Die drei Wasserbüffel im Ronfeld erschienen am Mittwochvormittag pünktlich zum Medientermin am Zaun ihres eineinhalb Hektar grossen Reviers. Gemächlich spazierten sie in der Gruppe umher. Sie fressen gerne junge Gräser, verschmähen aber auch zähe Pflanzen wie Schilf nicht. Auf dem feuchten Untergrund suhlen sie sich, was sie abkühlt kühlen und vor Insekten schützt.
Kein Mähen nötig
Durch ihr natürliches Verhalten können sie für Pro Natura zwei Funktionen erfüllen, erklärte die Projektverantwortliche Marianne Baruffa: Einerseits halten sie die wuchernde Vegetation in Schach, wodurch das Mähen nicht mehr nötig ist. Andererseits schaffen sie auf dem Boden offene, schlammige Flächen.
So bleiben im Ronfeld die Bedingungen erhalten, die für Kreuzkröten, die gefährdete Sumpfheidelibelle oder Zugvögel lebenswichtig sind, so Baruffa. Auf insgesamt acht Hektaren Fläche beherbergt das ehemalige Landwirtschaftsland, das Pro Natura seit 1999 aufgekauft hat, zahlreiche spezialisierte Tier- und Pflanzenarten.
Sechswöchige Testphase
Das Mähen der wuchernden Vegetation gehörte bislang zur Pflege des Schutzgebiets dazu. Mit dem Bagger wurde sporadisch auch Boden abgetragen. So werde verhindert, dass Büsche oder Bäume wachsen, die im sumpfigen Ronfeld unerwünscht sind, führte Baruffa aus. Doch die Eingriffe brachten auch Nachteile mit sich, denn sie verkleinern die Lehmschicht, die das Gebiet feucht hält.
Im Ronfeld bestehen sogenannte «Flutmulden»: Temporäre Gewässer, deren Wasserstand mittels Schächten gesteuert werden kann. Ist in der Trockenphase die Lehmschicht zu dünn, kann der Lehm brüchig werden und sich nicht mehr schliessen. «Momentan müssten wir mit dem Bagger wieder eingreifen», sagte Baruffa. Doch hat sich Pro Natura nun für eine alternative Pflege entschieden: Die Beweidung durch die drei Wasserbüffel.
Seit Samstag und zunächst für eine sechswöchige Testphase leben sie im Ronfeld. Danach soll die Wirkung evaluiert werden. Eine zweite Beweidung im Herbst ist in Aussicht. Das auf drei Jahre ausgelegte Pilotprojekt kostet 28'000 Franken, wovon der Kanton Luzern die Hälfte trägt.
Genügsame Tiere
Die drei zweieinhalbjährigen Büffelkühe verbringen den Rest des Jahres auf einem Fleisch- und Milchbetrieb im Aargauer Reusstal. Die Tiere sind trächtig und sollen kommenden Sommer und Herbst kalbern. Ihr Halter, Sepp Villiger, bezeichnete die Wasserbüffel als «genügsam». Weiden sie, sei eine zusätzliche Fütterung nicht nötig. «Sie geben sich auch mit zähen Pflanzen wie Schilf oder Rohrkolben zufrieden», sagte er.

Die Wasserbüffel fühlen sich im nassen Umfeld wohl und sind auch nicht wählerisch, was das Futter angeht.
Simon Heimberg
Die Tiere eigneten sich besonders für den Einsatz in den Flutmulden, weil sie – im Unterschied etwa zu Milchkühen – gerne ins Wasser gehen. Andere, einheimische Tierarten würden dies nicht tun. Dank ihrer Anatomie können sie beim Schwimmen Augen und Nase trocken behalten. Im schlammigen Gelände geben ihnen die breiten Klauen Halt.
Angepasst an wassernahe Räume
Von den rund 120 Büffeln von Villigers Hof beweiden kleinere Gruppen von Mai bis November auch weitere Naturschutzgebiete im Kanton Aargau. So sollen die Wasserbüffel dabei helfen, Lebensräume zu fördern. Selbst nach der Verdauung geben sie der Umgebung etwas zurück: In ihren Dunghaufen können sich etwa Käferlarven entwickeln.
Wasserbüffel stammen vom asiatischen Wildbüffel ab und wurden bereits vor 2'000 Jahren nach Europa gebracht. Mit ihrem Fress- und Suhlverhalten sowie ihren breiten Klauen sind sie ideal an wassernahe Lebensräume angepasst. Sie werden deshalb gerne für die Landschaftspflege eingesetzt.

Der Dunghaufen der Rinder soll auch noch gut sein für Käferlarven. Warum wurde nicht erwähnt, dass diese Dunghaufen in Naturschutzgebiet auch noch gut sind für die Entwicklung von Insekten und Gnitzen. Diese wiederum sind dafür verantwortlich, dass wir Problem mit der Blauzungenkrankheit haben.
Wenn ich als Bauer im Naturschutzgebiet (Sumpfgebiet, extensiven Wiesen) meine Rinder weiden lasse, weiss ich auch was passiert: Strafanzeige und massive Kürzung von Direktzahlungen.