenschwingclub Urschweiz und Laura Schlüchters Schwester Vera Schlüchter. Schlüchter bezwang Burri nach 1.32 Minuten mit Kurz und Nachdrücken am Boden. Damit teilten sich die beiden den Festsieg. Burri sorgte so für die einzige Abwechslung des Tages bei den Festsiegen, die ansonsten in allen Kategorien an Bernerinnen gingen.
Bei den Jüngsten, den Zwergli, fehlte laut EFSV am Samstag Rachel Loperetti vom Club de lutte Val de Travers im Teilnehmerinnenfeld. Sie hatte in diesem Jahr bereits vier Festsiege gefeiert. Im Schlussgang bezwang die Bernerin Elina Schäfer Kilian Gwerder vom Schwingklub Muotathal nach 1.30 Minuten mit Überdrehen am Boden und wurde als Siegerin geschultert.
Gipfeltreffen der Königinnen
Das Schwingfest fand auf dem Hof von Jeanette Burri-Arnold statt. Burri-Arnold ist vierfache Schwingerkönigin (2002–2005) und Mutter der Festsiegerin bei den Meitli 2, Nicole Burri. Die Hofbesitzerin stand auch dem Organisationskomitee vor und lockte mit mindestens 1600 Zuschauerinnen und Zuschauern ein grosses Publikum an das drittletzte Kranzfest der Saison.

Gipfeltreffen der Königinnen. Hinten v.l.: Egli Isabel (aktiv, 2024), Kempf-Brunner Michelle (aktiv, 2019), Fankhauser Diana (2018, 2022), Gäumann Jasmin (aktiv, 2025); vorne v.l.: Burri-Kunz Brigitte (2006/2007/2008/2010/2011), Burri-Arnold Jeanette (2002/2005), Gisler-Arnold Pia (1992/1997) und Vetter-Fankhauser Margrit (2013/2014).
René Nussbaumer
Rekordverdächtig war auch das Gipfeltreffen der aktiven und ehemaligen Königinnen: Neun von ihnen waren in Hochdorf vor Ort. Nebst Jasmin Gäumann (2025), Isabel Egli (2024) und Michelle Kempf-Brunner (2019), die im Sägemehl kämpften, kamen Pia Gisler-Arnold (1992, 1997), Brigitte Burri-Kunz (2006, 2007, 2008, 2010, 2011), Margrit Vetter Fankhauser (2013, 2014), Sonja Kälin (2012, 2015, 2016, 2017) und Diana Fankhauser (2018, 2022) als Zuschauerinnen nach Hochdorf LU.
Festkalender: Bellinzona abgesagt, Alternative wird gesucht
Wie oben erwähnt, wurde das nächste geplante Kranzfest in Bellinzona wegen finanzieller und organisatorischer Schwierigkeiten der Organisatoren kurzfristig abgesagt. Der Vorstand des Eidgenössischen Frauenschwingverbands arbeitet nach eigenen Angaben mit Hochdruck daran, dass die Schwingerinnen an einem Ersatzfest antreten können. Er sei vorsichtig optimistisch, bald eine Alternative präsentieren zu können.
In sechs Wochen steht der Saisonhöhepunkt auf dem Programm: das Eidgenössische Frauen- und Meitlischwingfest am 26. September 2026 in Schachen LU. Organisiert wird es vom Frauenschwingclub Steinhuserberg.
Vergangene Feste:
- 1. Frauen- und Meitlischwingfest Cousset FR, 16. Mai 2026: Erster Festsieg für Serena Anthamatten
- 1. Frauen- und Meitlischwingfest Zetzwil AG, 20. Juni 2026: Schwingen: Anthamatten doppelt nach
- 1. Frauen- und Meitlischwingfest Gingins VD: Suchet bezwingt Schwingerkönigin und gewinnt in Gingins
- 1. Frauen- und Meitlischwingfest Freiburg/Fribourg FR: Suchets holt zweiten Festsieg
- 2. Frauen- und Meitlischwingfest Zofingen AG: Der Kampf um die Krone geht weiter