Ob Politiker oder Promis - wenn einfach alles an ihnen abzuprallen scheint, bekommen sie oft den Beinamen «Teflon». Vor genau 75 Jahren wurde der inzwischen wohl sprichwörtlichste aller Kunststoffe zufällig entdeckt. Er war schon immer mehr als ein Pfannenbelag.
Eigentlich wollte Roy Plunkett einen besseren Kühlschrank erfinden. Der junge Chemiker experimentierte mit dem Gas Tetrafluorethylen, setzte einen Kanister damit unter Druck und fror ihn ein. Am nächsten Morgen wollte er weiterforschen, doch das Gas war weg.
Weissliche Pulver
Anstelle dessen befand sich im Kanister nach einer chemischen Reaktion plötzlich ein weissliches Pulver: Polytetrafluorethylen, kurz PTFE, inzwischen besser bekannt unter dem Handelsnamen Teflon.
Darunter vertreibt Plunketts früherer Arbeitgeber, die Chemiefirma DuPont, das Material noch heute, inzwischen mit der ausgelagerten Firma Chemours. Am kommenden Donnerstag vor genau 75 Jahren bekam der junge Chemiker das Patent mit der Nummer «US2230654 A» auf den Kunststoff, der weit mehr als nur Bratpfannen revolutionieren sollte.
Nicht brennbar
Um Bratpfannen ging es nach der Entdeckung zuerst einmal überhaupt nicht. Der neue Kunststoff hatte viele ungewöhnliche Eigenschaften: Nicht brennbar, und - wie Chemiker sagen - sehr reaktionsträge, äusserst beständig und mit einem sehr geringen Reibungskoeffizienten.
Alles perlt an ihm ab. Die Forscher wussten nicht so richtig, was sie mit diesem merkwürdigen Kunststoff machen sollten, ausserdem war seine Herstellung anfangs sehr teuer. Eine erste Anfrage kam dann von ganz oben. Der Zweite Weltkrieg tobte in Europa und die USA entwickelten unter höchster Geheimhaltungsstufe in der tiefsten Wüste des Bundesstaates New Mexiko die Atombombe.
Schutz vor Uran
Die dafür benötigten Uran-Materialien sind extrem aggressiv und bei ihrer Suche nach schützenden Hüllen stiessen die Wissenschaftler auf das neue Teflon. In den 1950er Jahren beschichtete der französische Ingenieur Marc Grégoire dann der Legende nach seine Angelschnur mit Teflon, um sie besser entwirren zu können.
Seine Frau hatte noch eine bessere Idee: Töpfe und Pfannen. Die beiden bekamen das entsprechende Patent und sorgten dafür, dass die Küche bis heute der bekannteste Anwendungsplatz von Teflon ist.
Gesundheitsgefahr «Teflon-Fieber»
Es dürfte nicht viele Menschen geben, die beim Pfannenkauf an ihren Wellensittich denken. Dabei bildet Teflon, wenn man es sehr hoch erhitzt, giftige Stoffe. Schon bei Temperaturen ab 202 Grad Celsius bilden die sich in Mengen, die die gefiederten Mitbewohner töten können, wie das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung berichtet.
Die Anatomie ihrer Lungen macht Vögel anfällig für die Substanzen. Sie sollten deshalb nicht in der Küche gehalten werden. Erst ab einer Temperatur von 360 Grad Celsius bilden sich Dämpfe, die auch für Menschen gefährlich sind. In hoher Konzentration eingeatmet, können sie grippeähnliche Symptome hervorrufen: das sogenannte Polymer- oder Teflon-Fieber.
Bei normalem Gebrauch beschichteter Pfannen und Töpfe passiert das aber nicht. Öl und Lebensmittel in der Pfanne schützen vor Überhitzung. Das viel zu heisse Öl würde schon bei rund 200 Grad anfangen zu rauchen, Pfannenwender würden schmelzen, und das Stück Tofu wäre schwarz. Leer sollten Pfannen und Töpfe deshalb nie länger als drei Minuten erhitzt werden, auf Induktionsherden gar nicht. sda
Nie leer erhitzen
«Kein Anbacken, leichtes Säubern, fettarme Zubereitung», listet das deutsche Bundesamt für Risikobewertung als Vorteile von Teflon auf. «Allerdings kann die Beschichtung leicht zerkratzen. Speisen in beschichteten Pfannen und Kochtöpfen sollten deshalb nur mit Holz- oder Plastiklöffeln oder -hebern bewegt werden.»
Es sei jedoch gesundheitlich unbedenklich, wenn sich von einer zerkratzten Beschichtung kleinste Teilchen lösen und verschluckt werden. Viel wichtiger: Beschichtete Pfannen und Töpfe sollten nie länger als drei Minuten leer erhitzt werden. «Sonst können auf dem heissen Herd Temperaturen um 360 Grad Celsius erreicht werden, bei denen PTFE beginnt, sich zu zersetzen und ohne Rauchentwicklung giftige Substanzen freizusetzen.»
Teflon-Politiker
Auch in Kleidungsstücken, Dichtungen, Medizintechnik wie Implantaten, Brillengläsern, in Raumfahrzeugen, auf Gitarrensaiten und in Mikrochips steckt Teflon heutzutage. Der Markt für den Kunststoff ist längst milliardenschwer, und ständig werden neue Anwendungs- und Kombinationsmöglichkeiten entdeckt.
Chemiker Plunkett ist 1994 gestorben, aber seine Erfindung hat es bis in den politischen Wortschatz geschafft: Ein Teflon-Politiker ist einer, an dem Kritik oder Skandale einfach abgleiten.